Interview mit Bürgermeister Jürgen van der Horst

Warum hat Bad Arolsen so hohe Fallzahlen?

Stark nachgefragt: Das Team der Hofapotheke in Bad Arolsen ist vorbereitet auf die Abgabe von FFP2-Masken an über 60-Jährige. Dazu muss ein Personalausweis vorgelegt werden.
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Stark nachgefragt: Das Team der Hofapotheke in Bad Arolsen ist vorbereitet auf die Abgabe von FFP2-Masken an über 60-Jährige. Dazu muss ein Personalausweis vorgelegt werden.

Die Infektionszahlen in der ehemaligen Residenzstadt sind erschreckend hoch. Wer mit dem Taschenrechner am Wochenende versuchte, eine Inzidenzzahl in Bezug auf 100.000 Einwohner zu errechnen, kam auf schwindelerregende 700 und mehr. Am Montagabend ist die Zahl auf 530 zurückgegangen.

Bad Arolsen - Diese hohen Zahl täuschen natürlich, weil sie nicht auf sieben Tage heruntergebrochen wurde, sondern nur einen maximalen Tageswert zeigt. Dennoch ist die Lage besorgniserregend. Das sieht auch Bürgermeister Jürgen van der Horst nicht anders: „Die Lage war so, dass der Landkreis kurzfristig am Wochenende die Schließung der Kindergärten und Schulen am Montag verfügen musste.“

Viele Leser wenden sich in diesen Tagen telefonisch an die WLZ-Redaktion und erhoffen sich eine Antwort auf die Frage: Woher kommen die hohen Zahlen in Arolsen? Die Redaktion hat die Frage weitergegeben an den Bürgermeister:

Woher kommen die hohen Infektionszahlen in Bad Arolsen?
Wir erleben gerade ein sehr diffuses Infektionsgeschehen. Es gibt Fälle in den Einrichtungen für Senioren und Jugendliche, Kindergärten, Schulen und auch die Flüchtlingseinrichtung ist mit einstelligen Zahlen beteiligt. Darüber hinaus sehen wir aber viele Einzelfälle. Auch die Stadtverwaltung ist mit einzelnen Mitarbeitern betroffen.“ Der Rathauschef vermutet dahinter eine gewisse Wellenbewegung: Zuerst waren die Bewohner der Einrichtungen betroffen, dann auch das Personal und in der Folge deren Angehörige.
Wird die Stadt Bad Arolsen jetzt weitere Verschärfungen des Lockdowns verhängen müssen?
Dafür wären nicht wir, sondern der Landkreis zuständig Ich wüsste aber auch nicht, was wir noch verschärfen könnten. Eine Ausgangsbeschränkung hilft uns nicht weiter. Wir haben keine Partymeile in der Stadt. Und die vorhandenen Gaststätten sind schon alle geschlossen. Das Infektionsgeschehen verlagert sich gerade in die Arbeitswelt. Da müssen die Firmen darauf achten, dass ihre Hygienekonzepte eingehalten werden.
Und wie wird die Stadt Bad Arolsen künftig mit Mahnwachen und Demonstrationen umgehen, wie sie vor wenigen Tagen am Kirchplatz stattgefunden haben?
Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut. Die Mahnwache war angemeldet. Die Polizei hat kontrolliert. Die Auflagen wurden eingehalten.
Wird die für Freitag angekündigte Demonstration in der Großen Allee wieder genehmigt werden?
Das werden wir in den nächsten Tagen prüfen. Wie gesagt: Das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, wenn ich auch nicht verstehe, wogegen sich die Mahnwache und Demonstration überhaupt richten. Ob das wirklich alles nottut, weiß ich nicht.

Während die Einen die Gefahr unterschätzen, handeln die Anderen vielleicht ein wenig zu ängstlich: Aus Arolser Arztpraxen ist zu hören, dass viele Senioren bisher noch nicht den Mut gefunden hätten, sich eine Grippeimpfung abzuholen.

Dabei sei eine Grippeimpfung gerade in dieser Zeit sehr wichtig, um unnötige Komplikationen zu vermeiden.

Alle Arztpraxen haben maßgeschneiderte Hygienekonzepte, damit sich möglichst niemand im Wartezimmer anstecken kann. „Im Zweifel beim Hausarzt anrufen“, so der Tipp der Ärzteschaft.

Nach Veröffentlichung dieses Textes meldete sich am Montagabend der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese als zuständiger Gesundheitsdezernent in der Redaktion und berichtete, dass die hohen Infektionszahlen vom Wochenende inzwischen etwas zurückgegangen seien. Für Montagabend meldete er ein Inzidenzzahl von 530. (Elmar Schulten)

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