Bachläufe entwickeln ungeahnte Kräfte

Stadt Bad Arolsen zieht erste Bilanz der Schäden des Starkregens im Juli

Braunes Wasser wälzt sich zwischen zwei Hauswänden hindurch und verschwindet im betonierten Bachbett unter einer Straße.
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Hochwasser nach 24 Stunden Starkregen am Bachlauf der Bicke in Helsen.

Auch wenn die Schäden, die der Starkregen vom 13. und 14. Juli in Bad Arolsen hinterlassen hat, in ihrem Ausmaß nicht mit den Schäden im Ahrtal und im Rheinland zu vergleichen sind, so haben die großen Regenmengen doch tiefe Löcher in den städtischen Haushalt gerissen.

Bad Arolsen - Das wurde am Dienstagabend bei einer ersten Bilanz im Umwelt-, Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss deutlich. Marco Tröger erläuterte dabei als stellvertretender Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Bauen und Immobilien. Wie sich Mitte Juli das Unheil über Bad Arolsen zusammengebraut hat. Über 24 Stunden hinweg habe ein beinah stationäres Regengebiet über dem Stadtgebiet insgesamt rund 140 Liter Wasser auf den Quadratmeter ausgeschüttet, so die jetzt aktualisierten Zahlen.

Das entspreche einem Starkregenereignis, wie es statistisch nur alle 700 Jahre vorkommen dürfte. Für solche Regenmengen sei kein Kanalsystem ausgelegt. Dennoch hielten sich die Schäden an städtischen Abwasserrohren sehr in Grenzen. Stattdessen habe das Wasser oftmals in Gebäude zurückgestaut.

Widerlager von Brücken beschädigt oder unterspült

Außerdem sei abfließendes Regenwasser durch Türen und Fenster in die Gebäude eingedrungen. Schließlich habe auch drückendes Schichtenwasser seinen Weg in manches Kellermauerwerk gefunden. So hätten die städtischen Feuerwehren mit Unterstützung aus den Nachbarstädten mehr als 200 Keller leer pumpen müssen.

Das abfließende Regenwasser habe zudem Bäche anschwellen lassen. Dabei seien Bachläufe verschoben und Widerlager von Brücken beschädigt oder gar unterspült worden.

Wer trägt die Kosten?

In der Folge müsse die Stadt rund 150.000 Euro für die Schadenbehebung aufwenden, davon alleine rund 40 000 Euro eine abgerutschte Böschung am Radweg neben der Bundesstraße B252 in Helsen. Hinzu kämen Kosten für Gehölzpflege, Material- und Entsorgungskosten aufbringen.

An städtischer Infrastruktur wie Ufermauern in Schmillinghausen von Bächen seien weitere Schäden von rund 155.000 Euro angefallen. In manchen Bereichen müsse man noch klären, wer die Kosten zu tragen habe. Immer dann, wenn sich die Mauern unter aufsehenden Gebäude befinden, muss der Gebäudeeigentümer die Kosten tragen.

Rückstauklappen im Hauskanal regelmäßig warten

Die Schäden an städtischen Gebäuden werden derzeit auf rund 225.000 Euro geschätzt. Der dickste Batzen mit rund 115.000 Euro entfällt dabei auf die Stadtbücherei im Untergeschoss des Bürgerhauses. Wie berichtet, hat sich hier der Unterbau des Estrichs mit Wasser vollgesogen. Dieser Schaden ist aber wohl versichert. Mittelfristig werde die Stadt wohl ihre Gebäude mit neuen Rückstauklappen ausrüsten und regelmäßig warten müssen, was wahrscheinlich rund 70.000 Euro koste.

Rückstauklappen im Kanal und regelmäßige Wartung empfahl Bürgermeister Jürgen van der Horst auch allen Hauseigentümern, die sichergehen wollten, dass ihre Elementarversicherung im Schadensfall zahle.

Enorme Wassermengen hätten Twistesee gut gefüllt

Aus städtischer Sicht müsse auch darüber nachgedacht werden, ober der verrohrte Mühlengraben unter dem Hartplatz an der Mengeringhäuser Stadthalle nicht wieder geöffnet werden könne, wenn demnächst das neue Sportzentrum fertiggestellt sei.

Dann könnten vielleicht Schäden durch rückstauendes Wasser in der Altstadt vermieden werden. Der Rathauschef beeindruckte mit diesem Zahlenvergleich: In den 24 Stunden Starkregen sei im Einzugsbereich des Mühlengrabens eine Regenmenge gefallen, die den Twistesee 1,6-fach bis zu dessen Maximalstau gefüllt hätte. Das könne kein städtisches Kanalsystem auffangen und ableiten. (Elmar Schulten)

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