Mehrparteienhaus vom Bathildisheim eröffnet

So wird inklusives Wohnen in Bad Arolsen unterstützt

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Die inklusive Wohnanlage des Bathildisheims am ehemaligen Zimmerplatz wurde mit einer Feier in der Freien Evangelischen Gemeinde eingeweiht. Foto: Armin Haß

Bad Arolsen. Die Wohnanlage des Bathildisheims am Watterweg, das erste inklusive Wohnprojekt in Bad Arolsen, wurde mit einer Feier bei der benachbarten Freien evangelischen Gemeinde eingeweiht.

Zwölf Menschen mit Behinderungen finden dort gegenwärtig Raum für ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Vier Wohneinheiten sind an externe Mieter vergeben worden. 

Das wird geboten

Die Wohnanlage am Watterweg mit Platz für insgesamt 24 Mieter entstand zwischen März 2018 und August dieses Jahres. Daneben besteht bereits seit 15 Jahren das vom Bathildisheim Wohnhaus Bickeweg mit 26 Plätzen. 

Beide Häuser stehen mitten in Arolsen, neben dem Einkaufszentrum Alter Zimmerplatz und im Anschluss an vorhandene Wohngebiete auf einer ehemaligen Pferdeweide. „Ein echt inklusives Projekt“, sagte der Bereichsleiter für heilpädagogisches Wohnen, Jörg Schumacher, im Gemeindehaus. 

Das sind die Bewohner

Ein großer Teil der Bewohner stammt aus dem Haus Eiche des Bathildisheims, lebten vorher im Haus Bickeweg (stationäres Wohnen) oder anderen Häusern für ambulantes Wohnen, die das Bathildisheim in den vergangenen Jahren bauen ließ. In dem barrierefreien zweigeschossigen Neubau sind neun geräumige Wohneinheiten entstanden, die Etagen werden durch Treppen und Aufzug miteinander verbunden. 

Fünfer- und Dreier-Wohngemeinschaften, aber auch kleinere Gruppen und Einzelwohnbereiche bestehen in dem Gebäude. Die Wohnanlage wurde mit den nötigen Leitungen versehen, um digitale Assistenztechnologien nutzen zu können. 

Diese Kosten wurden kalkuliert

Es brauchte Zeit, bis dieser Schritt zu inklusivem Wohnen vollzogen wurde, erklärte Bathildisheim-Vorstand Dr. Christian Geyer. Das Projekt markiere den Wandel vom Heim zu einem Mehrparteienhaus. Damit werde die Vielfalt in der Gesellschaft gezeigt und dass jeder willkommen sei. 

Wegen explodierender Baukosten hätten sich die - mit 2,2 Millionen Euro kalkulierten - Investitionen verteuert. Der Landkreis unterstütze Mieter im Rahmen der Grundsicherung.

Mit der ersten inklusiven Wohnanlage in Bad Arolsen habe das Bathildisheim Zeichen gesetzt, sagte Volker Schultze, Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Bad Arolsen. Die Genossenschaft übernimmt die mietrechtliche Betreuung. Ein Ehepaar fungiert als Hausmeister. 

So funktioniert es

Geplant wurde die Anlage vom Architekturbüro Schütt, die baufachliche Betreuung erfolgt durch das Baumanagement des Bathildisheims. Pfarrer Alfred Dautermann, Seelsorger der Freien evangelischen Gemeinde, und Nachbar des Hauses am Watterweg, wünschte dass die Inklusion gelingen möge und die Menschen sich in dem Umfeld wohlfühlten.

Anleiter für die Wohngemeinschaften und Assistenzkräfte unterstützen die Bewohner mit Behinderungen, vom Waldeckschen Diakonissenhaus werden Angebote für die Freizeitgestaltung gemacht. 

Das sagt eine Bewohnerin

Der Einzug in das inklusive Wohnhaus bedeutet für die Mieter eine starke Veränderung, wie Bewohnerin Tina Pippert erklärte: „Im stationären Wohnen hatten wir Geborgenheit und Sicherheit, als Mieter und Klienten haben wir neue Herausforderungen. Wir leben, arbeiten, wohnen und essen zusammen, können ausgehen, wann wir wollen, und treffen gemeinsam Entscheidungen“, freute sie sich. 

Die Devise „Ambulant vor stationär“ für das inklusive Wohnen orientiert sich an der EU-Behindertenrechtskonvention, die eine Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sicherstellen will. Gewollt ist ein Mittendrin-Charakter, das Wohnen dort, wo das Leben pulsiert. Geschäfte, Ärzte und Apotheken sollten in der Nähe sein, damit die Bewohner möglichst selbst ihre Angelegenheiten oder Einkäufe regeln können.   ah

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