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TV-Moderatorin Gundula Gause in Bad Arolsen: Vom Umgang mit Krisen-Meldungen

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Offen, den Menschen zugewandt, begegnet die TV-Moderatorin Gundula Gause ihrem Publikum im Steinern Saal.
Offen, den Menschen zugewandt, begegnet die TV-Moderatorin Gundula Gause ihrem Publikum im Steinern Saal. © Barbara Liese

Die Fernsehjournalistin und heute-Moderatorin Gundula Gause war Gast beim Schlossgespräch in Zusammenarbeit mit der katholischen Gemeinde in Bad Arolsen.

Bad Arolsen – Offen, den Menschen zugewandt, begegnete Gundula Gause ihrem Publikum im Steinern Saal. Schon vor Beginn des Schlossgesprächs ließ sie sich mit Besuchern fotografieren und beantwortete auch persönliche Fragen.

Die andere heute-Sendung

„Gibt es ein Leben nach Klaus Kleber?“ Die erste Frage des Moderators Prof. Thomas Henke ist seit Anfang des Jahres für Gundula Gause fast schon eine liebgewonnene Interviewroutine geworden. Klaus Kleber hatte sie am Abend zuvor auch schon in einer Fernsehtalkshow beantworte müssen. „Sie macht ja jetzt so viel mehr. Sie ist richtig aufgeblüht seid ich weg bin. Das gibt mir schon zu denken“, sagte er.

Die Moderatorin selbst beantwortete die Frage mit einem Lächeln und erzählte von ihrem neuen Arbeitsalltag. Als Hauptmoderatorin der Sendung heute journal up:date fasst sie mit dem Team die Themen des Tages zusammen und aktualisiert um Mitternacht überwiegend die Informationen, die am Abend gesendet wurden. Außerdem moderiert sie die Mittagsausgaben der ZDF-heute-Nachrichten.

Was macht sie noch?

Sie engagiert sich privat für den Afrikatag des internationalen Katholischen Missionswerks missio und ist Botschafterin der Initiative „Schau hin“, ein Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und Jugend und der öffentlich-rechtlichen Sender. „Langweilig ist mir nicht. Veränderungen gehören zu einem Journalistenleben. 30 Jahre bin ich jetzt dabei“, blickte sie zurück.

Die Digitalisierung habe einen Einschnitt in der Arbeitsweise bedeutet. Und in Bezug auf Inhalte werde sie eine der größten Herausforderungen sein. „Das öffentlich-rechtliche System aber ist immer ein Garant für Objektivität, Neutralität und Qualität im Journalismus“, bekräftigt Gundula Gause.

Das sind Herausforderungen

Das Thema des Abends „Zwischen Engagement und Ohnmacht“ verlor sich in der Beschreibung des Arbeitsalltags ein bisschen. Mit der Frage nach den Sorgen, die sich jemand macht, der sich jeden Tag mit Krisen, Not, Bedrohungen und Konflikten beschäftigen muss, holte Henke das Thema in das Gespräch zurück und damit auch die emotionale und einfühlsame Gundula Gause.

„Ich mache mir große Sorgen um die Kirche, die Religion, das Christentum. Ich bin Christin und erschüttert über Skandale der Institution. Ich sehe, dass das Christentum als Wertesystem verliert. Wir haben im Augenblick so viele große Probleme.

Das bereitet Sorgen

Die Energieversorgung, die Inflation, die Energiewende, der Krieg in der Ukraine, steigende Armut, die Liste ist lang. Wir spüren auch die spaltenden Tendenzen. Der christliche Zusammenhalt ist gerade jetzt wichtig.“ Ihr Mann ist katholisch, sie evangelisch: „Wir leben in der Familie die Ökumene.“

In ihrem Beruf könne sie das tägliche Geschehen sachlich betrachten. Ereignisse wie die Amokfahrten in Volkmarsen und Berlin, Kriegsbilder und viele andere schreckliche Ereignisse seien durch die Balance zwischen Ruhe, Distanz und Neutralität am Schreibtisch oder Moderatorenpult besser zu bewältigen.

Was Kraft gibt

„Ich erlebe aber auch, dass Kollegen nicht mehr wollen. Die Menschen sind erschöpft von den Belastungen. Wir haben auch alle eine Pandemieerschöpfung in uns. Wir müssen uns mit unserer Verletzlichkeit auseinandersetzen und uns den Dingen stellen.“

Es gibt immer Momente, in denen man zweifele. Auch sie könne manchmal nachts nicht schlafen und denke nach. „Dann bete ich und spüre, das tut mir gut und gibt mir Kraft“ . Kraft so meint sie, könne auch ein strukturierter Tag geben, an dem man sich Aufgaben stelle, Arbeiten erledige, den bedrohlichen Situationen mit Produktivität begegne. Sie ist sicher, dieses und das kommende Jahr würden weiterhin schwierig bleiben.

Mehr Zeit füreinander finden

Eine Rezession, die Inflation, die Verschuldung der Staaten, die Energiekrise, alle Krisen überlagerten sich. Es gäbe keine schnellen Lösungen. „Wir sollten vorsichtiger mit unseren Handlungen sein, warten bis wir Antworten haben.“ So wünsche sich, dass sich alle, Jung und Alt, in dieser Zeit umeinander, aber auch um sich selbst kümmerten.“

Eine Zuhörerin fasste den Abend für sich und wohl für viele andere zusammen: „Ich habe es mir abgewöhnt Nachrichten zu schauen, aber wenn Gundula Gause moderiert, schalte ich jetzt wieder ein.“  (Barbara Liese)

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