Vasbecker unterstützen Projekt zur Abstimmung regenerativer Energiequellen

Gas strömt, wenn Sonne, Wind streiken

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Diemelsee - Vasbeck - „Biogas kann’s“: Unter diesem Motto wirbt der Fachverband Biogas für die Energiegewinnung aus Biomasse. „Biogas ist eine erneuerbare Energie, die speicherbar ist“, beschreibt Heinrich Wetekam, der die Bioenergieanlage in Vasbeck betreibt, den wesentlichen Vorzug.

Der Atomausstieg und damit die verstärkte Förderung regenerativer Energie ist in Deutschland beschlossene Sache. „Sonnen- und Windenergie sind allerdings nicht speicherbar“, erklärt Diplom-Agraringenieurin Stephanie Wetekam. Gas hingegen könne gespeichert und dann abgegeben werden, wenn keine der anderen regenerativen Energieformen verfügbar sei - sprich wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen versuche sich derzeit an der Abstimmung dieser Energiequellen.

„Wir schließen uns diesem Projekt an und speichern das Gas in den Zeiten, in denen es nicht zur Stromerzeugung gebraucht wird, unter den Gashauben“, erklärt Heinrich Wetekam. Die Verbrennungsmotoren der Anlage laufen erst wieder an, wenn andere Energiequellen versiegen. Um mehr Gas als bisher speichern zu können, haben Wetekams inzwischen auch ihren Lagerbehälter mit einer gasdichten Folie abgedeckt. „Außerdem läuft das Genehmigungsverfahren für einen vierten Behälter mit Gasspeicher.“

„Haben ein Energieproblem“

Ihre Anlage „füttern“ Wetekams über das Jahr verteilt zu jeweils einem Drittel mit Ganzpflanzensilage, Maissilage sowie Stallmist/Gülle. Derzeit ernten sie rund 70 Hektar Getreidepflanzen, häckseln und silieren diese. Um genug nachwachsende Rohstoffe zur Verfügung zu haben, folgt der Ganzpflanzensilage die Maissilage: „Naturschützer und Imker kritisieren, dass der Maisanbau die Artenvielfalt verhindert“, weiß Stephanie Wetekam, die selbst NABU-Mitglied ist. „Für uns ist Mais aber eine tolle Pflanze, die gut anzubauen und leicht in den Prozess einzubringen ist“, begründet die Fachfrau den Einsatz.

Gegnern der Bioenergie hält sie zudem entgegen, dass der Maisanbau laut Daten des Statistischen Landesamts in den 80er-Jahren höher gewesen sei als heute. „Damals war die Viehdichte höher und Biogasanlagen sind nicht in dem Maße gewachsen wie die Viehmenge zurückgegangen ist.“

Der ebenso oft geäußerten Kritik an der Verwertung von Getreide begegnet Stephanie Wetekam mit einem Argument: „Wir haben in Deutschland kein Ernährungs-, sondern ein Energieproblem - und Biomasse ist eine umweltfreundliche Art, Energie zu produzieren und zu nutzen, denn hier wird das Getreide gehäckselt, und bei uns zu Hause wird die Heizung warm.“

Die „Wetekam Energie“ liefert schließlich sowohl Strom als auch Wärme: „Wir erzeugen Strom für rund 1250 Vier-Personen-Haushalte“, berichtet Heinrich Wetekam. Darüber hinaus versorge ein Wärmenetz sieben Wohnhäuser und einen Schweinestall in Vasbeck. Den Wärmeverlust, der beim Transport unabdinglich wäre, reduzieren die Diemelseer, indem sie das Gas über eine entsprechende Leitung zu einem zweiten Motor am Rande des Dorfes transportieren. Dieser wandelt es um. In Zukunft sollen weitere Häuser, die Gastwirtschaft sowie die Kirche und das Pfarrhaus angeschlossen werden.

„Unser Anliegen ist, dass alle mit unserer Anlage klarkommen“, betont Wetekam. Die Familie lässt daher zum Beispiel Blühstreifen für Bienen stehen und lädt jeden Skeptiker ein, sich vor Ort zu informieren. (nv)

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