Mit Vertretern von Yad Vashem, vom Wiesenthal-Institut und vom Holocaust-Memorial in Washington

Suchdienst im Umbau: Internationale Historiker-Tagung im Arolser Bürgerhaus

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Internationale Historiker-Tagung des Internationalen Suchdienstes im Bad Arolser Bürgerhaus: Von links ITS-Historiker Henning Borggräfe, ITS-Direktorin Floriane Azoulay, Historiker René Bienert vom Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien in Wien.   

Bad Arolsen. 70 Jahre nach seiner Gründung bemüht sich der Internationale Suchdienst um eine möglichst umfassende Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte und der Geschichte der Suche und Dokumentation der Opfer der Nazi-Verfolgung.

Dazu soll im kommenden Jahr eine umfassende Dauerausstellung eröffnet werden. Der wissenschaftlichen Vorbereitung dieses Projektes dient die zweitägige international besetzte Historiker-Konferenz, die gestern im Bürgerhaus begonnen hat.

ITS-Direktorin Floriane Azoulay verwies bei der Eröffnung der Konferenz auf die gewaltigen Anstrengungen, die in den vergangenen zehn Jahren zur Öffnung der Archive für die wissenschaftliche Forschung unternommen wurden, nachdem diese weltweit einzigartigen Aktenbestände rund 25 Jahre für Historiker faktisch nicht zugänglich gewesen seien.

Neuer Suchdienst-Name - noch etwas sperrig

Mit der Stolen-Memory-Kampagne habe der Suchdienst zum Beispiel begonnen, die über Jahrzehnte in Arolsen aufbewahrten Effekten, also die privaten Habseligkeiten von KZ-Gefangenen, an deren Hinterbliebene zurückzugeben. Die Öffnung der Archive über die Opfer der Nationalsozialisten sei gerade in einer zeit wichtig, in der Intoleranz, Hass und Vorurteile wieder auf dem Vormarsch seien.

In diesem Zusammenhang kündigte die ITS-Direktorin an, den Internationalen Suchdienstes im kommenden Jahr umzubenennen in „Arolsen Archives - International Center on Nazi Persecution“ - zu deutsch etwa: „Arolser Archive - Internationales Zentrum über die Verfolgten des Nationalsozialismus“.

Teilnehmer aus Washington und von Yad Vashem

In dem Maße, in dem die reine Suchdienst-Arbeit zurückgehe, müsse eine Neuausrichtung für neue Zielgruppen erfolgen, so die Direktorin.

An der Tagung im Bürgerhaus nehmen rund 100 Historiker von verschiedenen Universitäten und Dokumentationszentren aus Deutschland, Israel, Österreich und den USA teil. Der Leiter des Holocaust-Museums in Washington, Paul Shapiro, ist ebenso gekommen wie die frühere ITS-Direktorin, Prof. Rebecca Boehling aus New York. Ebenso sind die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel und das Wiesenthal-Institut Wien vertreten. Simultan- und Gebärden-Dolmetscher sorgen dafür, dass jeder der vielen Referenten bestens verstanden werden kann.

Suchdienst war 25 Jahre für Historiker nicht zugänglich

Als Organisator der geplanten Dauerausstellung und der Historikertagung beschrieb Henning Borggräfe seinen Ansatz als „kritisch-reflektierenden Blick auf die Arbeit des Suchdienstes in den vergangenen sieben Jahrzehnten.“

Dabei würden sowohl die Vorgänger-Organisationen beleuchtet, als auch die Arbeitspraxis und hier entwickelten Suchtechniken. Schließlich solle auch das spannungsvolle Verhältnis des ITS zur Öffentlichkeit beleuchtet werden.

Rund 25 verschiedene Vorträge zu sieben unterschiedlichen Themen-Schwerpunkten sind bei der internationalen Historiker-Tagung im Bürgerhaus zu hören. 

Vorhandenen Akten zu Konzentrationslagern bald online abrufbar

Den Abschluss bildet am  Dienstag ab 17 Uhr eine Podiumsdiskussion über die Zukunft von Online-Archiven und interaktiven digitalen Diensten. Auf dem Podium diskutieren neben der ITS-Direktorin Floriane Azoulay auch Vertreter von Yad Vashem, vom King’s College in London, von der Universität Osnabrück und vom Daten-Sicherheitsexperten MyEDPO aus Großbritannien. 

Schließlich plant der ITS, im kommenden Jahr seine sämtlichen Daten über Konzentrationslager online zu stellen. 

Displaced Persons bauten Suchdienst mit auf

Im Eröffnungsvortrag gestern ging es um die Anfänge der Dokumentation des Nazi-Unrechts durch befreite KZ-Häftlinge wie Simon Wiesenthal. Während viele Suchaktivitäten der Opfer sehr schnell von den großen Organisationen aufgesogen wurden und schließlich im Internationalen Suchdienst zusammengefasst wurden, machte Simon Wiesenthal weiter, befragte Opfer und jagte die Täter.

Über die Arbeit der bis zu 1700 Displaced Persons als Mitarbeiter des Suchdienstes in Arolsen hat Silke von der Emde aus Mengeringhausen geforscht. Sie unterrichtet seit vielen Jahren deutsche und englische Literatur und Film an einem College in New York. Als 2007 die Arolser Archive geöffnet wurden, nutzte sie die Chance für eine eigene Forschungsarbeit. 

Mehr zum Internationalen Suchdienst auf dessen Inter-Seite unter:

www.its-arolsen.org

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