Pläne in Bürgerversammlung diskutiert

Votum für Umgehungsstraße von Wetterburg  gefordert

Mit Transparenten machte die Bürgerinitiative für den Bau einer Ortsumgehung Wetterburg vor der Bürgerversammlung ihre Forderung deutlich. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen-Wetterburg – Die Diskussion über den Bau einer Umgehungsstraße von Wetterburg geht in eine neue Runde. Nach Darstellung von Hessen Mobil gibt es nur für eine Umfahrung der Landesstraße 3080 Aussicht auf ein Baurecht, für die Kreisstraße jedoch nicht, wie in der Bürgerversammlung deutlich wurde.

 Vor der Versammlung mit rund 180 Teilnehmern in der Twisteseehalle Wetterburg am Montagabend demonstrierte die Bürgerinitiative für eine Umgehungsstraße.

Das ist geplant

Bei Hessen Mobil rücken zwei Varianten für eine Umgehung der Landesstraße 3080 entlang der Bahnlinie in den Blickpunkt. Kein Baurecht gibt es nach Auskunft von Simone Putscher, Fachbereichsleiterin Planung, und Esther Seidler, zuständig für Naturschutz und Landschaftspflege, für eine Umgehung der Kreisstraße 7.

Bei Hessen Mobil wurden die Möglichkeiten für Umfahrungen der K 7 und der L 3080 untersucht. Kein Baurecht sei für die untersuchte Alternativtrasse zur K 7 durch das Remmeker Feld und das Aartal (Entlastung um etwa 2500 Fahrzeuge) sowie die beiden Varianten durch das Arolser Holz (500 bis 700 Fahrzeuge weniger) zu bekommen. 

Das spricht dagegen

Neben der geringeren Entlastung sprächen die Belastungen für Mensch und Natur durch Rodungen im  Wald, Brückenbau und Zerschneidung von Wohnbereichen gegen eine Umgehung der K 7, machten die Fachfrauen deutlich. 

Ohne eine Umgehung, dies ergaben die Untersuchungen bei Hessen Mobil, würde bis 2025 der Verkehr auf der L 3080 auf 7500 bis 9000 Fahrzeuge und auf der K 7 auf 3900 Fahrzeuge steigen. In Bad Arolsen nähme die Verkehrsbelastung in der Großen Allee auf 13 500 Fahrzeuge zu. 

Mehrbelastung in Arolsen

In den Blickpunkt rücken nun zwei Varianten zur Umfahrung der L 3080: Eine Umgehungsstraße entlang der Bahnlinie , die am Ortseingang an der Wetterburg „abgehängt“ und westlich am Wetterburger Berg in Richtung Arolsen angeschlossen würde. Dann würde die Verkehrsbelastung um 80 Prozent auf der Burgstraße (9000 Autos) verringert, über die Wetterburger Straße in Arolsen würden dann 2600 Fahrzeuge mehr rollen. Putscher: „Des einen Freud’ ist des anderen Leid.“ 

 Der „Planfall 0 neu“ würde den Anschluss östlich von Wetterburg erhalten. Dann würden 6000 Fahrzeuge weniger durch Wetterburg rollen, auf der K 7 wären dann aber 3000 bis 4000 Fahrzeuge unterwegs.

Hohe Entlastung

Die Entlastungswirkung  für Wetterburg wäre nach Einschätzung der Planerin gut. Allerdings müssten naturschutzrechtliche Belange im Bereich von Wilder Watter, Aar und Twiste beachtet werden.

Für die Flächenverluste in der Landwirtschaft empfehle sich eine Flurbereinigung, um die Belastungen auf mehreren Schultern zu verteilen. Mehr Verkehr müsste am Ortseingang in Arolsen verkraftet werden.

"Kompromisslinie"

„9000 bis 10 000 Fahrzeuge auf der Wetterburger Straße wären nicht zu akzeptieren“, sagte Anwohner Karl-Heinz Wolff. „Da wohnen auch Menschen, außerdem rollt der Verkehr in Richtung Großer Allee an Wohngebieten , Behörden und einer Klinik vorbei.“ Akzeptabel sei eine Umgehung mit Anbindung an die Ortsdurchfahrt von Wetterburg.

Diese „Kompromisslinie“ vertritt auch Bürgermeister Jürgen van der Horst. Sie ermögliche neben der Entlastung eine Entwicklung der Burgstraße im Rahmen des Fremdenverkehrs und als Wohnumfeld. „Das Schutzgut Mensch ist dem Naturschutz mindestens gleichwertig“, gab der  Rathauschef zu bedenken. Gerade bei der Belastung von unter Naturschutz stehenden Flächen müsse zwar für vollständigen Ausgleich gesorgt werden. Doch leiste die Stadt viel für Erhalt von Landschaft und Gewässern, so der Bürgermeister.

