Nach Hausdurchsuchung: Kripo sichtet 3000 wertvolle paläontologische Stücke

Auf der Suche nach Besitzern

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Dieter Schröder von der Kripo in Korbach (r.) händigt ein Gürteltier an Dr. Meinolf Hellmund von der Martin-Luther Universität in Halle-Wittenberg aus. Es ist eines der Stücke, die Hellmund als Eigentum seiner Uni zuordnen konnte. Fotos: Marianne Dämmer

Bad Arolsen/Korbach - Nicht nur Tausende von Büchern, sondern auch wertvolle paläontologische Exponate hat ein Beamter in seinem Haus in Darmstadt gehortet. Die Kripo in Korbach sichtet derzeit rund 3000 Fundstücke - und Wissenschaftler aus ganz Deutschland geben sich ein Stelldichein.

Es waren Mitarbeiter der Fürstlichen Hofbibliothek in Bad Arolsen, die im November 2011 Anzeige wegen des Diebstahls von Büchern erstatteten: Inzwischen kehrten die rund 120 gestohlenen Bände wieder dorthin zurück, die ein Beamter des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst mitgehen ließ und in seinem Haus in Darmstadt lagerte. Der 45-Jährige, der inzwischen vom Dienst suspendiert wurde, war im Februar in Bad Arolsen auf frischer Tat erwischt worden (wir berichteten). Ihm wird Diebstahl von insgesamt etwa 18000 Büchern zur Last gelegt - und als die Polizei sein Haus durchsuchte, fand sie außerdem eine umfangreiche paläontologische Sammlung mit Vergleichsstücken: Rund 3000 Exponate stellte sie sicher.

Die Kripo in Korbach hat nun die gewaltige Aufgabe, die Sammlung zu sichten, zu katalogisieren - und die eigentlichen Besitzer ausfindig zu machen. Da die Stücke nur rudimentär oder gar nicht beschriftet sind, geht das nicht ohne Hilfe von Experten, erklärte Jürgen Wilke von der Kripo gestern Mittag: So hat Dr. Meinolf Hellmund von der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg die Sammlung in den vergangenen zwei Tagen gesichtet und seinem Institut eine Anzahl von Stücken zugeordnet, die Ende der 1990er-Jahre auf damals unerklärliche Weise abhanden gekommen waren, erklärt Hellmund.

Zudem hat der Experte manche Exponate auch bereits anderen Instituten zuschreiben können, etwa aufgrund von Handschriften oder Stempeln, die er erkannte. Insgesamt rund ein Dutzend Institute aus dem In- und Ausland werden Fachleute nach Korbach schicken, um die Funde sichten zu lassen. Die Sammlung ist von einem Wert, der sich materiell nicht bemessen lässt, erklärt Dr. Hellmund: „Der wissenschaftliche Wert ist nicht in einer Menge anzugeben. Das sind Naturobjekte - und damit einzigartig.“ Dabei muss nicht jedes Stück gestohlen sein, erklärten Jürgen Wilke und Dieter Schröder von der Korbacher Kripo. Manche können auch das rechtmäßige Eigentum des 45-Jährigen sein. Das herauszufinden, ist Aufgabe der Kripo - die davon ausgeht, dass sich die Aufklärungsarbeit über einige Monate hinziehen wird.

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