Külte zählt nach Ausweisung eines Neubaugebietes 860 Einwohner

Wachsendes Dorf an der Twiste

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Volkmarsen - Külte - Külte wird größer: Von 820 Einwohnern vor zehn Jahren ist die Bevölkerung auf derzeit 860 Bürger angewachsen: „Das ist nicht alltäglich“, freute sich Ortsvorsteher Gerhard Laabs. Der Ort verzeichnet den Zuwachs besonders nach der Ausweisung eines Neubaugebietes in Richtung Volkmarsen.

Die Baulandpreise seien erschwinglich, die Verkehrsanbindung günstig, sagte Laabs. Neben den Straßen gibt es einen Bahnanschluss und regelmäßige Busverbindungen. Wie Laabs selbst müssen die meisten Berufstätigen jedoch von ihrem Wohnort zum Arbeitsplatz pendeln.

Das fast 130 Jahre alte Natursteinwerk Wachenfeld ist der älteste Betrieb vor Ort. Die beiden Elektro-Handwerksbetriebe Busch und Blum, die Tischlerei Wachs und der von Herbsen an den Bahnhof umgesiedelte Holz verarbeitende Betrieb Butterweck bestehen in Külte. Die beiden Metzger Kahlhöfer und Engelhard schlachten selbst.

Grundversorgung

Eine wichtige Einrichtung ist der Dorfladen von Ulrike Ammenhäuser. In der Ortsmitte neben dem Feuerwehrhaus bietet die Inhaberin neben dem Getränkemarkt ein Grundsortiment an Lebensmitteln sowie frische Brötchen und Brot an.

In ganz Deutschland und in den Niederlanden tätig sind drei Spezialisten für mittelalterliche Märkte und andere Festivitäten unter freiem Himmel. Seit einem Jahrzehnt plant, organisiert und veranstaltet Urban Bönninghaus Märkte im gesamten Bundesgebiet und in Holland - zu Saisonbeginn im März in Warburg und im Juli wieder in Landau. Seine beiden Mitstreiter Karl Germer und Gabor Gal-Prisender bieten bei mittelalterlichen Märkten in passenden Kostümen Fisch- und Fleischspezialitäten. Bönninghaus selbst hatte mit vegetarischen Spezialitäten vor Jahren angefangen.

Kulinarisches im Bahnhof

In drei Gaststätten können sich Bürger treffen. Neben dem Bürgerkeller und dem Gasthaus „Zum Alten Krug“ bietet der ehemalige Bahnhof Wetterburg-Külte, seit 20 Jahren in privater Hand, kulinarische Genüsse an und ist als Station auch per Bahn direkt erreichbar.

Landwirtschaftliche Voll- und Nebenerwerbsbetriebe sind vor allem in der Milchviehhaltung tätig. Ein Landwirt betreibt seit einigen Jahren eine Plantage mit Aroniabeeren-Sträuchern. Die besonders vitaminhaltigen Beeren werden über ein in Dresden ansässiges Unternehmen unter anderem zu Saft verarbeitet.

Die Külter treffen sich aber auch in den Vereinen im alten Bürgermeisteramt, das neben dem Feuerwehrhaus zu einem Dorfgemeinschaftshaus im Rahmen der Dorfereneuerung umgestaltet wurde.

Dorffeste

Die seit dem vorigen Jahr sogenannte Nordwaldeckhalle bietet Stoff für eine eigene Geschichte: Vor Jahrzehnten begannen sich die im Handball sehr aktiven Külter für den Bau einer Sporthalle einzusetzen. Schließlich richteten die Vereine seit Anfang der 80er-Jahre unter der Regie des damaligen Ortsvorstehers Hubert Schäfer Dorffeste aus, mit deren Erlösen das Wunsch-Objekt zumindest mitfinanziert werden sollte. Der damalige Volkmarser Bürgermeister Hubert Bechstein setzte sich mit Elan für den Bau der Halle Anfang der 90er-Jahre ein. Im Anschluss gründete sich der Heimatverein, „die „Sparbüchse des Dorfes“, erklärt Ortsvorsteher Laabs. Unter der Regie des Vereins werden nun die Dorffeste ausgerichtet, deren Erlöse für die Kinder- und Jugendarbeit und die Erweiterung der Halle aufgebracht wurden bzw. werden.

Um die Kinder im Dorf kümmern sich auch die Erzieherinnen im Kindergarten. Die Schule ist vor sieben Jahren geschlossen worden, die Grundschüler besuchen nun die Schule in Volkmarsen. Als ältester Verein ist der gemischte Chor aktiv. Unter der Leitung von Klaus Peter Faring treten sangesfreudige Erwachsene, aber auch Jugendliche und Kinder im weiten Umkreis auf. Für Jung und Alt hat der TV 1908 mit über 500 Mitgliedern etwas zu bieten. Die freiwillige Feuerwehr mit 180 Mitgliedern wird ergänzt durch eine Jugendgruppe und eine Bambiniwehr (unter zehn Jahren). Die Landfrauen gestalten das dörfliche Leben mit, einen guten Ruf genießen ihre Ofenkuchen.

Der Kleinkaliberverein hat sich in einem eigenen Schützenhaus eingerichtet. Der Geflügelzuchtverein lässt einmal im Jahr die Hähne krähen, nimmt an Ausstellungen teil und lädt selbst zu Geflügelschauen ein. Zwei Angelsportvereine sind am Oberen Teich, an der Twiste und und einem für die Aufzucht bestimmten Teich aktiv. Hohe Auszeichnungen hat Holger von der Becke vom Taubenzuchtverein errungen.

Gackernde Burschen

Gackernd und krähend ziehen einmal im Jahr die Burschen durchs Dorf: Kurz vor Ostern sammeln sie mit der Kiepe auf dem Rücken im Dorf Eier für das in der ganzen Region beliebte Eierlesen am Ostersonntag. Der Verein besteht seit gut 160 Jahren und sieht es als seine vornehmste Aufgabe an, den alten Osterbrauch einschließlich Tanzabend zu organisieren.

Bei so viel Angeboten im Ort muss den Organisatoren eines Dorffestes nicht bange sein.

Külte ist mindestens 1200 Jahre alt. Bereits aus der Mittelsteinzeit (8000 bis 5000 v. Chr.) stammen Funde, die auf eine frühe Besiedelung hinweisen. Jäger des Neandertaler Menschen haben dort gelebt, Hauptsiedlungsbereich soll der Hakenberg gewesen sein, und dort konzentrierten sich die Ausgrabungen 1992 durch das Landesamt für Denkmalpflege. Eine urkundliche Erwähnung weist auf die Existenz des Dorfes vor 850 n. Chr. hin. „Culite“ galt damals noch als Besitz des Klosters Fulda. Später gehört der Ort zu den Herrschaftsbereichen des Reichsklosters Corvey, des Grafen Dodico von Warburg oder des Erzbischofes von Paderborn.

Romanische Kirche

1236 hält der waldeckische Graf Adolf I. in Külte Freigericht ab, bereits um 1150 begann der Bau der romanischen Kirche. Ab 1320 gehörte Külte zu Wetterburg, wo die Waldecker eine Trutzburg gegen Köln errichten ließ, dessen Einfluss später bis ins Nachbarstädtchen Volkmarsen reichte.

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