Schluss nach gut 30 Jahren

Disko und Bierlokal in Bad Arolsen mausern sich zu Besuchermagneten in der Region

Beenden nach über 30 Jahren ihre berufliche Tätigkeit in der Gastronomie: Andreas und Marina Brauer vor ihrem Lokal Platzhirsch in der Schlossstraße Bad Arolsen.
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Beenden nach über 30 Jahren ihre berufliche Tätigkeit in der Gastronomie: Andreas und Marina Brauer vor ihrem Lokal Platzhirsch in der Schlossstraße Bad Arolsen.

Nach gut 30 Jahren in der Gastronomie in Bad Arolsen hören Andreas und Marina Brauer auf.

Bad Arolsen – Wenn es am schönsten ist, muss man aufhören. Nach dieser Devise beenden Andreas und Marina Brauer im „Platzhirsch“ ihre über 30-jährige erfolgreiche Zeit in der Gastronomie. Am Samstag, 28. August, wird zu DJ-Musik aus den vergangenen 30 Jahren der Zapfhahn zum letzten Mal geöffnet.

Der gelernte Autoschlosser Andreas Brauer startete 1987 mit der Gründung der Wasserskianlage am Twistesee mit dem dortigen Bistro. Gemeinsam mit Udo Schwenke und Werner Hartmann hatte er die Anlage gebaut. Im vorigen Jahr wurde sie an einen neuen Betreiber verkauft, die Brauers leiteten damit einen Rückzug ein.

Start am Twistesee

Mit der Wasserskianlage startete Andreas Brauer in seine gastronomische Laufbahn, gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau eröffnete er 1994 das Bierlokal „Stradivari“. Der Eigentümer hatte die vormalige Gaststätte „Arolser Spatz“ komplett umbauen lassen.

Und ab ging die Post: Das „Stradi“ war nach anfänglich zögerlicher Akzeptanz schnell zur In-Kneipe in Arolsen geworden, wo Schlager à la Wolfgang Petry aufgelegt wurden. Dazu passte die Einrichtung: Ein rot-blauer Himmel, der voller Geigen hing, mit einer nagelneuen Theke, die direkt am Eingang die Gäste empfing und das Lokal in zwei Bereiche aufteilt.

Mutig Neuland betreten

Das „Stradivari“ lief so gut, dass die Brauers gefragt wurden, ob sie die ehemalige Diskothek „Luxor“ in der ehemaligen belgischen Kaserne übernehmen wollten. Der Pächter suchte nach einem ideenreichen Betreiber: „Ich war erst Feuer und Flamme, wurde aber dann doch skeptisch“, so Andreas Brauer. „Das war schon mutig“, ergänzt Marina Brauer. Schließlich gab es keine Küche, keine Licht- und keine Tonanlage, die für eine Diskothek notwendig ist.

Doch den Beiden gelang es mit Tipps von Disko-Betreibern und Unterstützung des Eigentümers, unter dem klangvollen Namen „Sunset No. 1“ ab 2003 eine Disko zu etablieren, die zum Besuchermagneten in der Region wurde.

„Das war der Triller“

„Coyote Ugly“-, Ü 30- und Ü-40-Partys brachten neben den Jugendlichen auch die jung gebliebenen Älterendazu, zum Abhotten oder zu einem Drink in den mondän eingerichteten Tanzpalast zu gehen.

Der Hessentag im Eröffnungsjahr bescherte dem „Sunset“ jede Menge Kundschaft aus ganz Hessen: „Das war geil, das war der Triller“, schwärmt Andreas Brauer. Da ging es von morgens bis nach Mitternacht rund.

Konzerte und Comedy

Das Konzept mit den Themenpartys wurde durch die Zusammenarbeit mit dem Kulturzelt Wolfhagen abgerundet: Klaus Lage, Vince Ebert, das Comedy-Duo Mundstuhl oder Johann König bescherten dem „Sunset“ im Rahmen des Kleinkunstvereins Bad Arolsen viele Besucher.

Parallel dazu betrieben die Brauers das „Stradivari“ weiter. Die Kneipe war die erste in der Region, die eine Stripperin und einen Stripper anbot. Was anfangs Teil eines Junggesellenabschieds im Stradivari war, wurde dann in das Programm integriert. Auch Karaoke fand gute Resonanz. Promis konnten quasi unerkannt an der Theke sitzen , wie Olaf Malolepski von den Flippers.

Ein Bee Gee im „Sunset“

Robin Gibb von den Bee Gees war einmal im „Sunset“ unterwegs, Marina Brauer konnte es damals kaum glauben, dass sie den Popstar in der eigenen Diskothek zu Gast hatte.

Mit dem „Sunset“ war 2011 Schluss. 2005 hatten die Brauers schon das „Stradivari“ übergeben. 2012 wurde in den neu im alpenländischen Stil eingerichteten Räumen des Lokals an der Schlossstraße der „Platzhirsch“ eröffnet und das Angebot mit einer Speisenkarte erweitert, auf der deftige und selbst zubereitete Essen angeboten wurden.. Zu der Zeit hatte sich die Straße zwischen Schloss und Stadtkirche zur Kneipenmeile gemausert.

„Normales Leben genießen“

„Je mehr umso besser“, findet Marina Brauer. Das Geschäft lief, bis dann die Corona-Pandemie auch die Gastronomie lahm legte. Ende Mai konnten alle wieder richtig durchstarten, doch da war der Abschied von der Gastronomie schon beschlossen.

„Wir genießen mal ein normales Leben“, sagte Marina Brauer. Er will sich als Privatmann betätigen, sie hat nach einer Ausbildung zur Fußpflegerin einen neuen Job. Mit einem Wohnwagen wollen sie reise, bevorzugt nach Österreich. Arolsen werden beide die Treue halten - und einen Schoppen bei ehemaligen Kollegen genießen. ( Armin Haß )

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