Neuanpflanzungen schützen

Tricks im fürstlichen Forst bei Bad Arolsen gegen die Trockenheit

Junge Eichen wurden beim alten Forsthaus Helsen im Fürstlichen Forst gepflanzt.
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Junge Eichen wurden beim alten Forsthaus Helsen im Fürstlichen Forst gepflanzt.

Auch bei typischem Aprilwetter besteht Sorge wegen der Trockenheit im Wald um Bad Arolsen.

Bad Arolsen – Nach Schnee und Eis kommt einem die chronische Trockenheit im Boden kaum in den Sinn. Doch sie bedroht die Zukunft der Wälder. Bei der Fürstlich Waldeckschen Forstverwaltung werden zum Teil ungewöhnliche Maßnahmen zur Versorgung junger Bäume mit Wasser angewendet.

Schutz gegen Verbiss

Im Frühjahr 2020 wurden für einen 2018 durch Sturm und Hitze dahingerafften Bestand an der Helser Höhe junge Douglasien und Roteichen gepflanzt und gegen den Verbiss durch Rehe einzeln mit Schutzgitterchen eingehegt. Doch die Pflanzen drohten mangels Regens zu vertrocknen.

Angeregt durch einen Forstunternehmer ließ das Forstamt 600 Infusionsbehälter mit Wasser befüllen und in die Schutzgitter an den Bäumchen hängen zu lassen, wie Forstamtsleiter Achim Frese berichtet. So tropfte das Wasser drei bis vier Stunden lang in den Wurzelbereich der jungen Bäume.

Hoher Aufwand

„Doch dann hat es auch wieder richtig geregnet“, berichtet Frese. Man beließ es bei diesem Experiment. Auf Dauer könne solch ein Aufwand nicht Bestandteil der Forstwirtschaft werden.

Auch ein Einsatz der Feuerwehr, wie in Frankenberg geschehen, zum Bewässern ist keine Option: „Das wird ein teurer Spaß“, winkt Frese ab.

Durchschnittsmengen sinken

Der Schneefall vor Kurzem war hilfreich für den Wald, ändert aber nach Auskunft von Forstamtsleiter Frese wenig an der Tatsache, dass es im Jahresdurchschnitt viel zu wenig regnet.

Das noch vor gut drei Jahrzehnten für die Forstentwicklung zugrunde gelegte langjährige Mittel im Fürstlichen Wald von 628 Millimetern sei nach den beiden Dürreperioden 2018 und 2019 auch 2020 nicht wieder erreicht worden, wie die regelmäßigen eigenen Messungen ergaben.

Fichtenholz muss noch abgeräumt werden. Dann erst kann eine Wiederaufforstung beginnen . Ein Waldstück zwischen Kroneiche und Helsen.

Das Wasser aus starken Regenfällen kann nicht mehr in die unteren Schichten gelangen. Daher litten und leiden die Nadel- und die Laubbäume. Es wird in diesem Frühjahr wieder spannend: Kommt genug Niederschlag, und wie stark entwickeln sich die Käfer? Der jüngste Wärmeschub hat die Insekten aus ihren Winterquartieren gelockt.

Das bedroht den Wald

Von den 3300 Hektar sind rund 440 Hektar durch Kalamitäten betroffen, also durch Sturm, Hitze und Käfer zerstört. Was dann geschieht, will gut beraten sein. Immerhin geht es um einen siebenstelligen Betrag, der für eine Wiederaufforstung in den nächsten Jahren aufgebracht werden muss.

Um das Risiko von Fehlinvestitionen in junge Bäume zu verringern, läuft erneut eine Standortkartierung: Bestände und Böden werden untersucht, schließlich sollen die künftigen Baumarten festgelegt werden. Fichten, die zum Teil schon jetzt durch Naturverjüngung auf den durch Windwurf oder Käfer betroffenen Flächen nachwachsen, geraten angesichts des Klimawandels in den hiesigen Höhen von 200 bis 400 Metern „in eine Todeszone“, fasst es Frese in drastische Worte..

Dem Klimawandel widerstehen

Daher müsse auf klimastabile Arten gesetzt werden, die in der Forstwirtschaft auch genutzt werden können: Trauben- und Stieleichen, Küstentannen und Douglasien.

Aber auch exotische Sorten, wie etwa Zedern, Roteichen und Baumhasel werden schon in die engere Wahl gezogen. Der schon jetzt 40 Prozent der Waldfläche umfassende Buchenbestand wird nach den Worten von Forstamtsleiter Frese nicht erweitert.

Umbau bereits begonnen

Da sich der Klimawandel schon länger abzeichnet, hat das Forstamt schon vor 30 Jahren mit einem Umbau des Waldes begonnen und neben Fichtenbeständen Buchen pflanzen lassen.

Es wird aber auch auf kleineren Flächen experimentiert. So raffte der Orkan Kyrill den Fichtenbestand an der Landauer Straße im Bereiche der Finnenbahn dahin. Nach dem Abtransport der Stämme überließ man die Fläche sich selbst.

Wissenschaftliche Begleitung

Und sie ist nach nunmehr 13 Jahren schon wieder dicht bewachsen: Neben den Pioniergewächsen, wie Birken, haben sich auch Eichen entwickelt. Für eine wirtschaftliche Nutzung freilich muss die Fläche durchforstet werden.

Im Arolser Holz haben ab 2018 Stürme, Hitze und Käfer den Nadelbaumbestand zerstört. Derzeit wird die Aufforstung wissenschaftlich begleitet.

Schüler im Einsatz

Hier erprobt Revierförster Oliver Wagemann natürliche Bewässerungshilfen. Dazu werden junge Bäumchen an der Regenseite der verbliebenen, gerade ein Meter hohen Fichtenstümpfe gepflanzt.

Auch die Bürger sind eingebunden: So hat das Forstamt ein Wasserfass mit der Bitte an Spaziergänger aufstellen lassen, doch auch selbst eine Kanne mit Wasser zu füllen und die jungen Pflanzen zu gießen.

Mischung macht es

Schüler der Arbeitsgemeinschaft Grüne CRS am örtlichen Gymnasium widmet sich ebenfalls der Aufforstung.

Eine Mischung aus neu aufzuforstenden Flächen, von Beständen mit Naturverjüngung oder Abschnitten, die sich selbst überlassen werden, könnte das Waldbild der Zukunft sein. Entschieden ist das noch nicht.

Schutz vor dem Verbiss

Schließlich muss der junge Bestand gegen Wildverbiss geschützt werden. Derzeit werden die einzelnen Stämmchen umgittert. Das ist aufwändig, doch führt derartiger Bestandsschutz nicht zu einer Verdrängung von Rehwild wie durch rundum eingezäunte Schonungen.

Derartige Zäune oder Gatter sind ebenfalls kostspielig und müssen ständig kontrolliert werden. Die Bejagung des Rehwilds zeigt nach Beobachtung des Forstamtsleiters Frese im Fürstlichen Wald jedoch auch Erfolg in Hinsicht auf die Verhinderung von Verbissschäden. (Armin Haß )

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