Erster Vortrag im Rahmen der Feierlichkeiten zu 300 Jahre Stadtgeschichte Bad Arolsen fand vor vollem Hause statt

Stadt Arolsen ist mit 300 Jahren vergleichsweise  jung, hatte aber Vorgänger

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Merian-Stich der Stadt Arolsen. Es ist unwahrscheinlich, dass Merian die Stadt selber besucht hat. Wahrscheinlich zeigt er in diesem Kupferstich all diejenigen Attribute, die zu einer mittelalterlichen Stadtanlage gehörten: Ein Burg mit Stadtmauer, Türmen und Toren.

Bad Arolsen.  Der Erlass der fürstlichen Privilegien am 20. September 1719 gilt als Gründungsakt der Stadt Arolsen. Aber auch vor diesem Datum es gab auch schon Bauern, die hier siedelten, ein Nonnenkloster und eine gräfliche Burg.

Davon berichtete die Marburger Historikerin Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann auf Einladung des Waldeckischen Geschichtsvereins bei einem von mehr als 150 interessierten Gästen besuchten Vortrag im Bürgerhaus. Mittendrin: Carl Anton Prinz zu Waldeck und Pyrmont, ein direkter Nachfahre des Stadtgründers Friedrich Anton Ulrich.

„Wenn der Stadtgründer heute einen Blick auf unser blühendes Stadtwesen werfen könnte, würde er sicher gnädig und anerkennend lächeln“, orakelte Gerhard Althoff als Vorsitzender der Arolser Bezirksgruppe im Geschichtsverein.

Von Haroldishusen über Aroldessen zu Arolsen

Tatsächlich ist die Quellenlage zur Vorgeschichte Arolsens recht dünn. Prof. Braasch-Schwersmann hat bei ihren Forschungen Hinweise auf Bauernställe bei Hünighausen und ein Lusthaus im Luisenthal gefunden. Beide waren im früheren 12. Jahrhundert Besitz des Klosters Corvey.

Aus dem Jahr 1155 gibt es eine vom Bischof von Paderborn ausgestellte Urkunde, in der berichtet wird, dass die Gepa von Itter einen Nonnenkonvent gründete, der nach der Augustinerregel lebte. Die adelige Patronin hinterließ dem Konvent eine Kirche und die ganze Ansiedlung (ecclesiam et totam villam). Die Kirche war dem Heiligen Jakobus, später auch Johannes dem Täufer geweiht.

Der damals gebräuchliche Ortsname Aroldessen lasse sich wahrscheinlich von einem Gründer Harold ableiten, so die Historikerin. Aus Haroldishusen könne sich Aroldessen und später Arolsen entwickelt haben.

Die Arolser Klostergründung 155 war die erste im Waldecker Land. Bald darauf folgten die Konvente in Flechtdorf, Korbach, 50 Jahre später Schaake und Berich, noch später Volkhardinghausen und Netze. Klöster und Konvente wichtig zur Versorgung der Bevölkerung mit christlichem Beistand gewesen. Stifter konnten darauf vertrauen, dass hier auch nach ihrem Tod für ihr Seelenheil gebetet werden würde. 

Erst Augustinerinnen, dann Antoniter

Frauen boten die Konvente Bildung und Entwicklungsmöglichkeiten, die Chance Verantwortung zu übernehmen. Bei jeder Neuaufnahme seien Schenkungen als Mitgift geflossen. Zu den ersten Schenkungen gehörten gerodete Grundstücke im Bereich der heutigen Hofbrauerei und des Vorhofes. Größe und Lage der Jakobuskirche seien nicht überliefert. Es gebe auch keinen hinweis auf einen Kreuzgang.

 Vieles deute daraufhin, dass es zwischen Vorhof und Brauerei Hofanlagen, eine Mühle, ein Backhaus, Stallungen, Fruchtspeicher Unterkünfte für Nonnen und für Bediensteten gegeben habe. Obwohl das Kloster Einnahmen aus 20 Besitzungen bezog, sei die wirtschaftliche Lage irgendwann so schlecht geworden, dass Graf Otto von Waldeck 1493 die Aufhebung des Klosters und die Weitergabe an die Antoniter verfügt habe. 

1526 brachte Graf Philipp von Hessen die Reformation ins Land. Der übereignete die klösterlichen Besitztümer Graf Philipp von Waldeck, der hier einen herrschaftlichen Sitz mit gräflicher Kanzlei der Eisenberger Linie einrichtete.

Merian-Stich der Stadt Arolsen. Es ist unwahrscheinlich, dass Merian die Stadt selber besucht hat. Wahrscheinlich zeigt er in diesem Kupferstich all diejenigen Attribute, die zu einer mittelalterlichen Stadtanlage gehörten: Ein Burg mit Stadtmauer, Türmen und Toren.

Die Kupferstiche von Dillich und Merian, die die Stadt und Burg Arolsen in den im 17 Jahrhundert zeigen, entsprachen wahrscheinlich nicht der damaligen Wirklichkeit. Beide Künstler hätten die Stadt wahrscheinlich nie gesehen, sondern ihr die Attribute einer damaligen Residenzstadt hinzugefügt: Eine Burg mit Zinnen, eine Stadtmauer mit Türmen und Toren.

Welche Gebäude standen schon vor dem Bau des Schlosses in Arolsen?

Sicher sei aber, dass die Residenz Arolsen als Burg und Witwensitz der gräflichen Familie genutzt wurde. Hier fanden Gerichtsverhandlungen statt, auch Blutgerichte.

Beim Baubeginn des Residenzschlosses und der Stadt im Jahr 1719 seien fast sämtliche Vorgängerbauten abgerissen worden. Lediglich Teile des Hofbrauhauses und einzelne Gebäude im Bereich des Vorhofes (Klosterscheune, Schmiede) könnten noch bis in die Zeit der ersten Bebauung der Stadt zurückreichen, so die Historikerin.

Im nächsten Vortrag aus dieser Reihe beschäftigt sich der Historiker Prof. Dr. Holger Gräf am Mittwoch, 6. März, mit dem durch Urkunden belegten Zeitraum von der Stadtgründung bis heute.

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