Fledermäuse faszinieren Waldbesucher · NABU vermittelt Wissenswertes

Mit Ultraschall-Sensor durch den Wald

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Fledermaus-Wanderung unter fachkundiger Führung: Detlef Volmer vom NABU informierte die jungen Forscher über alles Wissenswerte rund um die Fledermaus.

Bad Arolsen-Mengeringhausen - Das hätte niemand erwartet: knapp 140 kleine „Kobolde der Nacht“ haben die Teilnehmer der Fledermauswanderung erspäht, zu der die NABU-Ortsgruppe Bad Arolsen eingeladen hatte.

Für Erstaunen sorgte bereits das allererste Exemplar. Emsig flatternd sauste die kleine Fledermaus zwischen Teich und Wald am Treffpunkt Weißer Stein durch die Luft, noch bevor die Dämmerung eingesetzt hatte. Unter Führung des NABU-Vorstands um Detlef Volmer und Maik Sommerhage ging es von dort aus zum Bereich „Schafstränke“ vor den Toren Mengeringhausens. Was die rund fünfzig kleinen und großen Fledermausfreunde dort erlebten, glich einem Flugverkehr beinahe im Sekundentakt. Vier „Bat-Detektoren“ waren im Einsatz, Messgeräte in der Größe eines antiquierten Handys, mit denen sich die Ultraschall-Flugsignale der kleinen Säuger einfangen lassen. Daran hatten besonders die Kinder ihren Spaß: kaum knisterte und knackte es im „Bat-Detektor“, reckten sich Köpfe und Hände in die Luft.

„Da kommt eine!“, vermeldeten die flinkesten jungen Naturfreunde, bevor die gesichtete Fledermaus mit ihren markanten Flügeln schleunigst wieder aus dem Blickfeld entschwand.

Der Spaß, mit dem die Kinder die Tiere beobachten, freut auch die Veranstalter. „Wir wollen Kindern zeigen, wie interessant ihr Lebensumfeld ist“, sagt NABU-Vorsitzender Detlef Volmer. Stellvertretend für alle Waldtiere wolle man anhand der Fledermaus vermitteln, dass ein intakter Wald auch einen intakten Lebensraum biete.

So dicht wie an der „Schafs-tränke“ sei das Fledermausvor-kommen allerdings an keiner anderen Stellen in und um Mengeringhausen, ergänzt Maik Sommerhage. Von bis zu 300 der insgesamt 800 im Stadtwald vorkommenden Flugsäugern wird der Bereich abends regelmäßig passiert. Man habe hier alles, erklärt Sommerhage: eine ideale Flussaue, schönes Grünland, keine Ackerfläche - und damit reichlich Insekten, die wiederum von den Fledermäusen verspeist werden. Ihr Sommerquartier beziehen die geschützten Tiere übrigens gerne an und in den Behausungen von Menschen. Geeignete Quartiere, die sich mit wenigen Maßnahmen herstellen lassen, gebe es leider viel zu wenige, erläutert Sommerhage.

Eine Ausnahme bilden die fledermausfreundlichen Mengeringhäuser: im Ort hat der NABU Hessen immerhin 15 Häuser mit der Plakette „Fledermausfreundliches Haus“ ausgezeichnet. Und auch in Bad Arolsen flattert es, wissen die kundigen Naturfreunde. Wer sich dort in der Dämmerung aufmacht, kann die Flugkünstler mit etwas Glück in der Großen Allee, im Schlosspark oder am Schlossteich beobachten.

Mit der nächtlichen Dunkelheit finden die Flugmanöver allerdings ein jähes Ende. Dann fängt selbst der „Bat-Detektor“ nur noch vereinzelte Signaltöne auf. Auch für die Teilnehmer der Fledermauswanderung hieß es nun umkehren zum „Weißen Stein“. Zum Ausklang ließen sich die jüngsten Naturbeobachter dort ihr Stockbrot im Lagerfeuer schmecken. (sim)

Hintergrund

Ein Gutachten, das im Rahmen der Diskussion um Windenergieanlagen im Mengeringhäuser Stadtwald erstellt wurde, hat der NABU-Ortsgruppe Bad Arolsen ausführliche Zahlen über die heimische Fledermauspopulation beschert. Demnach kommen im Stadtwald zwölf von deutschlandweit 24 Fledermausarten vor.

Etwa 800 Fledermäuse finden dort ihre Nahrung. Für die „Nymphenfledermaus“ wurde hessenweit der Zweitnachweis erbracht.(sim)

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