1921 gilt als Gründungsjahr

Zeugen Jehovas gründeten vor 100 Jahren eine Gemeinde in Arolsen

Ein vergilbtes Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1949 zeigt eine Gruppe Männer und Frauen vor einem Band mit dem Schriftzug „Jehovas Zeugen Arolsen“.
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Sie haben der Verfolgung durch die Nazis überlebt: Mitglieder der Arolser Gemeinde der Zeugen Jehovas auf einer Großveranstaltung der Religionsgemeinschaft in Düsseldorf im August 1949.

Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas blickt in Bad Arolsen auf 100 Jahre aktives Gemeindeleben zurück. Die Bad Arolser Gemeinde der Zeugen Jehovas wurde 1921 gegründet. Seitdem sind sie auch hier durch ihre Missionstätigkeit an den Haustüren und in der Innenstadt bekannt.

Bad Arolsen - Alfred Schubart, Oberbuchhalter in Arolsen, kam im Jahr 1921 mit einem Bibelforscher, wie Jehovas Zeugen damals genannt wurden, in Kontakt. Das motivierte ihn, die Bibel selbst genauer kennenzulernen. Mit seiner Frau Anna gehörte er zu den Gründern der Arolser Bibelforschergemeinde.

Kurz nach der Machtergreifung der NSDAP Ende Januar 1933 wurde durch Beauftragte der „neuen Regierung“ zusammen mit Kirchenvertretern der Weg für das Verbot der Tätigkeit der damals 25.000 Zeugen Jehovas in Deutschland geebnet.

Von Nazis verhaftet

Unter den Opfern der darauffolgenden brutalen Verfolgung befanden sich auch Zeugen Jehovas aus Bad Arolsen. Der Külter Landwirt Friedrich Wagener beispielsweise verweigerte aus Gewissensgründen den Wehrdienst.

Im Frühjahr 1937 wurde er verhaftet und kam ins Konzentrationslager Ravensbrück, in der Folge auch nach Buchenwald und Dachau. Acht Jahre Konzentrationslager hatten ihn jedoch nicht in seiner Überzeugung erschüttert.

Verfolgugnsgeschichte gut dokumentiert

Über die Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas während der NS-Zeit gab es 1997 im Bad Arolser Bürgerhaus eine Gedenkveranstaltung mit Vorträgen örtlicher Historiker, einem Grußwort des Bürgermeisters und Zeitzeugeninterviews.

Zahlreiche Aufzeichnungen über die in der NS-Zeit verfolgten Zeugen Jehovas finden sich auch in den Dokumenten der Arolsen Archives.

Zunächst in privaten Räumen getroffen

Die Gottesdienste der Gemeinde fanden in der Nachkriegszeit in den Räumen des ehemaligen Katasteramts in der Schlossstraße und später in einer umgebauten Garage in der Bahnhofstraße statt. 1961 baute Rudolf Hilgenstock mit Unterstützung der Glaubensgemeinde in seinem Garten In der Strothe einen 100 Quadratmeter großen Saal, den die Gemeinde 29 Jahre lang für ihre Gottesdienste nutzte.

Da die Gemeinde Ende der 80er Jahre bereits rund 90 Aktive zählte, reichten die Räumlichkeiten nicht mehr aus. Nach längerer Grundstückssuche fanden die Zeugen Jehovas einen Bauplatz in der Uplandstraße.

Neubau in der Uplandstraße

Im Juni 1990 wurde das Fundament gelegt, im September und Oktober der komplette Bau fertiggestellt. Dieses Gebäude nutzte die Gemeinde bis zu Beginn der Corona-Pandemie für ihre interaktiven Gottesdienste. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 halten Jehovas Zeugen weltweit ihre Gottesdienste ausschließlich per Videokonferenz ab. Darüber hinaus wurden die bekannten Hausbesuche und die Infostände überall und auch in Bad Arolsen eingestellt.

„Wir versuchen nach wie vor, keine Infektionsherde zu bilden. Viele unserer Mitglieder sind geimpft. Um unsere Nachbarn dennoch mit schönen Gedanken aus der Bibel zu erreichen, schreiben wir beispielsweise seitdem kurze Briefe“, sagt Matthias Meyer, Medienkontakt der Bad Arolser Gemeinde.  

Mehr über Jehovas Zeugen, ihre Geschichte, Glaubensansichten und Aktivitäten kann man im Internet auf www.jw.org erfahren.

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