Christof Hollenstein ist ein Landauer Original

Was macht der Braumeister auf dem Landauer Kirchturm?

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Christof Hollenstein als Hauptmann der historischen Gruppe Bellicum Montanum bei m Jubiläum 500 Jahre Landau.

Bad Arolsen-Landau. Als Sohn des Landauer Lehrers hatte Christof Hollenstein lange Zeit den inneren Zwang verspürt, selber auch Lehrer werden zu sollen.

Als er seinem Vater aber nach dem Abitur eröffnete, dass er lieber Uhrmacher oder Bierbrauer werden würde, soll der nur geantwortet haben: „Ich habe es immer schon geahnt.“

Heute lebt der 46-jährige Christof Hollenstein-Nadaschdy seinen Traum: Als Braumeister bei der Warburger Brauerei genießt er es, zur Oktoberwoche vier Tage lang ein ganzes Zelt glücklich zu machen.

Als Hauptmann der historischen Gruppe „Bellicum Montanum“, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert, schlüpft er immer wieder in die Rolle eines Haudegens aus der Zeit des 30-jährigen Krieges.

Was macht der Brauer auf dem Kirchturm?

Und als Wärter für die Turmuhr der Landauer Kirche sorgt er dafür, dass die Leute in der Bergstadt wissen, was die Stunde geschlagen hat. Einmal pro Woche klettert er zum über 100 Jahre alten Uhrwerk hinauf und zieht die Feder neu auf.

Dort oben findet Hollenstein seine innere Ruhe und wird bisweilen philosophisch: „Jeder Pendelschlag erinnert daran, dass die Zeit, die vergangen ist, nicht zurückkommt.“

1994 bei der 700-Jahr-Feier der Stadt Landau hatten Hollenstein im historischen Heerlager erstmals ein eigenes Bier gebraut.

Warum hat die Brauerei so nah am Wasser gebaut?

1998 begann er seine Lehre zum Brauer und Mälzer bei der Westheimer Brauerei. In Kulmbach besuchte er die Meisterschule. Mit dem Meisterbrief in der Tasche fing er 2004 bei der Warburger Brauerei an.

„Das war wie ein Sechser im Lotto für mich“, schwärmt der Landauer: „Welcher Braumeister hat schon das Glück, gleich in der Nähe seines Heimatortes eine Brauerei zu finden.

In der zehnten Generation wird bei der Brauerei Kohlschein nun schon gebraut, seit 1989 auf dem Gelände einer früheren Papierfabrik unmittelbar an der Diemel.

Wasserkraft treibt Turbinen, die einen Teil der benötigten Energie fürs Brauen liefert. Heizen und Kühlen frist Strom. Wie praktisch und ökologisch, wenn der frei Haus geliefert wird.

Das passt auch gut zum Bio-Bier, das hier mit Bio-Braugerste einer Erzeugergemeinschaft aus der Warburger Börde geliefert wird.

Was macht einen guten Braumeister aus?

Wir können hier kreativ sein und eine Menge ausprobieren, schwärmt der Braumeister, der mit seinem Kollegen immer sechs Wochen im Voraus planen muss. So lange braucht ein gutes Pils, bis es bereit für die Abfüllung in Flaschen und Fässer ist.

Sechs Wochen vor einem großen Fest muss also feststehen, welche Mengen gebraucht werden. Im Jahr werden in Warburg rund 20 000 Hektoliter braut.

Trotz dieser Mengen gilt: „Brauen ist immer noch Handwerk. In der Produktion haben wir keinen einzigen Computer“, erzählt Hollenstein und verrät sein Geheimnis: „Nur nicht huddeln. Wenn du’s eilig hast, mach’s langsam.“

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