Beschluss nach der Sommerpause

Schwierige Entscheidungsprozesse ständen nun an. Nach der Sommerpause müsse die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss zur Trasse fassen. Den benötigt Hessen Mobil, um in die Detailplanung gehen zu können, die Landwirtschaft und Naturschutz berücksichtigt. Erst dann kann das Baurecht beantragt werden.

„Wir haben endlich die Aussicht auf eine Umgehungsstraße für Wetterburg,“, sagte Heinz Lösekamm im Namen der Bürgerinitiative (BI) in seinem Vortrag bei der Bürgerversammlung.

Das sagt die Bürgerinitiative

 Er sprach sich für die Umgehungsvariante der L 3080 aus, die an die Burgstraße angebunden würde. Eine Umgehung der Kreisstraße 7 müsse hingegen weiterhin Planungsziel bleiben. Darin bestärkt wurde er von dem Bundesvorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung umweltgerechter Straßen- und Verkehrsplanung (GSV), dem Arolser Rolf Crone. 

Eine Entlastung der Burgstraße fordert die Bürgerinitiative Wetterburg. Foto: Armin Haß

Durch weitere Ansiedlungen im Bioenergiepark Mengeringhausen würde die Hagenstraße (Bundesstraße 450) noch stärker belastet und damit auch mehr Verkehr über die K 7 rollen. „Wir freuen uns für Arolsen für die positive Entwicklung, doch bitte nicht zu Lasten von Wetterburg“, sagte Lösekamm. 

Für wirtschaftliche Entwicklung wichtig

Bürgermeister Jürgen van der Horst betonte, die Entwicklung des ehemaligen Bundeswehrgeländes sei wichtig für Bad Arolsen. Zudem sei der Bioenergiepark gut an zwei Bundesstraßen und die Autobahn angebunden. 

Auf der Straße Wiggenberg (K 7) seien bauliche Maßnahmen erfolgt, um das Tempo zu verringern und vor dem Ortseingang Tempolimit 70 eingerichtet worden. Die gemessenen Geschwindigkeiten seien „nicht jenseits der 60“. „Lassen sie uns nicht im Verkehr ersticken“, appellierte Lösekamm an die Kommunalpolitiker. Zuvor hatte BI-Mitstreiter Wilhelm Ammenhäuser anhand eines einminütigen Videobeitrags die Belastung durch Personen- und Lastwagen auf der Burgstraße aufgezeigt.

Bedrohung der Existenz

Die größten Hindernisse bei der Planung einer Ortsumgehung Wetterburg entlang der Bahnlinie zeichnen sich durch den Verbrauch von landwirtschaftlichen Flächen ab. Allein für die Straße werden rund 5,2 Hektar benötigt, so Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Verluste landwirtschaftlicher Flächen sind mit dem Bau einer Umgehungsstraße von Wetterburg verbunden. Foto: Armin Haß

 Fünf Vollerwerbsbetrieben drohe der Verlust von hofnahen Flächen, sagte Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Bauernverbandes Waldeck. In einem Fall sei dies sogar existenzbedrohend. Eine Flurbereinigung könne Vorteile bringen, die Fläche werde aber nicht größer. 

Nicht hinzunehmen

„Das nehmen wir nicht hin“, sagte Landwirt Bernd Meier. Seine Familie habe schon für den Bau des Twistesees Flächen abgegeben und werde nun einem Maße betroffen, dem er nicht zustimmen könne. Sein Betrieb brauche ich die umliegenden Flächen. 

Der Bürgermeister räumte die Belastungen der Betriebe ein. Lösungsmöglichkeiten böte nach Einschätzung beim Amt für Bodenmanagement eine Flurbereinigung. Auch Ausgleichszahlungen kämen in Betracht. Chancen böte eine verbesserte Trassenplanung. So müssten die Lärmemissionen zu den Höfen hin verringert werden. Ziel sei auch eine möglichst gute Erschließung der landwirtschaftlichen Flächen, so der Rathauschef.

Pläne für Bahnübergänge

 In die Planung der Umgehung müsse auch die Herstellung kreuzungsfreier Bahnübergänge im Bereich der Aussiedlerhöfe einbezogen werden. Dies sei eine Forderung der Kurhessenbahn. 

Bernd Meier erklärte, dass seine Familie 2018 ein Haus an der Burgstraße (Landesstraße 3080) gekauft habe: „Da kann man auch bei dem Straßenverkehr gut leben“, sagte er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare