Forschungsstelle in Bad Arolsen Haus soll für alle offen sein

Waldeckischer Geschichtsverein bereitet den Aufbau des Mundartarchivs  vor

+
Die Vorarbeiten laufen: Der Vorsitzende des Waldeckischen Geschichtsvereins, Heinrich Paul, will den Aufbau des neuen Waldeckischen Mundartarchivs vorantreiben, es soll im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen eingerichtet werden

Bad Arolsen.  Den reichen Sprachschatz Waldecks zu heben, das hat sich der Waldeckische Geschichtsverein vorgenommen: Unter dem Dach des Gesamtvereins bereitet der Vorstand derzeit den Aufbau eines Waldeckischen Mundartarchives vor.

Das Waldeckische Mundartarchiv solle das Platt in Waldeck flächendeckend erfassen, erklärt der Vorsitzende Heinrich Paul. „Es sieht so aus, dass wir es schaffen.“ Das Material soll im Schreiberschen Haus in Bad Arolsen zusammenlaufen. „Es muss schnell gehandelt werden“, sagt Paul. Viele versierte Sprecher sind betagt. „Wir können nicht mehr warten.“ Es gelte, so viel Material wie möglich zu sammeln, um es zu bewahren und für die Forschung bereit zu stellen.

„Es ist aber nicht nur für die Wissenschaft gedacht“, betont der Vorsitzende Heinrich Paul. „Es soll auch der Allgemeinheit zugänglich sein.“ Im Dezember und im Februar habe sich der Vorstand mit dem Aufbau befasst, berichtet er. „Ich möchte alle mit hineinnehmen ins Boot.“ Die Strukturen des künftigen Archivs bilden sich mittlerweile heraus.

Zwei Arbeitsebenen

Der Geschichtsverein will auf zwei Ebenen arbeiten: 

  •  Die plattdeutschen Arbeitskreise sollen bei ihren Treffen auch Sprachmaterial zusammentragen – ob schriftlich oder als Tonaufnahmen. 
  •  Ein Fachgremium soll den wissenschaftlichen Part übernehmen: die Aufbereitung des gesammelten Materials und den Aufbau und die Pflege des eigentlichen Archivs. 

Dabei sollte es mit dem Leiter des Sauerländer Mundartarchivs, Dr. Werner Beckmann, ebenso zusammenarbeiten wie mit dem renommierten Marburger Sprachatlas, der den Germanisten der Philipps-Universität angegliedert ist. 

Beide Ebenen sollen sich ergänzen. „Vermittler“ solle Andreas Karl Böttcher sein, „er ist der Motor“, sagt Paul. 

Neue plattdeutsche Arbeitskreise bilden

Drei Arbeitskreise bestehen derzeit: Die Diemelstädter um Karl Heinemann und die Diemelseer um Karl-Heinz Behle wirken schon seit Jahren. Und Ende Januar kam der von Andreas Karl Böttcher geleitete Bad Arolser Kreis hinzu, der Platt-Sprecher von Twistetal bis Volkmarsen umfasst. 

Im Idealfall richtet jede der sieben Bezirksgruppen eine eigene Gruppe ein. „Es gibt bestimmt noch Potential“, sagt Paul. „Es müssen nicht unbedingt sieben werden“, aber mindestens eine vierte für Wildungen und das Edertal müsse noch hinzukommen – denn auch das „fränkische“ Platt sei Bestandteil der Waldecker Sprachkultur – und gehört somit im Mundartarchiv gesammelt. „Die Sprachgrenze soll verbinden und nicht trennen“, erklärt Paul. 

Die Arbeitskreise sollen sich langfristig halten und möglichst eigenständig fungieren. Jeder der derzeit bestehenden habe seinen Charakter, betont Paul, das solle sich auch nicht ändern. 

Unabhängiges Fachgremium 

Das Fachgremium soll aus älteren versierten Plattsprechern und jüngeren Leuten bestehen, um seinen Fortbestand zu sichern. Es soll ähnlich wie die Schriftleitung des Geschichtsvereins „eigenständig und fachwissenschaftlich orientiert“ arbeiten.

 Die Fachleute sollen sich auch um die Technik kümmern – vom Aufnahmegerät bis zur Datenbank und den Programmen. Die Finanzierung stellt der Geschichtsverein sicher. 

Der Vorstand hat die Bezirksgruppen gebeten, bis Ostern geeignete Interessenten für das Gremium zu nominieren. Nach Ostern soll sich die Runde bilden und loslegen. Paul: „Es steht noch allerhand Arbeit an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare