Letzte Synode des selbständigen Kirchenkreises der Twiste

Die Zeiten des Fürsten als Bischof sind lange vorbei

Letzte Kreissynode im Kirchenkreis der Twiste: v. l. Propst Helmut Wöllenstein, Präses Werner Mirk, Dekanin Eva Brinke-Kriebel, Präses i. R. Dr. Günter Welteke. Foto: Elmar Schulten

Bad Arolsen - Eine Mischung aus Abschieds- und Aufbruchstimmung herrschte am Donnerstag im Bernhard-von-Haller-Haus.

Nach sechsjähriger Vorbereitungszeit wird voraussichtlich im November das Kirchengesetz verabschiedet, das die Fusion der beiden Kirchenkreise der Twiste und des Eisenbergs besiegelt. Damit folgt die Landeskirche letztlich dem Gebot der Wirtschaftlichkeit. De Kreissynode am Donnerstag im Haller-Haus war daher die letzte ihrer Art.

Eine Ära geht zu Ende, wie auch Kirchenrat Dr. Günter Welteke in seinem historischen Rückblick aufzeigte. Bis 1918 war der regierende Fürst zugleich Oberhaupt der Landeskirche in der Funktion eines Bischofs.

Seit 1853 war die Landeskirche von Waldeck in vier Kirchenkreise unterteilt. Der Kirchenkreis der Twiste setzte sich aus den früheren Konventen der Twiste und der Diemel zusammen und entsprach der damaligen politischen Gliederung.

Mit der Absetzung des Fürsten Friedrich 1918 durch den Arbeiter- und Soldatenrat aus Kassel verlor die Kirche auch ihren Bischof. Es dauerte bis 1921, bis eine neue Kirchenverfassung in Kraft trat. 1934 folgte dann, auch unter dem Druck der Nationalsozialisten, die Vereinigung von Waldeck mit der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in einer Synode von Treysa die neue Struktur bestätigt. Die Landesssynode 1975 fasste die Sprengel Waldeck und Marburg zusammen. Welteke: „Die damals abgegebene Bestandsgarantie für die drei selbständigen waldeckischen Kirchenkreise hat immerhin noch 35 Jahre gehalten.“

Die kommissarische Dekanin Eva Brinke-Kriebel gestand den Synodalen im Kirchenkreis der Twiste ein wenig Trauer zu: „Das Ende des selbständigen Kirchenkreises - das klingt erst mal traurig und man kann auch mal kurz seufzen, aber es ist auch ein Neuanfang mit neuen Chancen und Möglichkeiten.“

Das bekräftigte auch Propst Helmut Wöllenstein in seinem Grußwort an die Synode: „Bei allem Traurigen überwiegt doch das Erfreuliche.“ Er rief dazu auf, den Blick nach vorne zu richten. In der Zusammenarbeit hätten beide Kirchenkreise schon viele positive Zeichen gesetzt, die auch in anderen Teilen der Landeskirche beachtet würden. Im Namen der Landeskirche dankte Propst Wöllenstein daher für die schwierigen Strukturentschei-dungen, die die Synodalen in den vergangenen Jahren getroffen haben. Ihm sei bewusst, dass diese Entscheidungen in den Gemeinden nicht immer leicht zu vermitteln gewesen seien.

Auch wenn in den vergangenen Jahren viel Zeit mit der Vorbereitung der Kirchenkreis-fusion verbracht wurde, so haben die Synodalen doch auch inhaltlich gearbeitet. Das wurde bei der Diskussion der neuen Konzeption für die Konfirmandenarbeit in der Landeskirche deutlich. Einen ausführlichen Bericht über ihre Reise zur Patenkirche von Ost-Java hatte die Helmighäuser Pfarrerin Silke Kohlwes vorbereitet. Neben all den vielen schönen Begegnungen mit den Menschen sei sie doch sehr erschrocken über den fortschreitenden Raubbau an der reichen Natur Indonesiens. Das Thema Bewahrung der Schöpfung sei daher ein Schwerpunkt der Lernreise in die zweite Heimat des Schmillinghäuser Missionars Johannes Emde gewesen.

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