Rhoder Krematorium führt zu vielen Beisetzungen gemeindefremder Urnen

Trauer braucht einen Ort

Friedhofskultur in Rhoden und Wrexen. Die neuen Anonymen Urnenfelder sind zwar populär, oftmals wissen die Angehörigen aber nciht, was sie da wirklich buchen. Foto: Elmar Schulten

Diemelstadt - Die Bestattungskultur ist im Wandel. Immer mehr Familien entscheiden sich für neue Grabformen. Doch nicht alle wissen über Vor- und Nachteile Bescheid. Nicht selten wird aus einem spontanenen Gefühl heraus eine Entscheidung getroffen, die später nicht mehr zu revidieren ist.

Vor diesem Hintergrund hat sich in diesen Tagen ein Ehepaar aus Trendelburg bei der WLZ-Redaktion gemeldet und beklagt, dass man sich das Urnengrab des Vaters und Schwiegervaters ganz anders vorgestellt habe. Bei einem gemeinsamen Ortstermin mit Bürgermeister Elmar Schröder wurden die Klagen angesprochen.

Völlig anonym

Für ein pflegeintensives Reihengrab, aufwendig gestaltet mit großem Stein und Pflanzfläche, entscheiden sich immer weniger Familien. Oft wird schon zu Lebzeiten festgelegt, dass im Falle eines Falles ein pflegearmes Urnengrab angelegt werden soll.

Doch Vorsicht: Zwischen einem pflegearmen Urnengrab und einem anonymen Urnenfeld liegen Welten. Seit dem Bau des Krematoriums in Rhoden ist die Zahl der Feuerbestattungen in der Region sprunghaft angestiegen. Aber nicht nur aus Waldeck-Frankenberg kommen die Särge nach Diemelstadt.

Die geringe Zahl der Krematorien in Deutschland führt dazu, dass sogar Bestatter aus dem Ruhrgebiet oder aus Gießen bis nach Rhoden fahren, um ihre Toten einäschern zu lassen. Die meisten Urnen werden dann in ihren Heimatorten beigesetzt. Aber längst nicht alle.

Keine Blumen, keine Kerzen

Für alle diejenigen, die sich - aus Kostengründen oder weil es keine Angehörigen mehr gibt, die ein Grab pflegen könnten - für eine anonyme Beisetzung entschieden haben, gibt es auf dem Rhoder Friedhof ein anonymes Urnenfeld. Nur ein Findling am Eingang weist auf den Urnenhain hin.

Es fehlt ein Ort der individuellen Trauer. Aber genau das ist der Sinn einer anonymen Bestattung.

Blumen oder andere Erinnerungsstücke sind laut Friedhofsordnung nicht zulässig. Die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs sind angewiesen, solche Memorabilien zu entfernen. Das Gleiche gilt auch für die Blumen, die an den pflegearmen Urnengräbern niedergelegt werden.

Im Zweifel müssen die Rasenmäher ungehindert über die Wiese gleiten können. Das bedeutet pflegearm und ist in der Gebührenordnung auch so kalkuliert.

Für so manchen Friedhofsbesucher wirkt es aber befremdlich zu sehen, dass Blumen, Vasen, Lichter scheinbar lieblos zusammengetragen und vor dem Gedenkstein abgestellt werden. Das sieht leicht nach Müllablage aus.

Alternative: halb anonym

„Das ist so nicht gewollt. Hier gehören keine Blumen, keine Fotos und keine Kerzen hin“, ­betont der Rathauschef im ­Gespräch mit Angehörigen, die sich das für ihren verstorbe-nen Vater anders vorgestellt haben.

Es stellt sich heraus, dass es vor und nach dem Todesfall innerfamiliäre Konflikte gegeben hat.

Deshalb wurde vorschnell ein anonymes Grab gewählt. Das wird nun bereut. Da kann die Stadtverwaltung aber nicht helfen. Das Bestattungsrecht ist sehr streng. Eine Urne, die einmal beigesetzt wurde, muss 15 Jahre unberührt bleiben.

So kann auch die Auskunft des Bürgermeisters nur wenig trösten: „Wir arbeiten an einer Lösung für halb anonyme Bestattungen für Verstorbene, die nicht in Diemelstadt gewohnt haben. Dann kann ein kleines Namensschild an einem Findling oder einer Stele angebracht werden und an den Verstorbenen erinnern.“

Damit reagiert die Diemelstadt auch auf die große Zahl von Beisetzungen gemeindefremder Verstorbener, bedingt durch das Krematorium.

Bis dahin gilt, dass vor einer Bestattung gut überlegt sein will, wie und wo der Verstorbene beigesetzt werden soll. Die Bestattungskultur ist gerade einem großen Wandel unterworfen. Die Diskussion darüber wird wohl im Herbst im Stadtparlament beginnen.

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