Kurz vor dem Lockdown ausgeflogen

Wegen Corona-Gefahr: Wetterburgerin muss Freiwilligendienst auf den Philippinen abbrechen

+
Erinnerung an unbeschwerte Tage auf den Philippinen: Natalie Volkwein aus Wetterburg (rechts) war sieben Monate bei einem Umweltprojekt auf der Insel Cebu im Einsatz. Das Foto entstand beim Mittagessen bei einer Baumpflanzaktion. Das Essen, das auf Bananenblättern serviert wird, heißt Budol-budol.

Kurz vor dem amtlich verhängten Lockdown auf den Pphilippinen musste eine Wetterburgerin  ihren Einsatzort auf der Insel Cebu verlassen.

Bad Arolsen-Wetterburg.  Es hatte alles so schön angefangen, doch dann musste sie mittendrin alles ganz plötzlich aufgeben. Natalie Volkwein war nach ihrer Abiturfeier im vergangenen Jahr zu einem zwölfmonatigen Freiwilligen-Dienst für ein Umweltprojekt in die Philippinen aufgebrochen. Zusammen mit zwei weiteren Freiwilligen bemühte sie sich dort um die Anpflanzung von Bäumen und die Vermeidung von Plastikmüll, doch die rasante Ausbreitung des Corona-Virus zwang die 19-jährige Wetterburgerin in der vergangenen Woche, ihren Einsatzort Barili auf der auch bei Urlaubern beliebten Insel Cebu Hals über Kopf zu verlassen.

Nun sitzt sie isoliert im Haus ihrer Eltern in einer selbst verordneten Quarantäne und bemüht sich, das Erlebte so gut wie möglich zu verarbeiten. Noch immer hängt ihr Herz an den Menschen in dem kleinen philippinischen Städtchen. Doch ihr Kopf sagt ihr, dass sie nun das Beste aus der Situation machen muss. Nebenbei muss noch die sehr wichtige Frage geklärt werden, wie sie denn nun krankenversichert ist, wo doch der Freiwilligen-Status, über den sie bisher versichert war, nicht mehr gilt.

Zwei Wochen lang abrufbereit aus dem Koffer gelebt

Schon vor drei Wochen hatten sich die aktuellen Verwerfungen in ihren Plänen angedeutet: Ihre Freundin aus den Vereinigten Staaten, die mit ihr im Projekt auf den Philippinen im Einsatz war, wurde telefonisch über den von Präsident Trump geplanten Einreisestopp informiert. Sie musste daraufhin in nur vier Stunden ihre Sachen packen und zurück in die USA fliegen.

Ein paar Tage später meldete sich auch Natalies Entsende-Organisation: Man möge sich bitte rund um die Uhr telefonisch, per SMS und Email empfangsbereit halten.

„Wir konnten seitdem gar nicht mehr richtig schlafen, weil wir immer Angst hatten, einen wichtigen Anruf zu verpassen“, erzählt die 19-Jährige. Deshalb fühle sie sich jetzt „körperlich und psychisch ziemlich ausgelaugt“. Zwei Wochen hätten sie quasi aus dem Koffer gelebt und sich jeden Tag so gefühlt, als müssten sie sich von allen Liebgewordenen verabschieden.

Ungeduldige deutsche Touristen drängten sich vor

Schließlich sei auch für sie alles ganz schnell gegangen: Kurz vor dem angekündigten Lockdown, dem Ende der Bewegungsfreiheit auf der Insel, sei sie mit den anderen deutschen Freiwilligen nach Cebu-City gefahren, um dem Flughafen nahe zu sein.

Am Flughafen sei sie vom Verhalten der deutschen Touristen schockiert gewesen. Niemand habe den geforderten Sicherheitsabstand eingehalten und hatten sich vorgedrängelt, wodurch es einige Auseinandersetzungen gab, sodass philippinisches Sicherheitspersonal für Ordnung habe sorgen müssen.

Dann die Erkenntnis, dass die Warteschlange keinen Sinn ergab, da die Botschaft eine Liste erstellt hatte. Natalie und ihre Mitstreiter kamen auf die Liste für den nächsten Tag. Also im Eilschritt zurück ins Hotel, bevor die Reservierung verfallen würde.

Am nächsten Morgen lief alles geordneter ab. Der von der Bundesregierung organisierte Rückflug mit einer Maschine der Qatar Airways mit Zwischenlandung in Doha verlief reibungslos.

Warum gab es keinerlei Kontrollen in Frankfurt?

In Frankfurt wunderten sich die Rückkehrer, dass es keinerlei Kontrollen für sie gab. Kein Zoll, kein Fiebermessen, einfach weitergehen und ab nach Hause. Eine Umarmung gab es aber nicht, da sich die 19-Jährige in Wetterburg auch zum Schutz ihrer Familie und Freunden eine 14-tägige Quarantäne auferlegt hat.

Die Tage nutzt sie um in Kontakt mit den Freunden in Barili zu bleiben: „Die Nachbarskinder wollen ständige mit mir telefonieren. Es waren alle so unglaublich nett zu mir.“

Nun möchte Natalie das Beste aus der für sie sehr ärgerlichen Verkürzung ihres Auslandsaufenthaltes machen und möglichst schnell ihr ohnehin geplantes Biologiestudium beginnen. Die Bewerbung um einen Studienplatz geht natürlich von Deutschland aus leichter als aus der Ferne. Die Philippinen und die netten Menschen dort wird die junge Frau aber nie vergessen.

Wie ist Natalie zu erreichen?

Natalie Volkwein hat bei ihrem Aufenthalt auf der Philippinen-Insel Cebu Bäume gepflanzt, hauptsächlich Kaffee, Jackfruit, Narra und Guyabano. Ihre Erlebnisse während ihres Freiwilligendienstes hat sie in einem Internet-Blog zusammengefasst. (https://natalie-volkwein-goes-weltwaerts.jimdosite.com) Außerdem ist Natalie auf Instagram (natalievolkweingoesweltwärts) und Facebook (Natalie Volkwein) zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare