Bad Arolsen

Wenn Computer sprechen müssen

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Wenn Tom „Mama“ meint, streicht er über seine rechte Wange. Wenn er seine Meinung zum Mittagessen abgeben möchte, dann lässt er einen computergestützten XL-Talker mit Frauenstimme sprechen. Tom ist einer von 70 Schülern an der Bathildisheim-Schule, die nicht sprechen können. Zusammen mit rund 440 weiteren Kindern mit verschiedensten Behinderungen erhält er dort Förderunterricht. Gebärden und Computer zählen zur so genannten Unterstützten Kommunikation für Menschen wie Tom. Gebärden Die Preising-Schule gehört seit 1990 zu den Förderschulen, in denen das damals junge Fachgebiet der Unterstützten Kommunikation (UK) wegweisend umgesetzt wurde, so Bathildisheim-Vorstand Albert Schmidt. In Kursen werden Schlüsselwörter lautsprachbegleitend gebärdet oder können Schüler die Antwort auf eine Frage mithilfe der Stimme seines Sprachcomputers geben. Fortbildungen und Beratungen zur UK werden von geschulten Kollegen übernommen. Als Beratungs- und Förderzentrum steht das Schulteam für externe Beratungen von Eltern, Schülern und Institutionen bereit. Beratungsstelle Neu ist die gegenwärtig von Förderschullehrer Jörg Wöllenstein betreute UK-Beratungsstelle. Sie wendet sich bereits an Eltern von Kindern im Kindergartenalter, um so früh wie möglich Empfehlungen für die individuelle Entwicklung der UK geben zu können. „Kommunikation ist der Schlüssel für die Inklusion“, sagt Konrektorin Dr. Ursula Braun, bundesweit bekannte Fachfrau im Bereich UK. Mit der Inklusion ist in der Pädagogik als Ziel eine Schule gemeint, die für Menschen mit unterschiedlichen geistigen und körperlichen Voraussetzungen gemeinsamen Unterricht anbietet. Doch bei der UK rangiere Deutschland hinter den USA und skandinavischen Ländern. Dieses Thema sei noch nicht selbstverständlicher Teil des Studiums von Förderschullehrern oder bei der Ausbildung von Logopäden, erklärt Braun. „Ich habe Hunger“ Bei der Unterstützten Kommunikation werden Mimik, Gestik, Blickrichtung und Gebärden ebenso genutzt wie Fotos, Piktogramme oder gar Gerüche und komplexe Sprachcomputer. Letztere können inzwischen mit den Augen gesteuert werden. Symbol für Symbol fügt Tom zu einem einheitlichen System in seinem XL-Talker zusammen, um seine Gedanken und Gefühle, seine Wünsche und seine Abneigungen mittels synthetischer Stimme auszudrücken. Seine klare Ansage nach einem ausgedehnten Schulvormittag: „Ich habe Hunger.“ Konrektorin Dr. Ursula Braun unternahm Ende der 80er Jahre eine Forschungsreise durch die USA und veröffentlichte die Ergebnisse in ihrer Disserta- tion mit dem Titel „Unterstützte Kommunikation für körperbehinderte Menschen mit einer schweren Dysarthrie“ (1992). Zudem gründete sie die „Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation“ der internationa- len Organisation ISAAC, hat zahlreiche weitere Veröffentlichungen herausgegeben und wirkte in der Karl-Preising-Schule maßgeblich am Aufbau des Fachbereiches „Unterstützte Kommunikation“ mit. Sie ist auch Ansprechpartnerin: Telefon 05691/899-181 (Sekretariat), E-Mail: u.braun@bathildisheim.de .

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