Flashmob von Pflegekräften auf dem Belgischen Platz

Wenn Heilen krank macht

Bad Arolsen - Viele Überstunden, steigende Verantwortung, Mehrbelastung und weniger Zeit für die Patienten - den Angehörigen der Pflegeberufe reicht es, sie verliehen in Flasmobs, einer davon in Bad Arolsen, ihre Forderungen nach besserer Bezahlung und besseren Arbeitszeiten.

Etwa 60 vorwiegend weibliche Pflegekräfte aus Krankenhaus, Pflegeschulen, Altenheimen und mobilen Pflegediensten legten sich am Samstag zur symbolträchtigen Zeit - fünf vor zwölf - auf den Boden. Das Motto "Pflege am Boden" war für einen deutschlandweiten Aktionstag mit Flashmobs auch in Bad Windungen, Bielefeld und Paderborn angesagt. Der fünfte derartige Aktionstag, mit dem die Angehörigen der Pflegeberufe für die Verbesserung der Bezahlung und der Arbeitsbedingungen demonstrierten. Das partei- und gewerkschaftsunabhängige Bündnis „Pflege am Boden“ fordert vom Gesetzgeber eine „Reformierung der Pflegepolitik, die die Situation für Pflegende Gepflegte und Angehörige nachhaltig verbessert, damit in Zunft die Würde des Menschen wieder an erster Stelle stehen kann." Nach Auffassung der Pflegedienstdirektorin am Krankenhaus Bad Arolsen, Kathy Mehler, müsste die Krankenhausfinanzierung verbessert werden. Personal- und Sachkosten stiegen an, die Zuweisung von Mitteln werde jedoch reduziert. Sie alle, erklären die Pflegekräfte gegenüber WLZ-FZ bei der Protestaktion, lieben den Beruf und arbeiten gerne mit Menschen. Doch „von uns weiß keiner, ob er oder sie im Beruf bleiben will“, erklärt die für die Organisation in Bad Arolsen mit verantwortliche Henriette Dzillak aus dem derzeitigen Oberkurs in der Pflegeschule der Klinik.. Sie und die Lehrerin an der Krankenpflegeschule in Bad Arolsen, Claudia Hundertmark-Vogel, beklagen, dass den Schwestern und Pflegern weitere Tätigkeiten aufgebürdet würden, für die sie eigentlich nicht so eine hoch qualifizierende Ausbildung absolvieren: Hol- und Bringdienste oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten. Hinzu kämen Dokumentationspflichten und ein hoher Aufwand für die Organisation. So gebe es einen hohen Anteil von Teilzeitkräften, die häufig und kurzfristig für die Vertretung von Kolleginnen eingesetzt würden. Bei allen Verpflichtungen müsse aber auch noch Zeit für ein Gespräch mit den Patienten bleiben. Die Folgen für die hohe Belastung der Pflegekräfte sind ein hoher Krankenstand. Dieser sei höher als in anderen Berufen.Die in den elektronischen Communitys vernetzten Pflegekräfte finden eine gemeinsame Plattform auf der Webseite www.pflege-am-boden.de und setzen auf mehr öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Belange. Der zehnminütige Flash-Mob indessen lockte kaum Passanten an. Dabei sind die Mahnungen auf den Plakaten eindringlich: „Das Heilen macht uns krank“ oder „Auch Deine Eltern werden alt“. (ah)

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