Über 20 Prozent angestrebt

Freie Wähler starten in Bad Arolsen in Wahlkampf

Ehrungen bei den Freien Wählern Waldeck-Frankenberg. Vorne in der Mitte die beiden neuen Ehrenmitglieder Herbert Dinger und Fritz Franke mit Ehefrau Erna. Links Reinhild Schultheis. Im Hintergrund Vorsitzender Uwe Steuber (3. von rechts) mit weiteren Geehrten.
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Ehrungen bei den Freien Wählern Waldeck-Frankenberg. Vorne in der Mitte die beiden neuen Ehrenmitglieder Herbert Dinger und Fritz Franke mit Ehefrau Erna. Links Reinhild Schultheis. Im Hintergrund Vorsitzender Uwe Steuber (3. von rechts) mit weiteren Geehrten.

Der Freie Wähler-Kreisverband Waldeck-Frankenberg will sich gegen die großen Parteien bei der Kommunalwahl im März 2021 mit über 20 Prozent behaupten. Bei der Kreisversammlung in Mengeringhausen bekräftigte der wiedergewählte Vorsitzende Uwe Steuber die Positionen.

Arolsen-Mengeringhausen – Geschäftsführer Udo Hoffmann skizzierte die Marschroute für den Wahlkampf, der unter Corona-Bedingungen stattfinden und wahrscheinlich vollständig durch Briefwahl entschieden werde. Neben den älteren Stammwählern sollten junge Menschen zusätzlich über Online-Angebote wie Facebook und Instagram erreicht werden.

Für die Online-Strukturen sei der Mengeringhäuser Martin Hock zuständig. Mit dem Slogan „Willkommen Zuhause“ solle das Gefühl des Verstandenwerdens geweckt werden.

Hoffmann: „Das ist nicht nur lieb gemeint, schließlich werde daheim auch gestritten.“ Die etablierten Parteien würden es schwer haben, da wollten die Freien Wähler „reingrätschen“ und sie mit dem Votum der Wähler Verantwortung übernehmen.

Erklärtes Ziel „20.21 %“, so die selbst gesteckte Marke: „Das ist machbar“, sagte Hoffmann.

Kreisvorsitzender Uwe Steuber zeichnete das Bild einer Kreispolitik, die durch die „Gro-Ko“ aus CDU und SPD geprägt werde und durch die Anträge auch der FW als drittstärkster Fraktion gleich abgelehnt und nicht mehr an die Ausschüsse zur Beratung überwiesen würden. Ausschüsse würden kaum noch tagen und dann nur noch kurz.

Kritik übte Steuber an der seiner Auffassung nach viel zu knappen Information über den Bau eines neuen Behördenhauses am Kreishaus, das mit Kosten von 17 Millionen Euro veranschlagt werde. „Wir werden nicht mitgenommen bei politischen Entscheidungsprozessen“, beklagt Steuber.

Um die Kreisspitze zu einer baldigen Auskunft bewegen zu können, habe der FW-Kreisvorstand per Brief um Aufklärung über Änderungen beim Gesundheitsamt nach dem Wilke-Wurst-Skandal gebeten. Eine Anfrage werde erst spät beantwortet, begründet Steuber das Vorgehen.

Der FW-Landesvorsitzende Engin Eroglu, zugleich Mitglied das Europaparlaments, unterstrich die Position als drittstärkste politische Kraft in Hessen, schließlich seien die Freien Wähler seit der Kommunalwahl 2016 in 17 Landkreisen vertreten.

Kritisch setzte er sich mit dem mit 750 Milliarden Euro ausgestatteten EU-Fonds zur Linderung der Corona-Krise auseinander, aus dem der Großteil nach Südeuropa „verschenkt“ oder zinsgünstig vergeben werde.

In der Kreisversammlung skizzierte Stefan Kieweg aus Sicht der Energie Waldeck-Frankenberg und dem auf erneuerbare Energien spezialisierten Schwesterunternehmen Verbandsenergiewerk VEW die Aussichten der Energieversorgung. Dabei äußerte er sich skeptisch, dass nach dem geplanten Ende der Kohleverstromung ein gleichwertiger Ersatz durch Wind- und andere erneuerbare Energien möglich sei.

Zudem dauere die Schaffung eines Hochspannungsnetzes sehr lange. Als wichtige Option für die Zukunft bezeichnete er die Kernfusion.

Vorstand der Freien Wähler, von links: stellvertretender Vorsitzender Heinfried Horsel, Geschäftsführer Udo Hoffmann, Vorsitzender Uwe Steuber, Stellvertreter Klaus Teppe und Kassierer Ingo Sahl.

Mit einer Urkunde für seine langjährige Funktion als stellvertretender Kreisvorsitzender der Freien Wähler wurde Eberhard Diebel aus Waldeck mit einer Urkunde bei der Kreisversammlung geehrt. Ebenso wurden die langjährigen Beisitzer Gerhard Germann (Waldeck) und Erich Hirt (Battenfeld) für ihren Einsatz geehrt.

Mit der goldenen Ehrennadel des Landesverbandes wurden für langjährigen Einsatz Reinhild Schultheis (Bad Wildungen; 40 Jahre) und Gert Michelsburg (Bad Wildungen; 35 Jahre) geehrt. Waldtraud Richter (31 Jahre) und Horst Reis (beide Bad Wildungen; 28 Jahre) bekamen die silberne Nadel.

Für ihr herausragendes Engagement wurden Herbert Dinger aus Rhoden und Fritz Franke aus Gembeck zu Ehrenamitgliedern ernannt. „Politik ist sein Leben“, sagte Steuber über das langjährige Mitglied des Kreistages und des Bauausschusses.

Für den bereits mit dem Ehrenbrief des Landes ausgezeichneten Franke habe der Vorstand sich vergeblich um eine weitere staatliche Ehrung bei der Staatskanzlei bemüht, bedauerte Steuber. Seit 1968 sei Franke viele Jahre in der Gemeindevertretung von Gembeck und danach der Großgemeinde Twistetal gewesen. Zudem habe er die Wählergemeinschaft als Vorsitzender geführt.

Bei den Wahlen unter Leitung von Bürgermeister Jürgen van der Horst wurde Uwe Steuber in der Stadthalle als Vorsitzender bestätigt. Ebenso einstimmig fiel das Votum für die drei Stellvertreter Heinfried Horsel, Klaus Teppe und die neu berufene Kira Hauser, für Geschäftsführer Hoffmann, Kassierer Ingo Sahl und seinen Stellvertreter Christoph Jerrentrup aus.

Ferner wurden Beisitzer gewählt: Martin Germann (für Gerhard Germann, beide Waldeck), Dieter Angersbach (für Christian Trusheim, beide Roda), Gerhard Behle (Diemelsee), Horst Krestel (Korbach), Dieter Büchsenschütz (Harbshausen), Heinz Kraus (Rennertehausen; für Erich Hiert, Battenfeld), Hans-Hermann Faust (Gemünden), Swen Jäger (Rengershausen), Hartmuth Schiller (Nieder-Waroldern), Manfred Schneider (Twistetal), Matthias Armand (Frankenberg), Kurt Schulze (Bad Arolsen), Markus Hübel (Rhoden), Thorsten Reuter (Mengeringhausen) und Horst-Werner Bremmer (Altenlotheim). (Von Armin Haß)

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