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Torte erinnert an Beginn des Diakonissenhauses in Arolsen vor 150 Jahren

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Von: Armin Haß

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Diakonissenhäubchen als Torten, von links: Bäckermeister Heinrich Isenberg, Pfarrer Oswald Beuthert, Sonja Henke (Helenenheim – WDS Altenhilfe und Pflege), der pensionierte Verwaltungsleiter Wilfried Höhle und Pfarrerin Kerstin Ries-Beuthert.
Diakonissenhäubchen als Torten, von links: Bäckermeister Heinrich Isenberg, Pfarrer Oswald Beuthert, Sonja Henke (Helenenheim – WDS Altenhilfe und Pflege), der pensionierte Verwaltungsleiter Wilfried Höhle und Pfarrerin Kerstin Ries-Beuthert. © Bettina Bohlken

Auf süße Weise - mit einer speziellen Torte in Häubchenform - erinnert die Diako Waldeck-Frankenberg gGmbH an die vor 150 Jahren begründete Diakonissen-Tradition im Waldecker Land.

Bad Arolsen- Zum 150. Jahrestag der Aufnahme des ersten Waisenkindes im später sogenannten Waldeckschen Diakonissenhaus Sophienheim (WDS) wird im Caf Isenberg ab heute im Jubiläumsjahr das Diakonissenhäubchen als Tortenspezialität angeboten.

Lieblingstorte der Oberin

Eine cremig-süße Kreation in der Form einer Diakonissenhaube mit den charakteristischen drei Falten aus zarter Joghurt-Zitronencreme, Erdbeerpüree und einem Mürbeteigboden hat die Konditormeisterin Christina Sinemus in der Bäckerei und Konditorei Isenberg in Bad Arolsen erschaffen. Der Festausschuss der Diako zum Jubiläum war mit beteiligt an der Entwicklung und Erprobung des Rezeptes.

Mit der Sahnetorte in Form, einer stilisierten Diakonissenhaube soll an die Geschichte der Diakonissen in Bad Arolsen und im Waldecker Land erinnert werden. Die 2015 verstorbene letzte Diakonisse und Oberin, Schwester Marlies Grüber, mag mit ihrer Vorliebe für Erdbeerkuchen das Rezept mit beeinflusst haben.

Sie gab den Anstoß

Die Gründung des Diakonissenhauses war eine Innovation im Waldecker Land, bot sie doch zum einen auf Initiative der Fürstin Helene eine Versorgung von Waisenkindern und Kranken und zum anderen unverheirateten Frauen eine Ausbildung, Beschäftigung und eine soziale Sicherung bis ins hohe Alter, wie Pfarrerin Kerstin Ries-Beuthert berichtet.

Die Häubchen kennzeichneten bis ins hohe Alter die Zusammengehörigkeit der Diakonissen im Mutterhaus Arolsen. Im Hintergrund stehend die letzte Diakonisse und Oberin, Schwester Marlies Grüber, in den 90-er Jahren.
Die Häubchen kennzeichneten bis ins hohe Alter die Zusammengehörigkeit der Diakonissen im Mutterhaus Arolsen. Im Hintergrund stehend die letzte Diakonisse und Oberin, Schwester Marlies Grüber, in den 90-er Jahren. © Elmar Schulten

Das erste Diakonissenhaus hatte Theodor Flieder 1836 in Kaiserswerth bei Düsseldorf gegründet. Dia Diakonissen bildeten eine Lebens-, Glaubens- und Dienstgemeinschaft, so der WDS-Vorsteher und Diako-Geschäftsführer Pfarrer Oswald Beuthert. Und die an die im Biedermeier übliche Haube der Bürgersfrau angelehnte Kopfbedeckung war lange Teil der Tracht der Diakonissen.

Unter die Haube gebracht

Die Diakonissen trugen selbst genähte, dunkelblaue Kleider und die Hauben. Diese falteten und steckten sie sich ins Haar. Das Waschen und Stärken des Stoffes per Hand war mit einigem Aufwand verbunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nach die Hauben mit Rüschen getragen. Auch waren Häubchen verbreitete, die unter dem Kind mit einem Bändchen zusammengebunden wurden.

