Mengeringhausen

Windkraft spaltet den Ortsbeirat

- Bad Arolsen-Mengeringhausen (-es-). Am Ende einer emotionsgeladenen Ortsbeiratssitzung am Sonntagabend sprachen sich fünf Ortsbeiratsmitglieder gegen das vom Magistrat geforderte Zielabweichungsverfahren für 15 Windkraftanlagen im Stadtwald aus.So viele Menschen hat der Sitzungssaal im Mengeringhäuser Rathaus wohl noch nie gleichzeitig gesehen. An die hundert interessierte Bürger drängten sich bis ins Treppenhaus, um die kurzfristig anberaumte Sitzung zur Unzeit mitverfolgen zu können.

Die drei FWG-Mitglieder hatten eine Regelung in der Hessischen Gemeindeordnung genutzt und die Sitzung mit verkürzter Ladungsfrist beantragt. Eine von aufgebrachten Bürgern parallel gestartete Flugblattaktion sorgte zusätzlich für Interesse am Sitzungsverlauf. Das gemeinsame Ziel war klar: Den Stadtverordneten soll vor ihrer Sitzung am Donnerstag, 6. Mai, um 20 Uhr in der Stadthalle deutlich vor Augen geführt werden, dass eine Mehrheit der Mengeringhäuser Bürger gegen den Bau von 150 Windkraftanlagen im Stadtwald von Mengeringhausen ist. Tatsächlich fand der entsprechende FWG-Antrag am Ende eine knappe Mehrheit: die drei FWG-Ortsbeiräte und zwei von der CDU stimmten für den Antrag. Drei SPD-Ortsbeiräte und einer von der CDU stimmten dagegen. Dass die Haltung der Windkraftbefürworter einigen Mut erforderte, machte Klaus Tschierschky (SPD) deutlich. Er habe am 1. Mai ein sehr emotionales Gespräch zu dem Thema führen müssen. Am Ende habe sein Gegenüber ihm gedroht: „Wenn du für die Windkraft stimmst, kennen ich einen, der dein Haus in die Luft jagt.“ Auch Karl Kratz (CDU) berichtete, dass Stadtverordneten gedroht worden sei, in ihren Geschäften Kunden zu verlieren, wenn sie „falsch“ abstimmten. Umso mehr bemühten sich die Ortsbeiratsmitglieder sachlich zu bleiben. Jens Meuser (FWG) erklärte, er fühle sich von dem Vorhaben überfahren. Wenn er gewusst hätte, dass das Ortsbeiratsvotum vom November 2008 solche Auswirkungen haben würde, hätte er seinerzeit gegen die Prüfung der Windkraftoption gestimmt. Wenn das Stadtparlament am Donnerstag über das so genanten Zielabweichungsverfahren abstimme, und damit den Weg für das Planverfahren freimache, habe diese Entscheidung für Mengeringhausen die Entscheidung mit der größten Tragweite seit der Gebietsreform. Seine Mutter, die FWG-Kreistagsabgeordnete Doris Meuser, ergänzte, dass sie durchaus Verständnis für die Lage des Bürgermeisters habe, der sich um die Finanzen der ganzen Stadt kümmern müsse. Die gewählten Vertreter von Mengeringhausen aber müssten darüber wachen, dass ihre Mengeringhäuser Heimat nicht kaputtgemacht werden. Widerspruch kam vom FWG-Magistratsmitglied Dieter Feurich: Die Einbringung von „spätmittelalterlicher Romantik“ in die Diskussion habe in der Bevölkerung zur Legendenbildung geführt. Darunter hätten Klarheit und Wahrheit gelitten. Feurich: Man sollte auch mal den Fachleuten zuhören und versuchen, deren Argumente zu verstehen. Jedenfalls gehe es am Donnerstag lediglich um einen Zielabweichungsantrag im Raumordnungsverfahren. Ob dann am Ende auch gebaut werde, stehe noch in den Sternen. Mutig gegen die Mehrheitsmeinung angesprochen hatte auch Förster Dieter Kisselbach, als er aus forstlicher Sicht über die nicht mehr zu übersehenden Waldschäden durch den Klimawechsel sprach. In zehn Jahren werde der Wald definitiv anders aussehen als heute. Die Klimaerwärmung sei nur durch erneuerbare Energien wie die Windkraft aufzuhalten. Den Einwurf aus dem Publikum und von Doris Meuser, wonach die 15 Windkraftanlagen in Mengeringhausen die Klimaerwärmung nicht stoppen könnten, wurde von Matthias Decker von der Offenen Liste relativiert: In vielen Städten würden derzeit die gleichen Diskussionen geführt und viele Windkraftanlagen in vielen Städten könnten sehr wohl einen Unterschied machen. Bürgermeister Jürgen van der Horst kündigte an, dass es voraussichtlich am 31. Mai um 20 Uhr in der Stadthalle eine Bürgerversammlung mit Befürwortern und Gegnern der Windkraft geben werde.Von Elmar Schulten

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