Versuch einer ersten Bilanz nach dem Orkansturm in und rund um Bad Arolsen

Versuch einer ersten Sturmbilanz rund um Arolsen: Dicke Baumstämme fielen wie  Mikadostäbe

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Mehrere große Bäume auf Privatgrundstücken an der Fürstenallee fielen dem Sturm zum Opfer. Zum Glück ist hier niemand zu Schaden gekommen.

Bad Arolsen. Die Region Nordwaldeck scheint diesmal besonders vom Sturm betroffen worden zu sein. Auch am Tag nachdem Orkan Friederike über das Land gefegt ist, sind viele Straßen immer noch wegen umgestürzter Bäume gesperrt.

Gesperrt sind unter anderem die Bundesstraße B 450 (alte Panzerstraße), die Straße von Helsen nach Kohlgrund und die alte B 450 durchs Aartal zwischen Finnenbahn und Ferienpark am Twistesee. 

Hierhin hatte sich mitten im Sturm eine Gruppe Nordic-Walker gewagt, die ihren Mut mit zwei Verletzten bezahlen mussten. Wie berichtet, war es für die Rettungskräfte unmöglich, zu den Verletzten vorzudringen. 

Eine Autofahrerin nahm die Verletzten  auf und brachte sie bis zum nächsten umgestürzten Baum wo sie darauf warten mussten, dass die Feuerwehr die Straße mit Motorsägen und Zugseilen freigeräumt hatte. 

Wie steht es um die alten Eichen in der Großen Allee?

Währenddessen fielen in der Innenstadt und rings um Bad Arolsen immer mehr Bäume. Besonders betroffen waren die die Straßen „Unter den Eichen“, Fürstenallee und Braunser Weg. Aber auch am Parkdeck, im Garten des Bernhard-von-Haller-Hauses sowie in der Großen Allee knickten die großen Bäume. 

Der zersplitterte Eichenstamm in der Großen Allee  weist unübersehbare Spuren von Pilzbefall auf. Das lässt für die anderen alten Eichen nichts Gutes vermuten. 

Größter Waldbesitzer rund um die ehemalige Residenzstadt ist das fürstliche Forstamt. Achim Frese wagte als Forstamtsleiter gestern eine erste, vage Einschätzung der Sturmschäden: „Wir hatten bisher noch keine Gelegenheit, in den Wald hineinzugehen. Das ist im Moment noch viel zu gefährlich. Davon raten wir auch dringend allen Spaziergängern ab.“ 

Drohnenbilder sollen Klarheit bringen

Aus sicherem Abstand hätten sich die Revierförster aber schon einen ersten Eindruck verschafft. Vor allem im Helser Tann zwischen Helsen und Schmillinghausen könne man von der Bundesstraße B 252 unzählige Bäume sehen, die wie Mikadostäbe übereinander liegen. All das deute auf ein Schadensniveau wie vor elf Jahren bei Orkan Kyrill hin, so Frese.

 Deshalb rechnet das Fürstliche Forstamt erst mal damit, den dreifachen Jahreseinschlag bewältigen zu müssen. Genauere Zahlen könne er erst nennen, wenn in den nächsten Tagen Luftbilder von Drohnenüberflügen mit den Bestandskarten verglichen werden könnten, so Frese. 

Jedenfalls passe es gut, dass der aktuelle Jahreseinschlag noch nicht abgeschlossen sei. Ein Harvester sei bereits im fürstlichen Wald im Einsatz, eine zweite Vollerntemaschine sei bestellt. Das helfe beim Aufarbeiten des Kalamitätenholzes. Als Erstes will man im fürstlichen Wald die verstreuten Einzelwürfe beseitigen. Frese: „Die locken uns sonst im Frühjahr die Borkenkäfer an.“ 

Schutz vor Borkenkäferplage

Erst danach soll es an die flächigen Würfe gehen. Alles in allem hofft Frese aber, dass die Forstwirtschaft diesmal mit einem blauen Auge davon komme. Zum einen trage der feuchte Herbst und Winter dazu bei, die Borkenkäfer in Schach zu halten. Zum anderen sei die Lage auf dem Holzmarkt vor dem Sturm sehr gut für die Holzverkäufer gewesen. Die Sägewerke hatten noch genügend freie Kapazitäten. 

Und schließlich deute sich an, dass die Windwürfe im Sauerland diesmal nicht so heftig waren wie bei Kyrill. Frese: „Vielleicht kommen wir dann ohne Nasslagerplätze für aufgearbeitetes Kalamitätenholz zurecht.“ Die wasserrechtliche Genehmigung für diese eigentlich harmlosen Lagerplätze sei immer schwieriger zu bekommen.

Dringende Warnung: Jetzt nicht in die Wälder gehen!

Nach den massiven Sturmschäden in den Wäldern rund um Arolsen warnen die Stadtverwaltung und die fürstliche Forstverwaltung dringend davor, die Wälder zu betreten. Auch auf den befestigten Wegen sei in den kommenden Tagen und Wochen die Gefahr zu groß, von schräg hängender Bäumen und losen Ästen getroffen zu werden. 

Auch der Hessische Waldbesitzerverband warnt die Bevölkerung davor, in den nächsten Tagen den Wald zu betreten. Durch den Sturm seien etliche Bäume entwurzelt, abgebrochen oder angeschoben. Abgebrochene Äste hängen noch in den Baumkronen und können jederzeit herabstürzen.

 Nach den wochenlangen Regenfällen sei der Waldboden durchweicht und biete den Bäumen wenig Standsicherheit. „Sturmböen haben die Bäume immer wieder hin- und hergeschaukelt,“ sagt Christian Raupach, Geschäftsführer des Waldbesitzerverbandes.

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