Applaus für Premiere der Freilichtbühne Twiste:

Theatertraum in lauer Sommernacht

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Premiere auf der Freilichtbühne Twiste: Elfenkönigin Titania alias Susanne Bangert-Röhle mit ihrem Hofstaat.

Twistetal-Twiste - Shakespeares „Sommernachtstraum“ ist unverwüstlich. Die Freilichtbühne Twiste zeigt, warum: die Geschichte um mehrere Liebespaare auf Abwegen macht ganz einfach Spaß und beschert einen traumhaften Sommerabend im Waldtal.

Wer Blumenwohl- mit Blumenkohlgeruch verwechselt, ist für die Bühne eher weniger geeignet. Im „Sommernachtstraum“, der am Samstag Premiere in Twiste feierte, ist das ein Glück.

Sechs Handwerker um den wortklaubenden Weber Zettel setzen dem ohnehin schon bezaubernden Stück mit ihrer trotteligen Vorstellung die Krone auf.

Neu übersetzt

Zettels geniale Ideen wie die, „hemmungslos verkrampft zu trainieren“, hat die Darstellerriege unter Regie von Erich Müller, Karin Schäfer und Jutta Bandow glücklicherweise nicht beherzigt. Hingegen verbinden sich die - vom Regie-Team behutsam neu übersetzten - Shakespeare-Dialoge mit dem Spiel der erfahrenen Darsteller zu einem locker-leichten Sommer-Vergnügen.

Die Hauptkulisse im „Sommernachtstraum“ ist der Wald. Dorthin flieht die junge Athenerin Hermia mit ihrem Geliebten Lysander, um den von ihrem Vater erwählten Demetrius nicht heiraten zu müssen. Sie vertrauen sich Hermias Freundin Helena an, die den Plan jedoch an Demetrius verrät, um dessen Liebe zu gewinnen. Auch einige Athener Handwerker haben sich im Wald verabredet, um ein Stück für die Hochzeitsfeier ihres Herzogs einzustudieren.

Derweil befindet sich das Elfenkönigspaar Oberon und Titania im Ehestreit, da Titania ihrem Gatten den Gehorsam verweigert. Oberon sinnt auf Rache und beauftragt seinen Kobold Puck, eine Liebesblume mit Zauberkräften zu besorgen, die durch Pucks Eingreifen aber auch bei den Liebespaaren für jede Menge Wirrungen sorgt. Und bei den Zuschauern für eine Menge Spaß, wenn Lysander und Demetrius sich als köstlich konkurrierende Gockel umkreisen, die grazile Titania mit Elfenstaat à la „Herr der Ringe“ sich als Zicke entpuppt, sie dem eselsköpfigen Zettel ihre Liebe schwört, der Elf Puck durchs Publikum springt oder der Gesang der abgewiesenen Helena obendrein Musicalfeeling ins Spiel bringt.

Mit Bodennebel und leuchtenden Accessoires für die Elfenschar hat die Regie obendrein auch technisch alle Register gezogen, ohne das Stück zu überladen.

Die Zuschauer sollten vor allem ihre Taschentücher (für die Lachtränen) nicht vergessen. Denn am Ende zählt ohnehin nur das künstlerische Spiel, wie die schauspielernden Handwerker in einem alles vorherige noch toppenden Finale vorführen.

Shakespeares „Sommernachtstraum“ wird an sechs Samstagen in Twiste aufgeführt: am 4./11./18./25. Juli jeweils um 20.30 Uhr sowie am 22. und 29. August jeweils um 20 Uhr. Eintritt: 8 Euro, Kinder 5 Euro. Internet: www.freilichtbuehne-twiste.de

Von Sandra Simshäuser

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