Bad Arolsen: Hitlerjunge Salomon spricht vor CRS-Schülern

Täglich gepredigter Hass führt zu Gewalt

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- Eindringlicher als jedes Geschichtsbuch können persönliche Begegnungen das Verständnis für geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge prägen Deshalb hat Salomon (Sally) Perel, der jüdische Holocaust-Überlebende und Bestseller-Autor Salomon („Ich war Hitlerjunge Salomon“) gestern zum wiederholten Mal als Zeitzeuge vor Schülern der Christian-Rauch-Schule gesprochen.

Bad Arolsen. Der 87-Jährige lebt in Israel, kommt aber jedes Jahr für eine einige Wochen in seine alte Heimat, um der jungen Generation etwas von seinen Erfahrungen mit auf den Weg zu geben und vor neuem Hass und alter Dummheit zu warnen.

Bei dieser großen Aufgabe kommt Perel völlig ohne mahnenden Zeigefinger aus. Trotz seines hohen Alters hat er sich eine jugendlich-frische Sprache bewahrt und pflegt ein freundschaftliches Verhältnis mit vielen Tausend Facebook-Freunden.

Fesselnd klang seine Bericht von seinen vier Jahren als jüdisches Kind in einer Eliteschule der Hitlerjugend in Braunschweig. Jeder Tag sei ihm wie eine Ewigkeit vorgekommen, dann als beschnittener Jude habe er täglich mit seiner Enttarnung und seiner Deportation rechnen müssen.

In diesen vier Jahren habe er am eigenen Leib erlebt, wie der täglich gepredigte Hass auch seine eigene Seele ausgehöhlt habe. Auf der einen Seite sei er flammender Anhänger der Hitlerjugend geworden auf der andren Seite habe er nie verstanden warum man Menschen wie ihn habe vernichten wollen. Perel: „Ein junges Gehirn kann man sehr leicht vergiften. - Hass führt zu Gewalt. Auch ich habe ‚Heil Hitler‘ gerufen. - Ich war der einzige jüdische Nationalsozialist. - Ich werde es bis heute nicht los.“

Es sei ein Verbrechen, wenn Neonazis heute den Massenmord an sechs Millionen Juden leugneten und neuen Hass predigten. Dagegen wolle er als Zeitzeuge kämpfen.

Sally Perel wurde 1925 in Peine (Niedersachsen) als Salomon Perel geboren. Seine Eltern waren Juden russischer Herkunft.

„Die ersten zehn Jahre meiner Kindheit waren ein Traum. Da habe sich nur gute Erinnerungen.“ Als die anti-jüdischen Repressalien in seiner Heimatstadt zunahmen, emigrierte die Familie zu Verwandten nach Lodz (Polen). Nach dem Einmarschs der deutschen Truppen floh er 1939 mit seinem Bruder Isaak weiter nach Osten in Richtung Sowjetunion. Im russischen Grodno lebte er bis 1941 in einem Waisenhaus und besuchte eine kommunistische Schule, bevor er nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion erneut flüchten musste.

Als er von der Deutschen Wehrmacht aufgegriffen wurde, schwebte er als beschnittener jüdischer Junge in akuter Lebensgefahr. Er konnte den Holocaust nur dadurch überleben, dass er seine jüdische Identität verbarg und sich als Volksdeutscher Josef Perjell ausgab.

Im weiteren Verlauf arbeitete er mit seiner falschen Identität als deutsch-russischer Dolmetscher für die Wehrmacht an der Ostfront. Später wurde er an eine HJ-Eliteschule ins Deutschen Reich geschickt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verließ er Deutschland und beteiligte sich am Kampf um Jerusalem für sein Volk und sein zukünftiges Heimatland, in dem er bis heute lebt.

Als langjähriges Mitglied der israelischen Friedensbewegung hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es den jüdischen und arabischen Nachbarn eines Tages gelingen wird, einen gerechten Frieden im Nahen Osten zu erreichen. (-es-)

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