Nicht alle konnten sich über den 7:1-Erfolg freuen

Sprechchöre forderten meinen Kopf

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Volkmarsen - Zehn Prozent Rabatt auf jedes deutsche EM- und WM-Tor verspricht Fußballfan Stephan Ringk den Kunden in seinen beiden Gartencentern in Brakel und Beverungen schon seit 2008. Mal gab‘s 20, 30 oder auch 40 Prozent auf Begonien, Geranien und Co. - 70 Prozent wie nach dem völlig unerwarteten 7:1-Spiel gegen Brasilien lagen aber völlig außerhalb jeder Vorstellungskraft.

„Mit einem solchen Resultat war einfach nicht zu rechnen, jedenfalls nicht in der Runde der letzten Vier“, meint nicht nur Ringk. Aber er stand zu seinem Wort: „Versprochen ist versprochen. Das bringen wir schließlich schon unseren Kindern bei.“ Daher habe er auch nicht nach fadenscheinigen Ausreden gesucht, sondern beide Geschäfte geöffnet.

Der Ansturm war enorm. In Brakel ging bereits kurz nach 9 Uhr an der etwa einhundert Meter entfernten Straßenkreuzung Im Königsfeld/Warburger Straße nichts mehr, wie die Warburger Zeitung berichtet.

Die Wartezeit vor den beiden Kassen des Geschäftes betrug mehr als zwei Stunden. Parkplätze waren nicht mehr zu bekommen, Einkaufswagen Mangelware. Sie wurden gegen Höchstgebot bis zu fünf Euro weitergegeben. Kunden stellten ihre Autos teilweise auf anderen privaten Flächen und in Halteverbotszonen ab. In Beverungen gestaltete sich die Situation ähnlich.

„Vielleicht hätten wir eine Rabatt-Obergrenze angeben sollen“, räumte Ringk am Tag danach ein. Dennoch habe er sich über den Sieg der Nationalmannschaft auch gefreut.

Während des Spiels habe er ganz ungläubig vor dem Fernseher gesessen und gehofft, dass sich das Schützenfest in der zweiten Halbzeit nicht fortsetzt. Aber, so Ringk: „Ich bin begeisterter Fußballfan und habe mich für das deutsche Team gefreut.“

Und der finanzielle Schaden? Darüber will er nicht nachdenken: „Ich werde jetzt auch nicht plötzlich verarmen. Mir war das Risiko bekannt.“

Nur mit den harten Reaktionen der Kunden habe er nicht gerechnet. Einige seien richtig ausfallend geworden, als nach 15 Uhr nicht mehr die volle Auswahl im Landen zu finden gewesen sei: Bei Topfblumen waren wir abends komplett leer.“

Aber auch andere Waren wie Dünger, Blumenerde oder Deko habe er keine Ausnahme gemacht. Alles sei zu 70 Prozent rabattiert weggegangen. Manche Kunden hätten sich sogar darüber gestritten, wer welche Ware zuerst gesehen habe. Und als er dann gegen 16.30 Uhr die Türen habe schließen lassen, um bis 18 Uhr alle Kunden abkassiert zu bekommen, habe die Menge lautstark protestiert: „Wir hatten Angst, dass die Leute uns die Regale von den Wänden reißen. Wir waren ja pflanzenmäßig total blank. Manche Sprechgesänge forderten sogar meinen Kopf. Meine Mitarbeiterinnen habe ihre Männer als Türsteher herbeitelefoniert.“

Dennoch will der Volkmarser sein Rabattversprechen auch bis zum Finale am Sonntag aufrechterhalten: Am Montag gibt es wieder zehn Prozent für jedes deutsche Tor. Bis dahin ist auch wieder neue Ware im Laden. Der Preis wird vorher nicht aufgeschlagen: „Solche Tricks merken sich die Kunden und kommen nicht wieder.“

Immerhin: Die mediale Ausstrahlung der ungewöhnlichen Werbeaktion war gewaltig: Zahlreiche Onlinemedien vom SZ-Magazin über Focus-Online, FAZ, Huffington Post und viele mehr berichteten über das Gartencenter in Ostwestfalen.

Unzählige Mails, SMS und Telefonanrufe erreichten Ringk, zwei sogar aus der Schweiz: „Ein Geschenkartikellieferant hatte gehört, dass wir keine Ware mehr hatten und bot sich an zu liefern.“

Aber Ringk will lieber bei seinen Blumen bleiben, auch wenn er einräumt: 40 Prozent Rabatt sind kaufmännisch vielleicht noch zu vertreten, aber alles was darüber hinausgeht, tut schon weh.

Aber am Sonntag ist der ganze Wirbel bekanntlich vorbei. Und für den deutschen WM-Titel reicht ein 1:0. Zehn Prozent auf alles.

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