Zeckenstiche können schwere Krankheiten verursachen

Gefahr im Grünen

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Die Zecken lauern auf Grashalmen oder Büschen. 

In der Coronakrise bieten sich Ausflüge ins Grüne an. Doch auch in der Natur lauern jetzt im Sommer Gefahren durch kleine Blutsauger. Zeckenbisse können gefährliche Krankheiten verursachen.

Offiziell läuft die Zeckensaison von März bis Oktober, doch bei mildem Herbst- oder Winterwetter können sie durchaus aus ihrer Winterstarre aufwachen und nach geeigneten Blutopfern suchen. Auf der Jagd haben sie Lieblingsplätze, sitzen gern auf Grashalmen, an Buschzweigen und im Unterholz. Wenn es kühler wird, fühlen sie sich unter feuchtem Laub besonders wohl. Sie lauern ihren Opfern bis zu einer Höhe von etwa 1,50 m auf, und es ist den Blutsaugern dabei völlig egal, wo sie landen. Menschen oder Tiere jeder ‚Wirt’ ist ihnen recht. Streift man die Zecke, ergreift sie in Sekundenbruchteilen mit den starken Krallen an ihren Vorderbeinen die Haut oder die Kleidung und hält sich fest. Gut versteckt bleiben die Parasiten oft unbemerkt, saugen in aller Ruhe das begehrte Blut. Rund 50 Krankheitserreger trägt eine Zecke in sich. Für den Menschen besonders gefährlich sind die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis und Borreliose. Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems. FSME ist eine Viruserkrankung, die nicht mit Medikamenten heilbar ist. Nach einem Stich gehen die Viren sofort in die Wunde über. Auch wenn man eine Zecke sofort nach dem Stich entfernt, schützt das nicht gegen eine FSME. Es gilt aber: Je länger die Zecke saugt, umso höher ist das Risiko, sich mit weiteren Erregern zu infizieren.

Wann nach einem Zeckenstich erste Symptome von FSME auftauchen können, ist unterschiedlich. Die Inkubationszeit von FSME kann mehrere Wochen betragen. Erste Symptome werden meist als grippeähnlich beschrieben und von den Betroffenen zunächst als Sommergrippe eingestuft. Unter Umständen ist die Erkrankung damit überstanden.

Bei einem Teil der Infizierten befällt das FSME-Virus später das zentrale Nervensystem. Die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung der Symptome. Es werden vor allem fiebersenkende und schmerzstillende Mittel eingesetzt. Letzten Endes muss der Körper aber selbst mit dem Virus fertig werden. „Man kann sich gut mit einer Impfung schützen“, weiß Dr. Norbert Wirtz aus Bad Arolsen und erklärt: „Sie verringert die Gefahr einer Infektion deutlich. Für einen mehrjährigen Impfschutz vor FSME sind drei Impfungen notwendig. Die ersten beiden im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte – je nach FSME-Impfstoff – nach fünf oder neun bis zwölf Monaten. Danach ist eine erste FSME-Auffrischung nach drei Jahren nötig, um bestmöglich vorgesorgt zu haben“.

Borreliose gefährlich

Die Symptome können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Ein charakteristisches Borreliose-Symptom ist nur die Wanderröte. Diese ringförmige Hautrötung kann einige Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich rund um die Einstichstelle beobachtet werden.

Im frühen Stadium einer Borreliose werden neben der Wanderröte auch Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen beobachtet. Danach können verschiedene Krankheitszeichen bis hin zu einer Hirnhautentzündung auftreten. Im chronischen Spätstadium treten zudem Gelenkentzündungen auf. Wenn eine Wanderröte zu sehen ist und sich der Patient an einen Zeckenstich erinnert, wird der Arzt die Borreliose mit Antibiotika behandeln. Schwieriger ist die Diagnose im Spätstadium.

Dr. Norbert Wirtz empfiehlt die Impfung gegen FSME.

An einen Zeckenstich, der unter Umständen schon Jahre zurück liegt, erinnern sich viele Patienten nicht mehr. „Sollten die genannten Symptome vermeintlich grundlos auftreten und andere Erkrankungen ausgeschlossen sein, sollte man eine Borreliose-Infektion in Betracht ziehen“, erklärt Dr. Norbert Wirtz und sagt: „Erst wenn bei einer Blutuntersuchung keine Abwehrstoffe gegen Borrelien gefunden werden, kann der Arzt eine Borreliose im Spätstadium mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen. Da die Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist, lässt sie sich vor allem aber im Frühstadium gut antibiotisch behandeln. Bei später auftretenden und chronischen Symptomen sind oft Antibiotikagaben durch mehrwöchige Infusionen notwendig“. Nicht jede Zecke ist infiziert, und nicht jede Infektion führt zu einer Erkrankung. Etwa fünf Prozent aller Zecken tragen das FSME-Virus und etwa 20 Prozent übertragen die Borreliose-Bakterien. Von den Menschen, die von einer FSME-Viren-infizierten Zecke gestochen werden, erkrankt etwa jeder Dritte. Bei den anderen verläuft die Infektion ohne merkliche Krankheitszeichen. Auch bei einem Kontakt mit Borrelien gelingt es dem Körper, die Bakterien in Schach zu halten. Die Infektion verursacht dann keine Beschwerden und heilt folgenlos aus. Daher lassen sich auch bei vielen gesunden Menschen Abwehrstoffe gegen Borrelien im Blut nachweisen. Bis zu 25 Prozent aller Menschen haben solche Antikörper im Blut, ohne je an einer Borreliose erkrankt zu sein.

Für einen mehrjährigen Impfschutz vor FSME sind drei Impfungen notwendig. 

Wer das Risiko einer Borreliose oder FSME-Erkrankung verringern möchte, sollte Zeckenstiche so gut es geht vermeiden und sich nicht ungeschützt in der freien Natur aufhalten. Geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und langen Hosen macht den Zecken das Zubeißen schwer. Am besten steckt man die Hosenbeine in die Socken und trägt Stiefel. Auf heller Kleidung lassen sich Zecken schnell erkennen und können vielleicht sogar entfernt werden, bevor sie zustechen. Insektensprays halten nicht nur Stechmücken, sondern auch Zecken für eine Weile ab. Da ein Zeckenstich keine Schmerzen verursacht, sollten zuhause Kleidung und Körper nach Zecken abgesucht werden. Bei Kindern sind Kopf, Haaransatz und Nacken häufig betroffen. Gegen eine FSME schützt die Impfung zusätzlich. /Barbara Liese

Info

www.fleatickrisk.com

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