Wer hat noch Erinnerungsstücke an ehemalige jüdische Nachbarn?

Zeitzeugen für Dokumentation gesucht

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Ausstellung Legalisierter Raub im Regionalmuseum Wolfhagen, v. l.: die hr-Ausstellungsmacherin Bettina Lecker, Ernst Klein vom Volkmarser Verein „Rückblende – Gegen das Vergessen“, Dekan Dr. Gernot Gerlach, die neue Leiterin des Regionalmuseums, Beate Bic

Volkmarsen/Bad Arolsen - „Legalisierter Raub“ lautet der Titel einer Wanderausstellung, die der Hessische Rundfunk vom 17. Januar bis 7. April 2013 im Regionalmuseum Wolfhager Land zeigt.

Die Ausstellung berichtet von der systematischen Ausplünderung jüdischer Bürger durch die Finanzverwaltung im Dritten Reich. Dabei geht es um so subtile Entscheidungen wie das Verweigern von geltendem Steuerrecht bis hin zur Verwertung der Habseligkeiten von Deportierten.

Es war ein eskalierender Prozess, der 1933 mit harmlosen Dingen begann, dann zu harschen Zugriffen auf das Steuereinkommen führte bis hin zur Konfiszierung von Graupen in der Speisekammer.

Zurückbleibendes Eigentum wurde beschlagnahmt und öffentlich versteigert. Manche Teile behielten Finanzbeamte für sich. Musikinstrumente fanden ihren Weg in Erholungs-heime der Finanzverwaltung.

Für die Präsentation wird die Ausstellung des Fritz-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen. Dargestellt werden sollen konkrete Beispiele der Ausplünderung jüdischer Familien in Wolfhagen, Zierenberg, Volkmarsen und Breuna.

Als kenntnisreiche Partner für die Wanderausstellung bieten sich in Nordwaldeck der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen und der Volkmar-ser Verein „Rückblende - Gegen das Vergessen“ an.

Aber auch Zeitzeugen aus der Region sind aufgerufen, ihre Erinnerungen an jüdische Nachbarn mitzuteilen. In vielen Familien gibt es nämlich Erinnerungsstücke, die jüdische Familien vor ihrer Deportation den Nachbarn zur Aufbewahrung gaben. Daher fragen die Ausstellungsmacher ganz konkret: „Wer besitzt Briefe, Fotografien oder andere Zeugnisse, die von ehemaligen jüdischen Nachbarn erzählen? Wurden in Ihrer Familie Gegenstände vererbt, die auf öffentlichen Versteigerungen so genannten nicht arischen Besitzes erworben wurden?“

Alle Hinweise werden auf Wunsch vertraulich behandelt, dienen aber zur Abrundung des Bildes. Ansprechpartner sind Bernd Klinkhardt vom Regionalmuseum Wolfhager Land, Telefon 05692/992431, außerdem Dekan Dr. Gernot Gerlach, Telefon 05692/996630, sowie Ernst Klein vom Volk-marser Verein Rückblende, Telefon 05693/9914990.

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