Sammlerstück soll Zeit des „Derrick“-Darstellers als SS-Mann in Arolsen belegen

SS-Trophäe für Horst Tappert?

Mit dieser Statuette wurde wahrscheinlich ein weiterer Hinweis auf die Präsenz des Schauspielers Horst Tappert bei der SS in Arolsen gefunden

Bad Arolsen - Eine Trophäe der SS-Flugabwehrtruppe aus Arolsen ist aufgetaucht, die einem „H.Tappert“ 1943 den dritten Platz bei einem Schießwettbewerb bescheinigte. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um den verstorbenen Schauspieler Horst Tappert („Derrick“).

Die Bild-Zeitung berichtete gestern groß unter der Überschrift „,Derricks dunkle Vergangenheit“ über den Fund und schloss: „Das ist Horst Tapperts SS-Trophäe.“ Mit dieser Statuette wurde wahrscheinlich ein weiterer Hinweis auf die Präsenz des Schauspielers bei der SS in Arolsen gefunden. Der heimische Sammler Friedhelm Wagner hat die Trophäe bereits im vorigen Jahr aus Sammlerkreisen bekommen. Woher, will er nicht sagen.

Nach Meldungen über den Eintrag von Tapperts Name auf einer Liste der in Arolsen stationierten SS-Soldaten im April gewann die Neuerwerbung Wagners an Aktualität. Er bot das Stück vor Kurzem dem Verein Historicum 20 in Bad Arolsen an. Dazu gehörte ein Schwarzweiß-Foto, auf dem Tappert mit weiteren Soldaten vor einer Flugabwehrkanone zu sehen sein soll.

Wagner ist zuversichtlich, dass er weitere Gegenstände aus der Militärzeit Tapperts bekommen wird: Dazu gehört ein Buch mit dem Titel „Freigemachtes Grenzland“, das Kameraden Tappert bei einem Lazarett-Aufenthalt geschenkt haben sollen. Das Machwerk war 1942 herausgegeben worden und bezieht sich auf Polizei- und Militäreinsätze in Frankreich. Auch die Erkennungsmarke des Panzergrenadiers Tappert sucht Wagner noch. Dabei dürfte er von einer in den 70er-Jahren angelegten Sammlung über Horst Tappert profitieren.

Die Frage bleibt: Wie gelangen mehr oder weniger persönliche Dinge Tapperts in die Hände Dritter? Und welche Aussagekraft haben die Sammlerstücke? Handelt es sich gar um Fälschungen, die nun - nach Bekanntwerden der Zugehörigkeit Tapperts bei der Waffen-SS - einen besonderen Wert bekommen dürften?

„Es ist unwahrscheinlich, dass es sich bei der Trophäe um eine Fälschung handelt“, erklärte der Vorsitzende des Vereins Historicum 20, Dr. Bernd-Joachim Zimmer. Die Auszeichnung sei Eigentum Wagners, der für das Museum Historicum 20 Ausstellungsstücke bereitgestellt habe: „Wir kaufen Sammelstücke und stellen sie aus.“ Zunächst solle diese Trophäe aber nicht in dem Museum ausgestellt werden. Es gehe nicht darum, etwas zu verbergen, betonte Zimmer. Aber das Exponat müsse im passenden Kontext und - mit Erläuterungen versehen - präsentiert werden. Den entsprechenden Rahmen würde Zimmer in dem Raum zur SS-Geschichte Arolsens schaffen. Dort müssten noch die Episoden der Flak-Einheit, der Tappert angehörte, und eines Panzerbataillons dargestellt werden. Dann sei es auch denkbar, die vermutlich dutzendfach produzierte Trophäe zu zeigen: Auf einem polierten Granitblock sitzt der angeblich aus versilbertem Aluguss geformte Oberkörper eines Soldaten mit Stahlhelm, und auf dem Stein ist eine Platte mit Gravuren zu sehen.

Zur Bedeutung Horst Tapperts in Arolsen sagt Zimmer: Der damals 19-jährige Soldat sei in Arolsen nicht bedeutend gewesen. Es habe prominentere Angehörige der dort stationierten Truppen gegeben und Kriegsverbrecher unter ihnen. „Ich würde Tappert nicht an den Pranger stellen, wenn ihm nicht für die Zeit nach Arolsen irgendein Verbrechen nachgewiesen werden könnte“, sagt der Historiker.

Tappert war nach Auskunft der Wehrmacht-Auskunftsstelle mit dem 14. SS-Panzerregiment 1 „Totenkopf“ nach Russland verlegt und dort am 22. März 1943 verwundet worden. Mit einem Unterarmdurchschuss und einer Bauchverletzung musste sich der der junge Mann behandeln lassen.

Nach dem Krieg begann die Schauspieler-Karriere Horst Tapperts, der große Popularität als Kommissar Derrick erlangte und - stets korrekt gekleidet -als vertrauenerweckende Persönlichkeit galt.

Tappert hatte nie über seine Zugehörigkeit zur SS gesprochen. Als Folge der Veröffentlichungen über diese Phase seines Lebens nahm das niederländische Fernsehen die Krimiserie mit dem im In- und Ausland beliebten Schauspieler aus dem Programm.

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