Stadt Bad Arolsen schaltet Behörden zur Klärung ein 

Tote Fische am Auslauf des Twistesees geben Rätsel auf 

Rastplatz Twiste(see). Silber- und Graureiher haben Station unterhalb des Staudamms gemacht. Foto: ARMIN HASS

 Wetterburg - Ein tierisches Kontrastprogramm wird momentan rund um den Twistesee geboten: Neben Kormoranen mit ihrem dunklen Gefieder spekulieren große Trupps von Silberreihern auf Nahrung aus dem See, der Twiste und von den Wiesen am Unterlauf.

Leben hier, Tod dort: Einige hundert tote Fische am Auslass des Twistesees riefen Anfang des Jahres den Fischereiaufseher Thomas Frowein auf den Plan. Den Hinweis des Aufsehers leitete die WLZ an die Stadt Bad Arolsen weiter, wo bis dahin noch kein Fischsterben bekannt war. Der Leiter des Touristikservice, Wilhelm Müller schaltete diverse Behörde ein.

Was war die Ursache?

Nach Gesprächen mit Vertretern der Naturschutzbehörden beim Regierungspräsidium und beim Landkreis, der Wasserbehörde des Kreises und des Hessischen Wasserverbands Diemel bestätigte Müller die Vermutung des Fischereiaufsehers und erfahrenen Anglers: Die Fische seien auf der Flucht vor den jagenden Kormoranen am Überlauftrichter von den Turbinen des Wasserkraftwerks angesogen und in eine Leitung gespült werden.

Tote Fische am Twistestaudamm

Dieses Rohr bleibe etwa eine Woche geschlossen, erst dann werde das Wasser in den Unterlauf der Twiste abgelassen, erklärte Müller.

 Ursache erforscht

 In dieser Zeit sinke aber der Sauerstoffgehalt des Wassers in dem geschlossenen Rohr, sodass die Fische erstickten und dann tot durch den Auslass gespült würden.

Müller schätzt, dass etwa eineinhalb Zentner Fische auf diese Weise verendet seien. Der Schaden für die Stadt Bad Arolsen, die für den Besatz des Angelgewässers zuständig ist, betrage mehrere hundert Euro.

Jäger und Gejagte

Nach dem Gespräch mit deinem Vertreter der Naturschutzbehörde berichtete Müller weiter, dass sich Fische in der kühlen Jahreszeit im Bereich des Überlauftrichters und sammelten. Wenn dann Kormorane auf sie Jagd machten, dann gerieten die Fische auf der Flucht vor den Beutegreifern in die offenen Turbinen hinein.

Nun wird darüber nachgedacht, wie so etwas künftig verhindert werden kann. Hilfreich wäre vielleicht das Aufspannen von Netzen an dem Zulauf zur Turbine.

Ungewohntes Schauspiel

Derweil bietet sich rund um den See  ein erfreuliches Naturspiel:  Für farbliche Zwischentöne sorgen neben Kormoranen und Silberreihern die seit alters her hier lebenden Graureiher, die derzeit als Minderheit zwischen den Silberreihern an der Twiste auf Nahrungssuche unterwegs sind.

Reiher über Wiese am Twistesee

Dank der milden Winter halten sich auch im Waldecker Land die teilweise gen Süden ziehenden Reiher mit dem leuchtend weißen Gefieder und dem spitzen gelben Schnäbeln in größerer Zahl auf, zunächst im Edertal, nun zunehmend auch an der Twiste.

So viele Kormorane 

Wie die Kormorane legen sie in Nordwaldeck eher Rast ein. Von den schwarzen Vögel wurden am Twistesee 100 bis 200 Exemplare gezählt, wie der Vogelkundler Prof. Hans-Heinrich Bergmann (Mengeringhausen) berichtet. Sie halten sich hier nicht konstant auf und sind sehr mobil, schildert der Ornithologe die weitläufigen Wanderbewegungen.

Gegenüber dem Strandbad sind die Rastplätze der Kormorane deutlich zu sehen: Weiß leuchten weithin die Hinterlassenschaften aus dem Geäst und von den Zweigen der Ruhebäume. Der harnsäurehaltige Kot ruiniert auf längere Sicht die Bäume.

Sind sie ein Problem?

Auch wenn Kormorane fast ausschließlich von Fisch leben und in kleinen Fischereigewässser starke Schäden anrichteten, so würden sie ihre Nahrungsgrundlage nicht vernichten, sagt Bergmann. Er entgegnet damit auf Aussagen von Anglern, wonach die Kormorane den Fischbestand erheblich reduzierten.

Reiher am Twistesee

Er bezeichnet die von Anglern geforderten Abschüsse zur Regulierung der Population als sinnlos. Es kämen schnell andere Kormorane herbei, gibt er zu bedenken. Zudem müssten für das Abschießen der unter Schutz stehenden Tiere Ausnahmegenehmigungen eingeholt werden.

So lange leben Kormorane hier

Der Kormoran sei mit seinen Unterarten an den Küsten und inländischen Gewässern in Europa heimisch. Der wissenschaftliche Namenszusatz „sinensis“ für chinesisch weise auf den Einsatz der Vögel durch chinesische Fischer ein: Die gezähmten Kormorane bekamen einen Halsring übergestülpt, der ein Verschlucken der Fische verhinderte. Die Beute konnte dann aus dem Schnabel gezogen werden.

Kormorane seien seit Jahrhunderten heimisch in Europa, betont Bergmann.

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