Volksbildungsring

Stabwechsel nach einem halben Jahrhundert in der Kulturarbeit in Bad Arolsen

Nach über 50 Jahren im Volksbildungring gab Horst Schwarze (rechts mit Ehefrau Rosemarie) den Vorsitz ab und wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Links der neue Vorsitzende Wilfried Schuppe.
+
Nach über 50 Jahren im Volksbildungring gab Horst Schwarze (rechts mit Ehefrau Rosemarie) den Vorsitz ab und wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Links der neue Vorsitzende Wilfried Schuppe.

Nach gut einem halben Jahrhundert kulturellen Engagements im Volksbildungsring Bad Arolsen übergab Horst Schwarze den Vorsitz an Wilfried Schuppe. Der Theaterexperte und ehemalige Lehrer-Kollege an der Christian-Rauch-Schule wurde am Dienstagabend einstimmig zum Nachfolger berufen.

Bad Arolsen – Es reize ihn, in der kulturellen Arbeit neue Akzente zu setzen, sagte Schuppe. In einer Übergangszeit setzt er auf die Zusammenarbeit mit dem zum Ehrenvorsitzenden ernannten früheren Berufskollegen Schwarze. Dieser hat schon Theaterstücke ausgewählt für eine kommende Saison, die jedoch wegen der Corona-Pandemie mit vielen Fragezeichen versehen ist.

Mit dem Volksbildungsring verbunden

33 Jahre war Schuppe Gymnasiallehrer für Deutsch und Franzöisch, 29 Jahre hat er die Theater-AG am der CRS geleitet. Mit Schülern besuchte er Theateraufführungen des VBR besucht, zudem hielt er Einführungsvorträge vor den Gastspielen.

Der 2013 pensionierte Lehrer wohnt mit seiner Ehefrau, einer Pfarrerin, nach 15 Jahren in Arolsen seit 1996 in Höringhausen und betreut dort junge Flüchtlinge im Rahmen des Projektes „Let’s Go“.

Auswahl der Theaterstücke Schwerpunkt

Horst Schwarze habe es verdient, sich nun zur Ruhe zusetzen, sagte Schuppe. Er wiederum sei zu jung, um hinter dem Ofen zu sitzen, und sei flexibel, schilderte Schuppe seine Beweggründe. Zudem seien Kandidaten für den Vorsitz „rar“,unterstrich er.

Als Vorsitzender des VBR wolle er sich schwerpunktmäßig mit der Auswahl der Theaterstücke befassen. Und er freue sich über Anregungen und Kritik aus den Reihen der rund 230 Mitglieder.

Junge Menschen erreichen

„Wir wollen auch junge Leute erreichen“, machte Schuppe deutlich. Früher hätten CRS-Schüler Theateraufführungen des VBR besucht. Es sei üblich gewesen, dass ergänzend zum Lesestoff im Unterricht Gastspiele besucht wurden.

Inzwischen sehe er aber primär Warburger Schüler in den Besucherreihen, bedauerte er. Schuppe erklärte, dafür gebe es verschiedene Gründe, und er wolle sich dafür einsetzen, dass heimische Schüler verstärkt das Theaterangebot des VBR wahrnähmen.

Besucherstruktur erkennen

Der VBR müsse offensiv um die Mitarbeit junger Menschen werben, sagte Ulrike Combé- von Nathusius. Sie regte eine Auswertung zu den Besuchen der VBR-Veranstaltungen an. Dabei solle es um Alter, soziale Schicht oder Migrationshintergrund gehen. Siegfried Wagner regte an, mit den Schulen an der Gestaltung des Theaterprogramms zusammenzuarbeiten.

Mit dem Rücktritt des Vorsitzenden des Volksbildungsriungs Bad Arolsen, Horst Schwarze, endete nach über 55 Jahren eine Ära im Kulturbetrieb von Bad Arolsen. Der 1997 mit der Christian-Rauch-Plakette ausgezeichnete Studiendirektor a. D. wurde in der Jahreshauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Bildungsarbeit als Leidenschaft

Ganz Gentleman im dezenten Zweiteiler, mit einem Hauch von britischem Understatement (deutsch etwa: stilvoll bewusste Untertreibung), zeigte Schwarze bei der Mitgliederversammlung, dass er noch ganz drin ist in seinem Volksbildungsring, den er 51 Jahre als (stellvertretender) Vorsitzender mitlenkte und dessen Positionen in Theater, Musik und Bildung er in der Öffentlichkeit immer wieder mit Leidenschaft vertritt.

So verknüpfte der frühere Lehrer an der Christian-Rauch-Schule seine Rücktrittserklärung auch mit einem Plädoyer für den Volksbildungsring. Anfang der 70-er Jahre, sein Kollege Eduard Berdux war Vorsitzender, sei in einer Mitgliederversammlung das Anliegen formuliert worden, den VBR in einen Kulturverein umzuwandeln.

Vom Facharbeiter bis zum Minister

In der Denkweise der 1968-er hätten diese Mitglieder gemeint, dass der Begriff Volksbildungsring elitär sei und letztlich „die Gebildeten nur großzügig die Brosamen unters Volk streuen wollten, um ihre Überlegenheit zeigen zu können.“

Das Gegenteil ist nach den Worten von Schwarze der Fall, schließlich gehe es darum, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern zur Bildung beizutragen, damit Menschen reifer werden und ihren Teil zur Entwicklung der Gesellschaft bringen können. Die Begriffsteile Volk und Ring meinten die Gemeinschaft aller, vom Facharbeiter bis zum Minister, die Bildung bekommen sollen. Auch in Zukunft erfülle der VBR wichtige Aufgaben.

Exklusives Präsent

Stellvertretender Vorsitzender Bernd Zaloga verband mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden einen Gutschein für einen exklusiven Restaurantbesuch mit seiner ebenfalls um den VBR verdienten Ehefrau Rosemarie Schwarze, bei dem es englische Spezialitäten gebe.

Die Bildungsarbeit sei „mehr als vorzeigbar“, sagte Bürgermeister Jürgen van der Horst. Zudem sei Schwarze als Musiker selbst aktiv in der Kulturszene.

Mit Schwung in die weitere Arbeit

Bei der Verleihung der Christian-Rauch-Plakette 1997 sei für Schwarze gerade Halbzeit im Vorstand gewesen und er habe daraus Schwung für die weitere Kulturarbeit bezogen, die ihn auch jung erhalten habe. Und die Alt-68-er hätten auch ihren Frieden mit dem Namen Volksbildungsring gemacht, stellte der Rathauschef fest. (Von Armin Haß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare