Parlamentarisches Patenschafts-Programm: Ein Jahr in den USA

Wetterburgerin im Weißen Haus

Die Parlamentsstipendiatin Hannah Wierschula (2. von links) mit Praktikanten im Weißen Haus. Foto: Privat

Bad Arolsen-Wetterburg – Für Hannah Wierschula (23) ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Die Wetterburger Industriekauffrau lebt ein Jahr in den USA und gehörte für ein paar Wochen in Washington D.C. als Praktikantin zum Team des Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus Steve Chabot.

 Die Betriebsamkeit auf dem Capitol beim Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Donald Trump hat sie ebenso erfasst wie der Trubel nach den in Iowa begonnenen Vorwahlen. Ihr Job ist es, Anhörungen zu besuchen, Besucher zu empfangen und E-Mails von Menschen aus dem Wahlbezirk von Chabot zu verwalten und Informationen weiterzureichen.

Leben in Waschington

Auch in den politischen Alltag bekommt sie Einblick. Sie hat den Republikaner Chabot bei einer Rede zum Thema Abtreibungen erlebt.

Möglich wurde dies und noch viel mehr, weil sich Hannah Wierschula um den Austausch im Rahmen des gemeinsamen Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) des Bundestags und des amerikanischen Kongresses beworben hat.

Patin von Hannah Wierschula ist auf deutscher Seite die Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher (SPD) und Pate im US-Kongress der Abgeordnete Chabot (Republikaner).

Studium in Kentucky

Sie lebt die überwiegende Zeit bei einer Gastfamilie in Cincinnati (Ohio) und wird dort wie ein Familienmitglied in das Leben der Angehörigen einbezogen.

Eine Bereicherung für ihren Beruf als Industriekauffrau bot die Studienzeit an der eineinhalb Autostunden von Cincinnati entfernt gelegenen Northern Kentucky University in Lexington (US-Staat Kentucky) mit 14 000 Studenten. Wichtig war besonders der kulturelle Austausch und das gemeinsame Erleben des Alltags an einem amerikanischen College mit Gleichaltrigen.

Hannah Wierschulain Washington vor der Ansprache des US-Präsidenten. Foto: P´rivat

 Ihre Rolle als Juniorbotschafterin konnte sie bei Treffen an der Deutschfakultät ausfüllen. Als neues Mitglied des Model United Nations Clubs beteiligte sie sich an einer Konferenz mit mehreren tausend weiteren Studenten in Chicago, bei der über Kinderrechte oder das Einbeziehen von Ureinwohnern in Politik und Gesellschaft diskutiert wurde. Auch wenn vieles in den USA lockerer wirkt, die Menschen eher freundlich und offen wirken, so hat das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch allerhand bürokratische Hürden zu bieten.

Das sind Hürden

Das wurde vor der Einreise beim Antrag auf ein Visum, unmittelbar bei der Einreise im Einwanderungsbüro für Ausländer und schließlich in Ohio deutlich, als sie einen US-Führerschein beantragte, der für die Amerikaner mindestens so wichtig wie ein Pass ist.

Reisen nach Arizona zum Grand Canyon, zum Horseshoe Bend oder dem Antelope Canyon, Exkursionen in Betrieben und Institutionen machen das Jahr in den USA zu einem vielfältigen Erlebnis. Unvergessen ist die Silvesterparty in der Musikstadt Nashville, wo sie sich mit weiteren Austausch-Teilnehmern traf und in einer Menge von Tausenden von Country-Fans zu Keith Urban und Co. ins neue Jahr sang.

Das Highlight

Ein echtes Highlight ist die Zeit beim Kongress. Hannah Wierschula: „Es ist wirklich interessant, für einen Politiker zu arbeiten, dessen Meinung man nicht unbedingt teilt oder befürwortet. Das Praktikum hier wird deshalb umso interessanter. Mein Büro weiß, dass die deutschen Praktikanten nicht immer die gleichen politischen Ansichten vertreten, die Mitarbeiter schätzen den kulturellen Austausch sehr.“

 Da Chabot im Ausschuss für auswärtige Angelegenheit sitzt, hat das Büro öfter Praktikanten aus Asien. Er unterstützt das Programm seit Jahren und nimmt jedes Jahr einen Praktikanten von CBYX (steht für Congress-Bundestag Youth Exchange, das amerikanische Gegenstück zu PPP).

Weiteres Praktikum

Hannah Wierschula strebt ein weiteres Praktikum in Cincinnati an und hofft auf einen Job im Rahmen des Austauschjahrs. Reisen steht im Juli wieder an, am 22. Juli wird sie wieder in Deutschland sein. Im Anschluss möchte sie ein Studium mit dem Schwerpunkt auf internationale Business-Beziehungen und in der Hauptsprache Englisch beginnen. 

Sie kann einen solchen Austausch, der neben einem Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) für Schüler angeboten wird, nur empfehlen. Seit dem Start vor bald 37 Jahren haben 25 000 junge Leute teilgenommen, darunter 5000 junge Berufstätige. 

Netzwerk für junge Menschen

Das Programm Programm wurde 1983 zum 300. Jahrestag der Einwanderung der ersten Deutschen in die USA begründet. Es ermöglicht den Stipendiaten, für ein Jahr in den USA zu leben, zu studieren und zu arbeiten. Bundestag und Kongress finanzieren die Austauschprogramme für junge Leute von 18 bis 25 Jahren. Von den Teilnehmern wird auch ein Eigenanteil erwartet, etwa 380 Euro pro Monat. 

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) übernimmt auf deutscher Seite, Cultural Vistas Inc. in den USA den jeweiligen organisatorischen Part. Neben einem Treffen der Teilnehmer zur Nachbereitung besteht in Deutschland ein Ehemaligen-Verein, der als internationales Netzwerk früherer Teilnehmer für junge Berufstätige die deutsch-amerikanischen Beziehungen fördern will. 

Erfahrungen weitergeben

Dem Verein will Hannah Wierschula betreten. Sie möchte gerne auch bei den Vorbereitungsseminaren dabei sein, um von ihren Erfahrungen zu berichten und den neuen Jahrgängen zur Seite zu stehen: „Ich weiß noch, wie aufgeregt ich war, und es wäre schön, die neuen Jahrgänge auf dem Anfang ihrer Reise zu begleiten.“ Dieser Link führt zu der allgemeinen Webseite vom PPP.    Link zu dem Internet-Blog von Hannah Wierschula .

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