Genossenschaft Vieh und Fleisch

Votum über Zukunft der Schlachtstätte in Mengeringhausen steht an

Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung in Mengeringhausen. Links Vorstandsvorsitzender Roelof Dingel, rechts Geschäftsführer Dirk Blettenberg.
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Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung in Mengeringhausen. Links Vorstandsvorsitzender Roelof Dingel, rechts Geschäftsführer Dirk Blettenberg.

Die 2000 Mitglieder der Genossenschaft Vieh und Fleisch Nordhessen müssen im September über die Schlachtstätte Mengeringhausen entscheiden.

Arolsen-Mengeringhausen – Die Genossenschaft Vieh- und Fleisch Nordhessen mit Sitz in Mengeringhausen lässt derzeit die Investition in den Schlachthof durch Wirtschaftsprüfer des Genossenschaftsverbandes auf ihre Rentabilität und Nachhaltigkeit untersuchen. Die Generalversammlung entscheidet am 7. September in der Stadthalle Mengeringhausen.

Investitionssumme vervielfacht

Es geht um schätzungsweise 3,6 Millionen Euro, eine Summe, die die ursprünglich veranschlagten 300 000 Euro deutlich übersteigt. „Das ist eine Größenordnung, die wir vor eineinhalb Jahren nicht voraussehen konnten“, stellt Dirk Blettenberg, Geschäftsführer der Vieh- und Fleischvermarktungsgenossenschaft im Gespräch mit der WLZ fest.

Gründe für die hohen Investitionskosten liegen nach Auskunft von Blettenberg und des Vorstandsvorsitzenden Roelof Dingel vor allem in den höheren Anforderungen an den Tierschutz.

Das muss gebaut werden

So müsse unter anderem ein neuer Wartestall direkt an dem Schlachtbetrieb gebaut werden, um einen stressfreien Übergang zu der Schlachtung garantieren zu können. Derzeit beträgt die Distanz zwischen dem Stall und der Schlachtstätte etwa 20 Meter.

Zudem muss der Betrieb einen Tierschutzbeauftragten bestimmen, der von der Anlieferung bis zur Schlachtung alle Schritte dokumentiert.

Einziger Schlachthof im Landkreis

Die Schlachtstätte in Mengeringhausen ist nach der Schließung des Schlachthofes in Bad Wildungen die einzige in Waldeck-Frankenberg. Die nächsten sind im Schwalm-Eder-Kreis, in Fulda oder in Warburg.

In Kassel war der Schlachthof vor zwei Jahren, in Paderborn der Betrieb der Westfleisch vor vier Jahren geschlossen worden. Durch die Schließung in Bad Wildungen hat sich die Anzahl der Schlachtungen verdoppelt, inzwischen sind es pro Jahr 4500 Großvieheinheiten, das Gros machen Schweine aus. Mit diesen Zahlen sei der Betrieb ein für heimische Metzger, Regionalvermarkter und Privatleute wichtiger Regionalschlachthof, den es anderswo nicht mehr gebe, so Blettenberg.

Regionalität im Mittelpunkt

Doch gilt der Betrieb in Mengeringhausen gelte nach EU-Norm als Großschlachthof: „Wir sind schon zu groß, um noch als klein gelten zu können“, sagt Dingel. Wünschenswert wäre eine stärkere Differenzierung. Schließlich spiele die Größenordnung auch eine gewichtige Rolle bei den Anforderungen an den Betrieb.

Der Schlachtbetrieb habe durch seine Regionalität bei der Herkunft der Tiere und der Vermarktung ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Blettenberg. Ohne diese Bezüge gäbe es den Betrieb nicht mehr.

Jetzt wird geprüft

Vor zwei Jahren hat die Genossenschaft angesichts der erheblich gestiegenen Zahlen begonnen, ein Konzept für eine Erneuerung zu erstellen. Fördermöglichkeiten der EU, des Landes und des Kreises werden geprüft.

Ende vorigen Jahres gab der Kreistag ein Votum für den Erhalt und die Förderung der Schlachtstätte im Sinne einer regionalen Marktstruktur ab, konkrete Zahlen wurden noch nicht genannt. Hier wird noch eine offizielle Erklärung erwartet, so Dingel und Blettenberg.

Arbeitgeber

Zudem stehe die Genossenschaft in Gesprächen mit dem Regierungspräsidum und dem Landkreis als Aufsichtsbehörden, aber auch mit dem Bad Arolser Bürgermeister. Schließlich geht es um 28 fest Beschäftigte in Mengeringhausen. Die Schlachtstätte funktioniere nicht wie ein arbeitsteiliger Industriebetrieb, sondern erfordere handwerklich ausgebildete Mitarbeiter wie in einer großen Metzgerei, sagte Blettenberg: „Wir sind ein regionaler Dienstleister.“

Bei allen Wirtschaftlichkeitsberechnungen geht es nach den Worten von Blettenberg auch darum, wie viel die hiesigen Metzger für regionale Ware aufschlagen könnten und der Verbraucher letztlich auch für höhere Investitionen für Tierschutz zu zahlen bereit sei.

Viehhandel wichtiges Standbein

Die Genossenschaft ist nun gefragt, ob der Betrieb wie gefordert modernisiert werden soll. Dazu bekommen die Mitglieder die Zahlen zu Investitionssumme, Fördermöglichkeiten und Prognosen der Wirtschaftsprüfer. Von den 2000 aus der Landwirtschaft stammenden Genossen aus Waldeck-Frankenberg, dem Wolfhager und dem Marburger Land sowie Teilen des Schwalm-Eder-Kreises haben die wenigstens noch aktive Betriebe.

Drei Viertel des Viehumsatzes macht der Handel aus: 3200 Stück Großvieh und 36 000 Schweine, die in die größeren Schlachthöfe geliefert werden, und der Nutzviehhandel (Kälber, Ferkel). (Armin Haß )

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