Elektronisches Werkzeug hilft auch Laien bei der Recherche

Ungeheuerliches lässt sich aus KZ-Dokumenten beim Suchdienst lesen 

Aufbereitet für Internetnutzer: Christiane Weber hat für den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen einen e-Guide zum Verständnis von KZ-Dokumenten erstellt. Foto: Armin Haß

 Bad Arolsen. Ein neues elektronisches Werkzeug zum Verständnis der KZ-Dokumente beim Internationalen Suchdienst steht allen Interessierten ab sofort zur Verfügung.

Über eine eigene Webseite können Laien und Fachleute anhand von Beispielsdokumenten erfahren, was Codes und handschriftliche Einträge auf verschiedenste Häftlingskarten bedeuten.

Das bietet der e-Guide

Eine Fülle von leicht verständlichen Begleittexten präsentiert sich durch Anklicken auf den Dokumentenbildern oder im laufenden Text. 

So geht es zum e-Guide: http://eguide.its-arolsen.org/

„Hier öffnet sich ein eigener Kosmos“, sagt die beim ITS für den e-Guide zuständige Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Forschung und Bildung, Christiane Weber. Bei der Suche bietet sich ein besonderer Blick auf Leben, Leiden und Tod in den Konzentrationslagern der Nazis.

Anhand einer Auswahl von Dokumenten aus dem Archiv des Suchdienstes erfahren die Nutzer, welche Bürokratie zur Verwaltung der Insassen aufgebaut wurde, aber auch, wie die über 70 Jahre alten Papiere sie zu lesen sind, was Abkürzungen und Nummern bedeuten, wie Daten und Symbole interpretiert werden.

Das verbirgt sich hinter Abkürzungen

Die von dem Historiker Eugen Kogon als „Archiv des Grauens“ beschriebene Dokumentensammlung offenbart eben auch eine genaue Buchführung bei der Verfolgung und Ermordung der KZ-Insassen. Die dabei verwendeten Begriffe und Abkürzungen müssen dechiffriert werden, um bewusst behördensprachliche Verschleierungen zu verstehen. Das Holocaust Museum in Washington, so Weber, hat unabhängig von der Arbeit des ITS ein Glossar von nicht weniger als 360 Abkürzungen aus den Lagerdokumenten zusammengestellt.

„Die Dokumente sind alles andere als leicht verständlich“, sagt Dr. Henning Borggräfe, Leiter Forschung und Bildung beim ITS. Das betreffe auch Historiker, Schüler, Studenten und Lehrer, die im allgemeinen nicht so spezielle Kenntnisse über die Verwaltung der Lager haben.

Wem hilft das Instrumentarium?

Das betrifft auch Beschäftigte des Max Mannheimer Studienzentrums Dachau, wie der pädagagogische Mitarbeiter Steffen Jost dazu erklärt. Zur Vertiefung des eigenen Bildungsangebotes arbeitet das Institut seit fünf Jahren mit dem ITS zusammen.

In dem Studienzentrum Dachau steht nun der e-Guide den Teilnehmern an Bildungsveranstaltungen zur Verfügung. Indem Schüler mit diesem neuen Instrumentarium die Dokumente lesen und verstehen lernen, können sie sich auf Besuche von KZ-Gedenkstätten vorbereiten.

Quellen kritisch bewerten

Auch Mitarbeiter des Studienzentrums in Dachau, die nicht fest beschäftigt seien und nicht über so ein Detailwissen verfügten, könnten sich mithilfe der speziellen Webseite über die Aussagekraft der Dokumente informieren.

Der e-Guide trage dazu bei, Quellen kritisch prüfend zu betrachten und zwischen den Zeilen zu lesen, erklärt Jost. Hier geht es um die Situation der Opfer und die Sprache der Täter, die die Menschen in den Lagern drangsalierten und ermordeten.  

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