Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge berichten über ihre Jugend und die Flucht

Kein Futter für Kanonen

+
Unbegleitete jugendliche Flüchtlinge stellen sich Arbeitgebern aus der Region im  Arbeitskreis für Kommunalfragen vor. Das Interview führt der Leiter des  Internats im Berufsbildungswerk, Norbert Seebach.

Bad Arolsen. Sie haben Schlimmes erlebt, sind der Hölle entkommen. Und jetzt wollen sie das Beste aus ihrem Leben machen: Lernen, arbeiten, Geld verdienen, eine Familie gründen und ein gutes Leben führen. Ist das zu viel verlangt?

Die unbegleiteten minderjährigen Ausländer, die derzeit im Bathildisheim betreut werden, präsentierten sich am Dienstagabend bei der Begegnung mit Arbeitgebern aus der Region als ganz normale Jugendliche mit ganz normalen Wünschen und Lebensträumen.

Der Internatsleiter im Berufsbildungswerk, Norbert Seebach, moderierte die Veranstaltung mit dem Arbeitskreis für Kommunalfragen. Aus seiner langjährigen Berufserfahrung stellte er fest, dass die jungen Flüchtlinge deutlich fleißiger, zielstrebiger und ehrgeiziger sind als die meisten deutschen Jugendlichen, die in den Einrichtungen der Jugendhilfe betreut werden.

In Kurzinterviews mit den jungen Syrern und Afghanen wurde deutlich, dass sie von ihren Eltern geschickt wurden, um einem Leben in Krieg und Trümmern zu entfliehen.

Mit 15, 16 Jahren werden die Jungen kriegstauglich. Die Eltern in Aleppo, Homs und Masar-i-Scharif wollen verhindern, dass ihre Kinder als Kanonenfutter verheizt werden, ganz gleich von welcher Seite. Zwei Jahre ihrer Kindheit verbrachten einige der Jungen in Kellern, durften die Häuser nicht verlassen, weiß draußen Bomben fielen und es Schüsse hagelte.

Mal vier, mal acht Wochen dauerte die Flucht über den Iran, die Türkei, Griechenland, Serbien und Österreich. Und jetzt, da sie geschafft haben, wollen sie möglichst schnell möglichst viel lernen.

 Die einen träumen davon, Arzt zu werden, am liebsten Chirurg. Andere sind realistischer und träumen von einem Job als Koch. Doch, warum nicht nach den Sternen greifen?

Dass sie schnell lernen können, ist zu hören, wenn man die Unterhaltung verfolgt, die die Jungen schon nach fünf Monaten Deutschunterricht führen können. Im anschließenden Gespräch mit den Unternehmern aus dem Arbeitskreis für Kommunalfragen nutzte manche von ihnen die Chance, Kontakte zu knüpfen und sich für ein Praktikum zu empfehlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare