Neujahrskonzert in Bad Arolsen und Korbach

Waldeckisches Kammerorchester lässt es krachen

Konzert mit Solistin Larissa Niederquell und zwei Dirigenten: Rainer W. Böttcher neben dem projizierten Foto Ennio Morricones, dessen „La Califfa“ für Sopran und Orchester zu hören war.
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Konzert mit Solistin Larissa Niederquell und zwei Dirigenten: Rainer W. Böttcher neben dem projizierten Foto Ennio Morricones, dessen „La Califfa“ für Sopran und Orchester zu hören war.

Das Kammerorchester in Waldeck Frankenberg lässt es krachen. Das Neujahrskonzert in Bad Arolsen und Korbach sorgt für Feierlaune.

Mit Einsetzen der Bläserriege bebte das Festspielhaus: bei der „Wilhelm Tell“-Ouvertüre ließ es das Waldeckische Kammerorchester bei seinen Neujahrskonzerten nicht zum letzten Mal krachen. Die zwei ausverkauften Konzerte unter Leitung von Rainer W. Böttcher ließen keine Wünsche offen. Hunderte Musikfreunde in der Fürstlichen Reitbahn und der Korbacher Stadthalle wurden mit Pauken empfangen und furios ins Beethovenjahr eskortiert.

So feiert das Publikum

Vom pfeifenden und trampelnden Publikum tatkräftig unterstützt, holten die Musiker die „Night of the Proms“ ins Waldecker Land, um den musikalischen Reigen so zu beenden, wie es die Zuhörer seit vielen Jahren lieben: mit dem Radetzkymarsch.

Für die Zuhörer in der Arolser Reitbahn begann das Konzert mit einem alten Bekannten – und der ersten Überraschung. Die Ankündigung von Dirigent Böttcher, die schönsten Melodien in das Konzert gepackt zu haben, bereitete nicht unbedingt auf den Marsch für zwei Pauken vor.

Feierliches Trommelfeuer

Das feierliche Trommelfeuer hatte niemand anderes als die Brüder Philidor verfasst. André Danican Philidor war einst beim Waldecker Fürsten zu Gast, um als berühmter Schachspieler internationalen Glanz in die Residenz zu bringen. Beim Konzert leitete das ungewöhnliche Duett Charpentiers flotten „Marche de Triomphe“ ein.

Spätestens mit dem 1. Satz aus Beethovens Sinfonie Nr. 1 war Maestro Böttcher dann gänzlich in seinem Element und feuerte sein Orchester mit vollem Körpereinsatz an.

Allen voran die starke Bläserriege ließ das Werk im Beethovenjahr förmlich durch den Saal donnern, ein Wow-Effekt, der mit Rossinis „Wilhelm Tell“ gleich noch mal wiederholt wurde.

Ganz anders die Fantasie über ein Thema der Oper „Eugen Onegin“ der Komponistin Ekaterina Walter-Kühne. Solistin Mónica Rincón verzauberte mit lautmalerischem Harfenspiel und schuf einen ruhigen Gegenpol zum turbulenten Konzertgeschehen.

Als zweite Komponistin des Abends rückte das Orchester Cécile Chaminades Concertino op. 107 in den Mittelpunkt. Bewundernswert meisterten die Musiker um Solist Eberhard Enß die Herausforderung, ihre Spielkraft um die filigranen Querflötenpassagen richtig zu dosieren.

Konzert mit Solistin Larissa Niederquell und zwei Dirigenten: Rainer W. Böttcher neben dem projizierten Foto Ennio Morricones, dessen „La Califfa“ für Sopran und Orchester zu hören war.

Ein Besuch in der Londoner Royal Albert Hall stand nach der Pause an. Wie vom Dirigenten erhofft, ging bei der Finalmusik der „Night of the Proms“ auch vor Ort die Post ab. „Rule, Britannia“ als Abschluss von Woods „Fantasie on British Sea Songs“, teils fröhlich mitgepfiffen und -getrampelt, hatte das Orchester kurzerhand in „Prosit Neujahr“ zum Mitsingen umgedichtet.

Walzer und Rock

Im locker-leichten Walzertakt ging es mit Léhars „Ballsirenen“ weiter, bevor Larissa Niederquell als Gesangssolistin gefühlvoll Morricones „La Califfa“ intonierte. Knallende Korken und Rockmusik dürfen bei Anbruch eines neuen Jahres nicht fehlen. Nach Strauß´ Champagner-Polka und schwelgerischen „Rosen aus dem Süden“ stand daher ein weiteres Experiment an.

Der junge Komponist Jorgo Georgopoulos hatte Beethovens „Fünfte“ nach Vorlage der Band „Ekseption“ mit elektrischen Instrumenten arrangiert. So kam auch das jüngste Orchestermitglied Gero Göbel nach diversen Perkussion-Einsätzen noch an weiterer Stelle mit seinem E-Bass zum Einsatz. Stehend verabreichter Applaus war der Lohn für zweieinhalb Stunden spritzige Unterhaltung. (Sandra Simshäuser)

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