Das Waldinformationszentrum Hardehausen ist um einige Attraktionen reicher

Wisente fruchtbar wie lange nicht

Wisentwart Hans-Josef Böning, Gehegeleiter Rainer Glunz (l.) und Martin Wagemann (r.) vom Waldinformationszentrum sind stolz auf ihre Wisentzucht.

Warburg-Scherfede - Das mit Abstand „fruchtbarste“ Jahr verzeichnet das Wisentgehege in Hardehausen: mit aktuell zwölf Kälbchen ist nach 55 Jahren Wisentnachzucht die höchste Geburtenrate erreicht.

Seit Anfang Mai hat sich die Kinderstube in den ausgedehnten Gehegeanlagen zwischen dem Wald­infozentrum Hammerhof bei Scherfede und Kloster Hardehausen zusehends gefüllt.

Bei den Bergwisenten im Hammerbachtal kamen sieben Kälber zur Welt, während sich bei den Flachlandwisenten im Schwarzbachtal weiterhin fünfmal Nachwuchs anmeldete. Als nahes Ausflugsziel ist das Wisentgehege in diesen Tagen also besonders lohnend.

Das Jüngste der Kälber, mit Namen „Eisvogel“, bleibt derzeit noch dicht an der Seite seiner Mutter „Eisblume“. Bei seiner Geburt am 2. Juli hatte das niedliche Kerlchen die Mitarbeiter bereits kräftig ins Schwitzen gebracht.

Seinen Namen „Eisvogel“ hat der junge Flachlandwisent nämlich nicht von ungefähr: Der seltene blaue Vogel ist im Tal des Schwarzbachs heimisch - an eben dem Gewässer, in das das Kälbchen bei seiner Geburt mitten hinein geplumpst ist.

Da in dem sieben Grad kalten Wasser die Gefahr des Ertrinkens oder der Unterkühlung bestand, musste das Kalb schnellstmöglich geborgen werden. Und zwar „mit dem Lasso, durch die halb geöffnete Autotür“, wie Wisentwart Hans-Josef Böning berichtet.

Die junge Mutter „Eisblume“ war nämlich nur wenige Schritte entfernt und griff mehrmals das Fahrzeug der Retter ihres Kalbes an.

„Das war Aufregung pur“, resümiert Gehegeleiter Rainer Glunz, zumal die Geschichte ein „Happy End“ nahm.

Mutter und Kind haben sich von der Aufregung rasch erholt, sind beide wohlauf und weiden inmitten ihrer Herde um Bulle „Usedomer“ unterhalb des Wisentturms.

Mit der spektakulären Geburt hat sich die Gesamtzahl der Hardehausener Wisente auf vierzig erhöht - und das just an dem Tag, an dem Wisentwart Hans-Josef Böning seine 40-jährige Betriebszugehörigkeit feierte.

Mit den zwölf Kälbern sind auch die großen Verluste der verheerenden Blauzungenkrankheit aus dem Jahr 2007 wieder ausgeglichen. Insofern ist es ein besonderes Jahr für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der das Wisentgehege seit 1958 zum Zweck der Art­erhaltung unterhält.

Besucher, die vom Parkplatz am Waldinfozentrum Hammerhof oder dem Kloster Hardehausen aus loswandern, bekommen neben den Wisenten übrigens auch Tarpanpferde, weißes Rotwild und Wildschweine zu Gesicht. (sim)

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