Übergabestelle für die neue Wasserleitung ist fertig · An den Leitungen wird noch bis Dezember gebau

Warburger Wasser fließt nach Wrexen

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Die beiden Bürgermeister von Warburg und Diemelstadt, Michael Stickeln und Elmar Schröder, testen gemeinsam den neuen Übergabepunkt zwischen den Wasserleitungsnetzen ihrer Kommunen. Mit dabei sind die Planer und Ingenieure Jutta Biermann und Michael Rempe

Diemelstadt/Warburg - Der Übergabepunkt für das Warburger Trinkwasser ins Diemelstädter Netz ist gestern feierlich seiner Bestimmung übergeben worden. Bis das westfälische Wasser auch tatsächlich bei den Verbrauchern der Diemelstadt ankommt, werden noch sieben Wochen vergehen.

Der Rhoder Trinkwasserbrunnen ist seit zehn Jahren mit steigenden Nitratwerten belastet und muss auf behördliche Anweisung vom Netz genommen werden. Auch der Wrexer Brunnen ist sanierungsbedürftig. Neuerdings gilt das Wrexer Wasser zudem als - in äußerst geringen Mengen - mit Uran belastet.

Ergiebige Brunnen

Höchste Zeit also, dass die Trinkwasserversorgung in Diemelstadt auf neue Beine gestellt wurde. Deshalb hat das Stadtparlament bereits im vergangenen Jahre nach Beratung durch Fachleute die Weichen für eine Kooperation mit der Nachbargemeinde Warburg gestellt.

Das Bohren neuer Brunnen auf Diemelstädter Gebiet erschien allen beteiligten als zu riskant und teuer. Am besten geeignet erschien zudem ein Standort mit zu großer Nähe zur Autobahn, was bei einem Gefahrgutunfall zu nicht absehbaren Problemen hätte führen können.

Die Stadtwerke Warburg verfügen jedoch im Wald bei Scherfede über sehr ergiebige Brunnen mit bester Trinkwasserqualität. Als die Preise verhandelt waren, ging es nur noch um die technische Ausführung. Und die hat es in sich.

Viele Behörden beteiligt

Auf der 5,3 Kilometer langen Strecke muss das Wasser unter anderem zwei Bundesstraßen, die B 7 und die B 252 unterqueren (Genehmigungen von Straßen NRW und Hessen-Mobil), außerdem Eine relativ stark befahrene Bahntrasse (Genehmigung Bahn-AG), einen Bach und die Diemel (Genehmigungen durch die Landkreise Höxter und Waldeck-Frankenberg). Schließlich galt es noch, eine Ländergrenze zu überqueren. Die bürokratischen Hürden in Nordrhein-Westfalen waren das eine. Die hessische Regelung zum Ausgleich das Eingriffs in die Natur das andere.

Geht die Rechnung auf?

Die Bahn hat genaue Vorstellungen davon, wie eine Wasserleitung die Gleise zu unterqueren hat. Schließlich muss ausgeschlossen werden, dass bei einem Rohrbruch der ganze Bahndamm fortgespült wird. Dafür muss die Wasserleitung aus lebensmittelechtem Polyethylen durch ein ummantelndes Stahlrohr geführt werden.

Ein solches Stahlrohr hat vor fünf Jahren verhindert, dass die geborstene Wasserleitung zwischen Rhoden und Wrexen die Autobahn unterspülte.

Der mit den Ausführungsplanungen betraute Ingenieur, Michael Rempe, rechnete vor, dass der Übergabepunkte in Scherfede genau 15 Meter über dem Wasserbehälter Wrexen liege. Deshalb müsse das Wasser eigentlich im freien Gefälle die Strecke überwinden können. Die dazu nötigen Rohrquerschnitte seien korrekt berechnet. Ob die Vorhersage aber auch eintreffe, werde sich erst beweisen, wenn die Leitung zum ersten mal getestet werden könne.

Vom Hochbehälter Wrexen aus muss das Wasser mit Hilfe einer Druckerhöhungsanlage 80 Meter hoch in den sechs Kilometer entfernten Hochbehälter von Rhoden gepumpt werden, von wo aus auch Wethen und Gashol versorgt werde.

Kosten geteilt

Die Bauarbeiten wurden aufgeteilt in den Teil, der allein von den Stadtwerken Warburg (500000 Euro) und von der Stadt Diemelstadt (800000 Euro) zu tragen ist. Auf diese Weise wurden zwei Firmen beauftragt, die quasi von zwei Seiten auf den Übergabepunkt zugearbeitet haben. Das hat die Arbeiten beschleunigt, so dass nun alle Beteiligten zuversichtlich sind, dass die Verbindungsleitung im Dezember in Betrieb genommen werden kann.

Die Wasserlieferungen beginnen dann ab Januar. Zu diesem Zeitpunkt wird man sich in Diemelstadt um eine noch genauere Erfassung aller Verbräuche bemühen. Bürgermeister Elmar Schröder kündigte gestern an, dass der städtische Bauhof, die Feuerwehren aber auch Baufirmen künftig nur noch Wasser mit Wasserzähler entnehmen dürften. Die vorhandenen Standrohre müssten durch solche mit Zähler ausgetauscht werden, damit sämtliche Verbräuche exakt haushaltstechnisch zugeordnet werden könnten. Das sei derzeit nicht der Fall.

Wasserdiebe aufspüren

Wenn aber künftig eine bestimmte Menge Wasser aus Warburg bezogen und bezahlt werde, dann müsse genau nachvollziehbar werden, wo jeder Kubikmeter entnommen werde. Auch städtische Dienstleister, die Kanäle spülten, würden angehalten, das dafür benötigte Wasser aus Zisternen oder Vorflutern in ihre Tankfahrzeuge zu pumpen.

Schröder: „Und wir haben schon unsere Wassermeister mit Geräten ausgestattet, die dokumentieren können, wo es zu Unregelmäßigkeiten bei der Wasserentnahme kommt. Das heißt: Wir werden versuchen Personen, die an der Wasseruhr vorbei Wasserabzapfen, aufzuspüren und strafrechtlich zu belangen. Wer Wasser nutzt ohne zu zahlen verhält sich unsozial.“

Wertvolles Wasser

„Sauberes Trinkwasser ist unser wertvollstes Lebensmittel“, stellte Ingenieur Michael Rempe gestern an der Baustelle fest und rechnete vor: „Der Liter Wasser kostet inklusive Entsorgung weniger als einen Cent.“ Empört fügte der engagierte Planer hinzu: „Damit ist Wasser ist rein rechnerisch weniger wert als Bauschutt.“

(es)

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