Kreis- und Landesstraße aus Wetterburg verlagern

Tempo machen für Umgehungsstraße

Bad Arolsen. - Die Pläne für eine ortsnahe Umgehung von Wetterburg erläuterte Bürgermeister Jürgen van der Horst in einer gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Neu-Berich und Braunsen.

So gut besucht war bisher keine Sitzung im DGH Neu-Berich, sagte der Ortsvorsteher Hans Konn. Etwa 60 Bürger verfolgten die Erläuterung des aktuellen Zwischenstands durch den Rathauschef. Der machte deutlich, dass nun mit Unterstützung des Landes und gemeinsam mit dem Kreis und der Nachbarstadt Volkmarsen eine greifbare Lösung angestrebt werde. Zeitdruck gibt es durch die Planungen der Kurhessenbahn für die Strecke zwischen Külte und Bad Arolsen, um die Strecke schneller zu machen. Favorisiert wird bekanntlich eine ortsnahe Nordumgehung, eng gebündelt mit der Eisenbahnstrecke, die am Wetterburger Berg nach Südwesten durch das Arolser Holz abschwenkt und an die B 450 angebunden werden soll. Protest der Landwirte Dabei werden die Landestraße 3080 und die Kreisstraße 7, die täglich von 8500 beziehungsweise 3500 Kfz befahren werden, aus den Ortslagen herausgenommen, die Bürger entlastet, und speziell die Burgstraße könnte besser in das Tourismuskonzept für den Bereich Twistesee eingebunden werden. Im gleichen Zuge sollen die alten Ortsdurchfahrten „abgehängt“ werden und nur noch für Anlieger befahrbar sein. Das freut die betroffenen Bürger, die Landwirte auf den Aussiedlerhöfen nördlich von Bahn und L 3080 lehnen das Projekt ab, weil sie ihre Betriebe durch den Flächenverlust und die Zerschneidung von Wegen und Flächen in Gefahr sehen. Daher favorisieren sie eine Variante durch das Wetterholz (siehe weiteren Bericht). Doch gegen den Verlauf einer Umgehung durch die Feld- und Waldgemarkung zwischen Neu-Berich und dem Twistesee haben sich bereits die Ortsbeiräte Braunsen und Neu-Berich gemeinsam ausgesprochen. Sie befürchten eine Zerschneidung von Gebieten, die für die Naherholung und die Entwicklung des Fremdenverkhrs vorgesehen seien, und eine zusätzliche Belastung der Kreisstraße 8: Die nämlich werde schon jetzt nach der Verlegung der B 450 auf die parallel verlaufende Hagenstraße immer stärker durch Schwerverkehr belastet, wie Ortsvorsteher Dr. Günter Steiner deutlich machte. Gegen die Wetterholz-Variante sprachen sich auch Landwirte aus Landau (wir berichteten) aus und haben sich bereits Straßenplaner von Hessen Mobil geäußert. Die Entlastung für Wetterburg sei zu gering. Zudem würden die Verbindungen in Richtung und von Bad Arolsen erheblich länger. Mit der ortsnahen Trasse wären es 6,8 Kilometer, bei einer Variante durch das Wetterholz dagegen 11,8 Kilometer. Die Entlastungswirkung wäre mit zwölf Prozent zu gering. Bei der Kosten-Nutzen-Analyse schneidet die ortnahe Trasse mit 88 Prozent am besten ab. Arolsen entlasten Die Ortsumgehung mit einer neuen Trasse der K 7 durch das Arolser Holz würde hingegen auch Teile von Arolsen entlasten, wie der Bürgermeister deutlich machte. Neben der Wetterburger Straße würden derzeit auch die Große Allee und die Helenenstraße stark frequentiert. Für die Umgehungen im Zuge von L 3080 und K 7 laufend bereits Planungen. Diese müsten gemeinsam verwirklicht werden, betonte der Rathauschef. Die Ergebnisse der Verkehrsanalysen würden im Februar/März vorgetragen. 2013 war der Planungsauftrag e für Hessen Mobil erteilt worden. Nach der Absage des Landes zu einer Nordwestumgehung von Volkmarsen im Zusammenhang mit dem neuen Logistikzentrum setzen sich der Kreis sowie die Städte Volkmarsen und Bad Arolsen nun gemeinsam für die beschleunigte Realisierung der Wetterburger Umgehung ein. Die Trasse würde die Verbindung zum Logistikzentrum Volkmarsen aus Richtung Kassel/Baunatal um einige Kilometer verkürzen gegenüber der an die A 44- Anschlussstelle Warburg angebundene Nordwesttrasse bei Volkmarsen. Um sicherzustellen, dass die Lkw-Fahrer die kürzere Verbindung nutzten, sollte ein städtebaulicher Vertrag mit den Losgistik abgeschlossen werden. Dieser würde die Speditionen dazu verpflichten, an der Anschlussstelle Zierenberg die Autobahn zu verlassen und dann über die Umgehungsstraßen über Wolfhagen und Wetterburg nach Volkmarsen und umgekehrt zu fahren. Zudem bietet es sich an, gemeinsam mit der Kurhessenbahn in ein Planfeststellungsverfahren zu gehen, bei dem die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Erneuerung der Bahninfrastruktur und die Verlegung der Landesstraße geschaffen werden können: „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, sagte dazu Bürgermeister van der Horst. Denn die Bahn drückt nun bei der Planung auf das Tempo, um die Verbindung zwischen Korbach und Kassel schneller zu machen. Die neue Trasse der K 7 durch das Arolser Holz könne im Rahmen eines Bebauungsplanes auf eine rechtliche Basis gestellt werden. Straßen vorfinanzieren Ende 2013, noch kurz vor der Regierungsneubildung in Wiesbaden, haben sich Land, Kreis und Stadt verbindlich auf ein Finanzierungsmodell geeinigt: So soll die Ortsumgehung im Zuge eines Kommunalen Interessenmodells (KIM) verwirklicht werden. Der Kreis würde vorfinanzieren, das Land das Geld nach Abschluss der Bauarbeiten zurückzahlen. Nach einem groben, unverbindlichen Zeitplan, der sich freilich nach den politischen Beschlusslagen und dem wirklichen Tempo der Planung und der Schaffung des Baurechtes orientiert, wäre mit einer Fertigstellung frühestens 2020 zu rechnen. Dafür müsste das Planfeststellungsverfahren 2015 eingeleitet werden. AusgleichDer Rathaushcef räumte ein, dass mit der ortsnahen Umgehung die Landwirte in Wetterburg stark betroffen würden. Doch wies er auf die Möglichkeit von Entschädigungszahlungen, Austauschflächen und die Vorteile eines Flurbereinigungsverfahrens hin. Außerdem könnte die Bereitstellung von naturschutzrechtlich geforderten Ausgleichsmaßnahmen in einem zu diesem Zweck gebildeten Verbund der nordwaldeckischen Kommunen mit dem Energieversorger EWF geregelt werden, ohne wieder die Gemarkung zu belasten. Als eine Möglichkeit führt van der Horst an, die bestehende K 7 zu verschmälern und teilweise zu rekultivieren - wenn denn die Umgehung fertiggestellt sein wird. Der Rathauschef räumte ein, dass bei einer nachweisbaren Gefahr für die Existenz von Landwirten das Projekt Umgehungsstraße juristisch schwierig zu verwirklichn sein werde. (ah)

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