Lange Zeit wurden auch von Krankenschwestern, die nicht zum Diakonissenhaus gehörten, Hauben getragen. Frauen, die ,unter die Haube’ kamen, waren verheiratet und bedeckten aus diesem Grund ihr Haar, blickt Pfarrer Beuthert in die Geschichte zurück. Eine Gleichstellung der Diakonissen mit einer verheirateten Bürgersfrau habe seit den 1830-er Jahren mit dazu beigetragen, die Anziehungskraft des Lebens als Diakonisse zu steigern, erklärt er.

Ein Teil des Stadtbilds

Auf Initiative von Fürstin Helene zu Waldeck und Pyrmont, die schon seit Beginn der 1860er Jahre Kontakt zu Diakonissenhäusern und deren Leitern aufnahm, zuerst Pfarrer Fliedner in Kaiserswerth und später Pfarrer Bodelschwingh in Bethel, sollte auch im Staatsgebiet von Waldeck und Pyrmont ein Diakonissenhaus entstehen. Die Hauben tragenden Diakonissen gehörten bald mit zum Stadtbild in Arolsen und im Fürstentum Waldeck.

Vor der Gründung durch Fürstin Helene 1872 waren zunächst Kaiserswerther und später Betheler Diakonissen für die Pflege im Krankenhaus zuständig. 1892 übernahmen dann die Arolser Diakonissen diese Aufgabe. Die Diakonissen arbeiteten in der Pflege, der Ausbildung und der Pädagogik für die Waldecksche Bevölkerung. Sie brachten sich in den Alltag der Menschen ein, damit diese ihn leichter bewältigen konnten.

Bescheidene Anfänge

Die Anfänge im März 1872 waren sehr bescheiden und blieben es in den Anfangsjahren auch. Erst mit der Diakonisse Mathilde Kötter, die Pfarrer Bodelschwingh aus Bethel nach Arolsen sandte, wurden Strukturen geschaffen, die die Weiterentwicklung des Sophienheims zum Diakonissenhaus ermöglichten. Innerhalb weniger Jahre schaffte sie es, dass aus dem Sophienheim die Sophienheimer Schwesternschaft und schließlich das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim wurden. Am 1. Juli 1887 beschloss der damalige Vorstand die Umwandlung des Sophienheims in ein Diakonissenhaus. Aus den Sophienheimer Schwestern wurden Waldecksche Diakonissen.

Heute eine gemeinnützige GmbH

Heute hat das Waldecksche Diakonissenhaus Sophienheim seine Betriebe und Einrichtungen in der DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH gemeinsam mit anderen Partnern gebündelt. Gemeinsam werden die Einrichtungen der DIAKO zusammen mit der ganzen Bevölkerung das 150-jährige Jubiläum des Arolser Diakonissenhauses WDS Waldcksches Diakonissenhaus Sophienheim vom 1. bis 3. Juli 2022 auf dem Schlosshof in Bad Arolsen feiern.

Süße Erinnerung: Diakonissenhäubchen einmal ganz traditionell und als Torten-Kreation beim Cafe Isenberg.
Süße Erinnerung: Diakonissenhäubchen einmal ganz traditionell und als Torten-Kreation beim Cafe Isenberg. © Bettina Bohlken

In der Tradition der Diakonissen, die in Bad Arolsen schon seit 1872 ihren Dienst zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes getan haben sowie der über 700-jährigen Geschichte der Stiftung Hospital St. Elisabeth in Frankenberg, arbeitet die DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH heute als diakonische Einrichtung mit den Teilbereichen Teilstationäre und Stationäre Altenhilfe, Ambulante Pflege, Kinder- und Jugendhilfe sowie Aus- und Weiterbildung für Pflegeberufe und Altenpflegehilfe für die Menschen in Waldeck-Frankenberg.

Seit 2021 wird die DIAKO Waldeck-Frankenberg sowohl von der Stiftung WDS Waldecksches Diakonissenhaus Sophienheim als auch von der Stiftung Hospital St. Elisabeth getragen. Die DIAKO Waldeck-Frankenberg gGmbH ist Mitglied in der Diakonie Hessen.

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