Wolfgang Büscher liest aus „Heimkehr“ zum Auftakt des Literarischen Frühlings

„Wunderbar, dass es diese Welt hier gibt“

Literarischer Frühling im Spätsommer: Wolfgang Büscher bei seiner Lesung aus seinem neuen Buch „Heimkehr“ im Steinernen Saal des Residenzschlosses Bad Arolsen.
+
Literarischer Frühling im Spätsommer: Wolfgang Büscher bei seiner Lesung aus seinem neuen Buch „Heimkehr“ im Steinernen Saal des Residenzschlosses Bad Arolsen.

Unter dem Motto „Heimat 4.0“ hat der Literarische Frühling seinen coronabedingt verspäteten Auftakt mit der Lesung von Wolfgang Büscher gefunden.

Bad Arolsen - Sein erst vorige Woche offiziell vorgestelltes Buch „Heimkehr“ beleuchtet dieses Thema sehr persönlich aus der Sicht des Autors, der in einer Jagdhütte der Fürstlichen Stiftung ein halbes Jahr lebte.

Im Steinernen Saal des Residenzschlosses zu Bad Arolsen fand die Lesung vor Prinz Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont und dem ebenfalls in dem Buch erwähnten Revierförster Oliver Wagemann den glanzvollen Rahmen - corona-bedingt in zwei Lesungen mit maximal 40 Zuhörern.

Das Buch vom Sterben des Waldes und dem Kampf für die Neuaufforstung handelt auch vom Sterben der Mutter Büschers, der aus Volkmarsen stammt. Eindringlich, mit hohem Einfühlungsvermögen und doch auch als Beobachter schildert der nunmehr 69-Jährige diese letzten Besuche bei seiner Mutter. So beschreibt er auch den ganz anderen Lebensentwurf, die Prinzipien der alten Dame.

Die Textpassagen vor dem dankbar applaudierenden Publikum bieten eindrucksvolle Naturbeschreibungen und greifen auf sympathische Weise, aber auch ohne Verklärung Szenen eines Schützenfestes in Kohlgrund heraus. In dem Buch tauchen übrigens weder Namen der Protagonisten noch der Orte auf - die heimischen Leser werden sie schnell ausmachen.

Für den Stadtmenschen mag das eine versunkene Welt sein. Büscher erklärt im Gespräch mit Klaus Brill vom Literarischen Frühling, dass diese Welt der Schützenfeste oder der großen Kirmes in Arolsen „damals konkurrenzlos“ war.

Das ist nun seit seiner Jugend anders geworden, hier gebe es auch das, was man in der Großstadt finde. Und da ist er auch bei dem Thema der Literaturveranstaltung „Heimat 4.0“: „Es ist ganz wunderbar, dass es diese Welt hier wirklich gibt und dass sie lebendig ist. Das hier ist real, und ich hoffe, das bleibt auch.“

Das Leben in dem halben Jahr, „ich habe das hier geliebt“, und ihm sei es wichtig, das er die Verbindungen dorthin weiter halte. Damit meint er nicht nur traditionelle Veranstaltungen, sondern auch den hingebungsvollen, ganz nahe erlebten Einsatz gegen das durch Stürme, Hitze und Käfer verursachte Waldsterben, das den Verfall der Fichten durch den Sauren Regen in den 80-er Jahren in den Schatten stellt und es auch für Städter greifbar macht.

Dennoch durchmisst der Journalist und Autor von Büchern wie „Hartland, in dem er seine Erfahrungen bei der Wanderung durch die USA vom Norden bis zum Süden schildert, die „Heimat 4.0“ in seinem Bericht aus dem Waldecker „Outback“ nicht so sehr in einem historischen oder politischen Kontext, sondern aus einem subjektiven Blickwinkel, lässt er Erinnerungen aus seiner Jugend aufleben, in der er selbst die Gegen durchstreifte - und in der er schließlich den üblichen Drang verspürt, dieser Region den Rücken zu kehren.

Der Autor wirbt im Gespräch mit Brill auch für Unvoreingenommenheit und mehr Nachdenken über das Leben voriger Generationen: „Es gibt so ein verbreitetes Zu-Gericht-Sitzen. Ich versuche, die Zeit zu verstehen, in der Menschen aufgewachsen und ihr Leben gestaltet haben.“

Die Lesung machte neugierig auf die eigentliche Reihe Literarischer Frühling, die nun vom 6. bis 15. November in Waldeck-Frankenberg stattfinden soll. Das Motto „Heimat 4.0“ bedeutet nach Auffassung der Organisatorin Christiane Kohl einen tief greifenden Wandel, ohne die Wurzeln zu verlieren. (Von Armin Haß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare