Volle Gewächshäuser Sommer wie Winter in der Gärtnerei Marschke

Es wächst rund ums Jahr dank Biogas

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Landau - Dass die Gewächshäuser der Gärtnerei Marschke das ganze Jahr über gefüllt sind, hat mit Biogas zu tun. Dank der Abwärme einer Landauer Anlage läuft die Produktion Sommer wie Winter.

Die meisten Gärtnereien in der Region haben das Produzieren längst aufgegeben und beschränken sich heute aufs Kaufen und Verkaufen. Einer der Gründe sind die drastisch gestiegenen Heizkosten. Bis zu 60000 Liter Öl hat Ernst Marschke bisher in Jahren mit strengen Wintern in den Gewächshäusern in der Sandlandstraße verheizt. Seit dem Winter 2010/11 bezieht er die Abwärme der Biogasanlage des landwirtschaftlichen Betriebs Viering. Es ist ein Aussiedlerhof mit Mutterkuhhaltung. Die Biogasanlage wird vor allem mit Mist und Gülle betrieben. Maissilage kommt nur wenig zum Einsatz. Saubere Energie Die Abwärme von dort kostet die Gärtnerei rund ein Drittel weniger als Heizöl. Und es ist saubere Energie. Ab August wachsen hier jährlich Weihnachtssterne, und darum braucht die Gärtnerei die Wärme neun Monate im Jahr. Großabnehmer der empfindlichen roten Schönheiten sind seit 2010 die Gartencenter Meckelburg. 84 Grad heißes Wasser Mit rund 84 Grad kommt das vom Motor der Biogasanlage erhitzte Wasser im Keller an. In einem Wärmetauscher gibt es die Hitze ab an Wasser, das zum separaten Kreislauf Marschke gehört. Verloren geht auf dem mehr als einen Kilometer langen Weg vom Hof Viering zur Gärtnerei kaum etwas an Temperatur. Doch anders als die Ölheizung kann das neue System nicht sofort auf Temperaturschwankungen reagieren - dann zum Beispiel, wenn im Winter die Sonne untergeht, die Temperatur in der Dunkelheit rasch um mehr als zehn Grad fällt. Darum hat Ernst Marschke das System mit der Ölheizung kombiniert. Sie springt an, wenn‘s zu schnell zu kalt wird. Dass sie in Zukunft möglichst kaum noch gebraucht wird, dafür sorgen nicht nur Veränderungen im Keller, sondern auch oben im Heizsystem der Gewächshäuser. Hier hat der Firmenchef schon vor Jahren damit begonnen, ein vegetatives System zu installieren. In drei Vierteln der Häuser gibt es bereits diese „Fußbodenheizung“ für Pflanzen. In den Pflanztischen nämlich bieten Aussparungen (die eigentlich zum Bewässern gedacht sind) Platz für Heizungsschläuche. Sie sorgen für etwa 35 Grad Wärme im Wurzelbereich der Pflanzen. Die Luft darf ruhig kühler sein: 15 bis 20 Grad sind hier optimal. Wo die Tischheizung schon installiert ist, muss das Heizungswasser gar nicht mehr so heiß sein. 40 statt über 80 Grad von der Biogasanlage reichen aus. Künftig soll das Wärmesystem der Gärtnerei aus einer Kombination aus Tisch- und Untertischheizung bestehen. Wo jetzt noch altgediente Lufterhitzer im Einsatz sind, sollen demnächst Stahlrohre unter den Tische für Wärme sorgen. Schon jetzt stammen mehr als 80 Prozent der Wärme im Jahresdurchschnitt aus der Biogasanlage. Sind erst alle Tische umgerüstet, hofft Ernst Marschke, dass er fast ganz auf die Ölheizung verzichten kann. Dass sie angeschlossen bleibt, ist auch eine Sicherheitsmaßnahme - für den Fall, dass das Biogas-Heizsystem mal nicht funktioniert. Schließlich sind nicht nur die Weihnachtssterne empfindlich. Denkbar ist sogar, dass die Ölheizung der Gärtnerei um-gekehrt im äußersten Notfall den Gärbehälter der Biogas-anlage mit heizt, denn die Bakterien dort mögen starke Temperaturschwankungen ebenso wenig. Monat für Monat wird übrigens abgelesen, wie viel Wärme die Gärtnerei Marschke abgenommen hat. Diese Zahlen bekommt das EWF. „Denn dafür, dass die Abwärme der Biogasanlage sinnvoll genutzt wird, erhält der Betreiber einen zusätzlichen Obolus“, erklärt Ernst Marschke.Dass auch sein Betrieb insgesamt profitiert von der Umstellung auf Abwärme aus der Biogasanlage, liegt auf der Hand. Dank der Produktion der Weihnachtssterne in den Herbst- und Wintermonaten haben hier sechs Vollzeit-Arbeitskräfte auch in der eigentlich flauen Jahreszeit gut zu tun.

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