Twistetal/Kassel

Streitereien um die Kinder

- Twistetal/Kassel (-ah-). Der Streit um die Kinder stand im Blickpunkt des gestrigen Prozesstages vor dem Landgericht Kassel, vor dem sich ein 40-Jähriger wegen versuchten Mordes verantworten muss.

Die Auseinandersetzungen zwischen der Mutter und Werner B. (40), der gestanden hat seine drei Kinder mit dem Hammer umgebracht haben zu wollen, schilderte ein Diplomsozialpädagoge und -arbeiter vom Jugendamt des Kreises Waldeck-Frankenberg gestern vor Gericht. Das Verhältnis zwischen den Elternteilen war derart zerrüttet, dass sogar angebliche Morddrohungen Thema in den Auseinandersetzungen waren. Der Vater habe sich aber gegen die Behauptung verwahrt, jemals eine solche Drohung ausgestoßen zu haben, erklärte der als Zeuge befragte Mitarbeiter des Jugendamtes. Der Diplom-Sozialpädagoge hat die Familie von 2006 bis Anfang dieses Jahres betreut und nach Wegen gesucht, die Kontakte zwischen den Eltern und den Kindern auf eine geregelte Basis zu stellen. Die Situation war aber vertrackt, weil aufgrund angeblicher Tätlichkeiten des Vaters gegen die Frau eine Wegweisungsverfügung des Familiengerichts in Biedenkopf erwirkt worden war. Später einigte man sich vor dem Familiengericht auf eine Umgangsregelung des Vaters mit den beiden Töchtern und dem Sohn, wobei Bekannte und Verwandte den Transport der Kinder organisierten. Die Eltern verfügten nicht über Pkw, und ein Kontakt zwischen den Eltern sollte wegen der ständigen Streitereien vermieden werden. Die Mutter warf dem Vater vor, sich nicht genügend um Kontakte zu bemühen. Der Vater behauptet wiederum, die Mutter gehe rabiat und rigide mit den Kindern um und sei nicht fähig, diese richtig zu erziehen. Dass die Mutter einer Tochter durch Schläge Blutergüsse beigebracht haben soll, ließ sich nach Auskunft des Jugendamts-Mitarbeiters auch nach Untersuchung im Kindergarten nicht erhärten. Aufhorchen ließ vor Gericht, dass die Mutter schließlich die älteste Tochter zu dem Vater gehen lassen wollte. So wurde Im Frühjahr 2007 das Sorgerecht für die Älteste beantragt. Doch dann bat der Rechtsanwalt des Vaters, diesen Antrag ruhen zu lassen und zog ihn danach sogar ganz zurück: Die Mutter hatte es sich anders überlegt. Werner B. sei zornig gewesen und in Tränen ausgebrochen. Eine juristische Auseinandersetzung habe er jedoch nicht mehr führen wollen.In seinen Gesprächen mit dem Vater habe dieser zwar frustriert gewirkt, jedoch keine Selbstmordabsichten durchblicken lassen, sagte der Sozialarbeiter. Entgegen der Aussage einer früheren Nachbarin von B. bekräftigte er, dass das Jugendamt in jedem Fall Gewaltvorwürfen nachgehe. Eine Zeugin hatte gestern behauptet, Schläge und Weinen der Kinder durch die Wand ihrer Wohnung gehört zu haben und vom Jugendamt ans Gesundheitsamt verwiesen worden zu sein.

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