Gesundheitspolitiker hört Wünsche aus Praxisalltag

Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag besucht Bad Arolser Schön-Klinik

Besuch in der Schön-Klinik: Erwin Rüddel (links) sprach als Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag mit dem Geschäftsführer der Schön-Klinik, Daniel Roschanski. Rechts im Bild: Der Landtagsabgeordnete Armin Schwarz.
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Weichenstellung im Bereich der Psychosomatik: Erwin Rüddel (links) sprach als Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Bundestag mit dem Geschäftsführer der Schön-Klinik, Daniel Roschanski. Rechts im Bild: Der Landtagsabgeordnete Armin Schwarz.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Armin Schwarz die Schön Klinik Bad Arolsen besucht und mit Klinikleiter Daniel Roschanski über aktuelle Entwicklungen in der videobasierten Psychotherapie gesprochen.

Bad Arolsen - Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen haben den Bedarf nach Video-Konsultationen in der Psychotherapie deutlich erhöht. Bei einer Mitgliederbefragung der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung gaben 77 Prozent an, die Möglichkeit psychotherapeutischer Videositzungen zu nutzen. Patienten, die ihre Therapie online durchführen, profitieren unter anderem von deutlich kürzeren Wartezeiten und dem einfacheren Zugang zu Spezialisten. Dies kommt insbesondere Menschen zugute, die nicht in Großstädten wohnen.

„Wir wollen die Video-Psychotherapie mit ihren vielen Vorteilen dauerhaft verankern“, so Roschanski nach dem Treffen. Dafür müssten aber die Abrechnungsvorschriften geändert werden..

Strenge Vorgaben für die Behandlung und Abrechnung

Zweites Gesprächsthema war die „Richtlinie zur Personalausstattung in Psychiatrie und Psychosomatik“. In dieser Richtlinie werden Mindestvorgaben für ärztliches, pflegerisches und therapeutisches Personal in psychiatrischen und psychosomatischen Krankenhäusern definiert. Werden die Mindestvorgaben verfehlt, wird den Kliniken die Behandlung nicht vergütet.

Die Richtlinie beinhaltet Minutenwerte, nach denen die Mindestmenge an Ärzten, Pflegekräften und therapeutischem Personal berechnet wird. Sie sehen hohe Werte für Pflegekräfte im Verhältnis zu Therapeuten vor.

Zu lange Wartezeiten für Patienten mit Depression

Gerade psychisch erkrankte Menschen sind aber in der Regel nicht bettlägrig und können sich selbst versorgen. Was sie viel mehr benötigen sind Therapiestunden. Diese würden ihnen aber nach der aktuellen Fassung der Richtlinie zur Personalausstattung in Psychiatrie und Psychosomatik (PPP-RL) zu Gunsten von mehr Pflegeminuten gestrichen. „Die Personalvorgaben für die Behandlung psychisch kranker Menschen gefährden eine adäquate Versorgung“, sagt Roschanski.

Schon heute müssten depressive Menschen sechs bis sieben Monate auf einen Therapieplatz, warten. Bei Essstörungen seien Wartezeiten von zehn Monaten üblich.

Die knappen Pflegekräfte da einsetzen, wo sie am meisten gebraucht werden

Hinzu komme, dass bei Umsetzung der Vorgaben Pflegekräfte aus Bereichen abgezogen werden müssten, in denen sie dringender benötigt werden. Schon heute fehlten nach Erhebungen des Deutschen Pflegerates bis zu 50 000 Pflegekräfte. Das Institut der Deutschen Wirtschaft prognostiziert, dass in 15 Jahren 307.000 Pflegekräfte in der stationären Versorgung fehlen werden. „Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, warum in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen zusätzliche Pflegekräfte aufgebaut werden sollen, die nicht benötigt werden“, erklärte Roschanski.

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