Gerichtsprozess gegen Bande aus Nordwaldeck

Spätes Geständnis wohl zu spät

Bad Arolsen - Die rechte Weihnachtsstimmung wollte am 
Tag vor Heiligabend im Korbacher Amtsgericht nicht aufkommen.

Bad Arolsen/Korbach. Jugendrichter Henrik Ludwig hatte 
einen weiteren Folgetermin im Prozess gegen die Jugendbande angesetzt, die verdächtigt wird, im Oktober eine Reihe von Pkw und einen Lkw geknackt zu haben und dann in die freie 
Tankstelle am Helser Bahnhof eingestiegen zu sein. Der Coup an der Tankstelle war beinah fernsehreif, die Täter teilweise noch minder-
jährig. Bei den vorangegangenen Verhandlungstagen war 
immer deutlicher geworden, dass die Jugendlichen womöglich einen Tipp bekommen haben könnten, dass sich am fraglichen Wochenende eine größere Geldmenge im Tresor der Tankstelle befand. Sogar das Versteck für den Tresorschlüssel war den Jugendlichen bekannt. Doch diese Kernfrage konnte 
 auch am Tag vor Heiligabend nicht abschließend geklärt werden. Und das, obwohl der Richter noch einmal eindringlich 
für den Geständnisbonus warb. So gestaltete sich die Suche nach der Wahrheit abermals sehr mühsam. Dies umso 
mehr, weil einer der wichtigsten Zeugen, der beim letzten Sitzungstermin verhandlungsunfähig gemeldet war, auch diesmal wegen eines seit langem geplant Weihnachtsur-laubs im Ausland entschuldigt fehlte. Eine andere Zeugin hatte sich krank gemeldet, eine dritte war inzwischen verstorben. Immerhin war seit dem letzten Verhandlungstag Anfang 
 Dezember ein erstes Ergebnis der Spurenermittler aus Gie-
ßen bei Gericht eingetroffen. Doch selbst die eindeutigen DNA-Spuren aus dem am Vortag des Tankstelleneinbruchs entwendeten Lkw aus Rhoden und dem einige Tage zuvor gestohlenen Porsche konnten die Angeklagten nicht zu einem Geständnis bewegen. So dauerte es weitere vier 
Stunden Beweisaufnahme und fünf Zeugenvernehmungen, bis sich endlich einer der vier 
Angeklagten aufraffte und erklärte: „Ja, ich habe den Lkw von Rhoden über Dehausen und Schmillinghausen bis Helsen gefahren und dann über Nacht auf dem Parkplatz an der Bürgerhalle abgestellt.“ Auch die Weiterfahrt am nächsten Tag bis vor die freie Tankstelle am Helser Bahnhof räumte er ein. „Warum haben Sie nur so lange mit diesem Geständnis gewartet?“, fragte eine empörte Staatsanwältin und setzte 
nach: „Woher können Sie denn so gut Lkw fahren?“ – Die erstaunliche Antwort lautete: „Das war gut Glück. Ich bin da zum ersten Mal gefahren“ Der zweite Angeklagte, des-sen DNA am Schalthebel des in Helsen gestohlenen Porsche gefunden wurde, blieb jedoch auch jetzt noch bei seiner Version, nichts von dem Pkw-Diebstahl und den mit dem Porsche begangenen weiteren Straftaten, dem Einbruch in die Volkmarser Eisdiele und in das Wetterburger Café am Twistesee zu tun zu haben. So dürfen sich nun alle Beteiligten auf zwei weiteren Fort-setzungstermine einstellen. – Im neuen Jahr, am 6. Januar, werden weitere Polizeibeamte und Gutachter gehört. Am 24. Januar geht es vor allem um die 
familiären Hintergründe der Angeklagten. Voraussichtlich werden die Staatsanwätlin und die vier Verteidiger dann auch ihre Plädoyers halten.Wenigstens dürfte am Tag vor Heiligabend bei einem der 
Prozessbeteiligten Weihnachtsstimmung aufgekommen sein: Nämlich bei dem Zeugen, der seinen Weihnachtsurlaub wie geplant in Spanien verbringt. (ah)

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