Admirale auf dem Weg in Richtung Süden · Überwinterung in Südwestdeutschland

Wanderfalter sind unterwegs

Waldeck - Frankenberg - Der goldene Oktober hält für Naturliebhaber eine Menge schöner Entdeckungen bereit. Dazu gehören auch die Admirale, die prächtigen Wanderfalter.

Es ist ein warmer und sonniger Tag Anfang Oktober. Die Schwalben sind vom Himmel verschwunden, sie sind bereits in den Süden gereist. Am blauen Himmel kreisen einige Rotmilane, und wenn sie genügend Höhe erreicht haben, nehmen sie Richtung auf und gleiten gen Südwesten davon. Aber hier unten über Wiesen und Acker tut sich etwas anderes. Dunkle Schmetterlinge wandern niedrig über die Flächen dahin, alle Richtung Südwest.

Gleiten ohne Flügelschlag

Wenn man einen von ihnen näher sieht, ist es klar: ein Admiral. Orangerote Bänder auf Vorder- und Hinterflügeln kennzeichnen den schönen Großschmetterling, die Vorderflügel tragen an der Spitze ein weißes Fleckenmuster.

Einer nach dem anderen kommt aus dem Tal heraufgewandert und flattert über die Wiesenflächen und die schon grünen Winterrapsfelder dahin - immer in Richtung Südwest. Sie fliegen in breiter Front. Wenn sie den Hügel überwunden haben, gleiten sie auf der anderen Seite abwärts.

Da geht es leichter, sie können streckenweise ohne Flügelschlag vorwärtskommen. Neben den dunklen Admiralen sind weißliche Schmetterlinge unterwegs. Es sind Kohlweißlinge. Sie haben keine Vorzugsrichtung, sondern flattern mal in der einen, mal in der anderen Richtung vorbei. Sie sind keine Wanderschmetterlinge.

Nektar saugen

Unten in der Ortschaft merkt man zuerst nichts von der Schmetterlingswanderung. Am nächsten Tag jedoch gegen Mittag bei warmer Sonne sind sie plötzlich da. Auf der Fetthenne, die die Kräuterspirale mit ihrem matten Blütenrot krönt, sitzt plötzlich einer und saugt Nektar mit seinem langen Rüssel. Und drüben an der Gartenmauer, wo der blühende Efeu sich emporrankt, gibt es neben den Schwebfliegen und den Bienen mit ihren Pollenhöschen auch ein halbes Dutzend Schmetterlinge.

Wohin des Weges?

Hier haben Admirale ihre Wanderung unterbrochen, um sich mit Nektar aus den Efeublüten zu stärken. Manchmal falten sie die Flügel zusammen und sehen plötzlich unscheinbar aus. Die Unterseite ihrer Flügel ist getarnt. Auf dem Hinterflügel ein verwirrendes Muster, aus dem die Fantasie Ziffern wie 18 oder 98 herauslesen kann.

Am Randecker Maar in der Schwäbischen Alb müssen die Schmetterlinge ebenso wie die ziehenden Vögel eine Gebirgsschwelle überqueren. Wir erfahren es per Telefon: Heute ist dort nichts los. Unten im Tal liegt schwerer, kalter Nebel. Den Schmetterlingen, die dort angekommen sind, ist es zu kalt zum Fliegen. Sie rasten unbeweglich im Verborgenen.

Überwinterungstaktik

Aber in zwei Tagen, wenn die Sonne den Nebel wieder aufgelöst hat, dann könnte es passen. Dann geben sie ihre Ruhephase auf und fliegen weiter. Wenn sie Südwestdeutschland oder Ostfrankreich erreicht haben, dann ist die Wanderung der Admirale schon zu Ende. Früher kamen sie im Sommer aus dem Mittelmeergebiet über die Alpen zu uns und flogen im Herbst wieder zurück.

Heute genügt ihnen eine kürzere Wanderung. Im Überwinterungsgebiet angekommen, hauchen trotzdem viele bei den ersten Frösten ihr zartes Leben aus. Doch die Eier, die Larven, selbst die Puppen, die sie hinterlassen haben, können auf ihre Weise überwintern und werden uns als fertige Schmetterlinge im kommenden Sommer wieder überraschen.

Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann ist Ornithologe, findet aber die Wanderung der Schmetterlinge genauso interessant wie die der Vögel.

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