Neue Anlagen in Gembeck liefern fünfmal so viel Strom wie die alten

Windpark auf Wachstumskurs

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Der Windpark in Gembeck war 2008 eine Spielstätte der Kunstaktion „Bewegter Wind“. Nun wird über ein Repowering nachgedacht. Die fünf Altanlagen sollen weg und durch bis zu acht moderne Anlagen im Domanialwald nördlich von Gembeck ersetzt werden.

Twistetal-Gembeck - Sie gehörten vor rund 20 Jahren zu den ersten Windkraftanlagen, die in Nordwaldeck errichtet wurden. Mit rund 50 Meter Nabenhöhe gehörten sie zu den neuesten Errungenschaften einer aufstrebenden Industrie.

Nach anfänglichen Widerständen haben sich die Gembecker an die fünf Windräder in nur 500 Meter Entfernung von ihrem Dorf gewöhnt. Doch inzwischen wachsen Windkraftanlagen mehr als 200 Meter in den Himmel.

Ihre Energieausbeute wurde um den Faktor fünf gesteigert. Und auch die Regelungen zu den Mindestabständen, die mit Rücksicht auf die Menschen eingehalten werden müssen, haben sich verdoppelt.

Repowering-Bonus

Deshalb erscheint es sinnvoll, dass in diesen Tagen über sogenanntes Repowering, die technische Aufrüstung und Modernisierung des Windparks bei Gembeck nachgedacht wird.

Im Rahmen einer Bürgerversammlung informierten am Dienstagabend im Gasthaus Scheele Vertreter der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) über die Pläne der neuen EWF-Schwester VEW, die alten Anlangen zu kaufen und abzutragen, um dann 500 Meter weiter nördlich im Wald in Richtung Frederinghausen bis zu acht neue, größere Anlagen zu errichten.

Für das Repowering gibt es zusätzlich finanzielle Anreize nach dem Gesetz über die erneuerbaren Energien, was das Projekt für das VEW besonders interessant macht. Die Gembecker dürften sich darüber freuen, dass sich die Anlagen künftig nicht mehr so nah über dem Dorf drehen.

Start schon 2014?

Doch vor den Baubeginn haben Gesetzgeber und Behörden ein strenges Planverfahren gesetzt. Das kommt nun in Gang. Voraussetzung ist unter anderem ein avifaunistisches Gutachten, das die Auswirkungen der Anlagen auf die Vogelwelt in der Region untersucht. Dazu muss mindestens eine komplette Vegetationsperiode beobachtet werden. Die ist bald abgeschlossen. Das Gutachten kann also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Die Planungen auf Gemeindeebene passen sich in die Planungen des Regierungspräsidiums für den neuen Regionalplan ein, sodass im Idealfall alles Hand in Hand zusammengehen müsste.

Wenn alles passt, könnte im Sommer 2014 mit dem Bau begonnen werden, rechnete der von der Gemeinde beauftragte Planer Detlef Schmidt vom Grebensteiner Büro Freiraum und Landschaftsplanung vor. Allerdings gibt es wie in jedem Planverfahren Unwägbarkeiten.

Fest steht aber, dass es enge Fristen für die Abschaltung und den Abbau der Altanlagen gibt, wenn die Betreiber der Neuanlagen in den Genuss der Repowering-Förderung kommen wollen. Davon sollen nach dem Willen von EWF und VEW auch die Bürger in Gembeck und ganz Twistetal profitieren. Angedacht sind mehrere Beteiligungsmodelle. Außerdem wird zugesichert, dass die Betreibergesellschaften ihre Gewerbesteuer in Twistetal zahlen werden.

Keine neuen Strommasten (es)

Auf Nachfrage besorgter Gembecker wurde versichert, dass der Anschluss des neuen Windparks an das allgemeine Stromnetz ausschließlich über Erdkabel erfolgen solle. Es werde keine neuen Überlandleitungen geben. Das ist in Gembeck ein besonders Thema, weil hier die bombastischen Masten des europäischen 380-KV-Netzes entlanglaufen.

An diese Stromautobahn ist jedoch kein Anschluss möglich. Stattdessen sollen Anschlusspunkte an das 110-KV oder 20-KV-Netz in Korbach oder Mengeringhausen geprüft werden, aber alles per Erdkabel, so die Zusicherung der EWF-Fachleute am Dienstagabend.

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