Regierungspräsidium verbessert Konzept

Nach Suizid-Versuch und Belästigung: Angepasstes Konzept für Flüchtlingsunterkunft

 Blick in eine Wohnstube für bis zu fünf Personen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Mengeringhausen.
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Die Neuankömmlinge müssen sich in der neuen Umgebung zurechtfinden: Blick in eine Wohnstube für bis zu fünf Personen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Mengeringhausen.

Regierungspräsidium Gießen verspricht Besserung. Nach einem Suizid-Versuch und Belästigung in der Erstaufnahme für Flüchtlinge wurden die Weichen neu gestellt.

Es war ein schwieriger Start für die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Mengeringhausen – jetzt soll nach Auskunft des Regierungspräsidiums Gießen alles besser werden. Zumindest seien inzwischen die organisatorischen Weichen in der Einrichtung des Landes Hessen auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne in Mengeringhausen entsprechend gestellt.

Das versicherte gestern in einem Gespräch im Bad Arolser Rathaus der für die Flüchtlingsaufnahme zuständige Abteilungsleiter im Regierungspräsidium Gießen, Manfred Becker. Anlass für das Gespräch mit Bürgermeister Jürgen van der Horst waren die beiden Vorfälle, die sich am Mittwoch, 23. September, und am Montag, 28. September, ereignet hatten: Im ersten Fall hatten drei Brüder aus Algerien zwei Mädchen in der Bad Arolser Innenstadt sexuell belästigt.

Nach Intervention des Bürgermeisters und des RP Gießen wurden die drei jungen Männer getrennt von einander in anderen Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes Hessen untergebracht. Die strafrechtlichen Ermittlungsverfahren der Kriminalpolizei laufen unterdessen weiter.

Mitarbeiter des RP Gießen rund um die Uhr erreichbar

Der zweite Fall wurde ausgelöst durch den Suizidversuch eines traumatisierten Flüchtlings in der Krankenstation. In der Folge griffen andere Flüchtlinge aus unerklärlichen Gründen Polizeibeamte an. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei musste schließlich für Ordnung sorgen.

Das Regierungspräsidium habe für solche Vorfälle klare Regelmechanismen versicherte der RP-Sprecher. Dazu gehöre auch die schnelle Verlegung der Beteiligten. Das schwäche die Gruppendynamik und werde von allen als klare Ansage für die Zukunft verstanden. Für die Umsetzung dieser Strategie sorge hessenweit ein Bereitschaftsdienst rund um die Uhr. Eindeutig seien auch die Corona-Regeln für die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung: Wer länger als 72 Stunden abwesend sei, müsse nach Rückkehr zurück in die Quarantäne in Gießen.

Sprache und Werte vermitteln

Wenige Tage nach dem Erstbezug der Einrichtung auf dem Mengeringhäuser Hagen werde nun mit den Kursen zur Vermittlung von „Sprache und Werten“ begonnen. Sozialpädagogen erläuterten in den Sprachen der Herkunftsländer die Regeln für das Verhalten im Gastgeberland. Dazu gehöre die klare Ansage, dass jede Straftat zur Anzeige gebracht werde und in die Ausländerakte einfließe. Das habe Einfluss auf das Asylverfahren.

Bei all dem dürfe nicht vergessen werden, dass nur ein kleiner Teil der Asylsuchenden straffällig werde. Alle Neuankömmlinge brauchten Anleitung bei ihren ersten Schritten in Deutschland. Dabei könnten ehrenamtliche Helfer einen Beitrag leisten, etwa bei Stadtführungen. Wer helfen möchte, kann sich per Mail an ehrenamt@rpgi.hessen.de melden. (Von Elmar Schulten)

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