Pflege und Zukunft im Klimawandel

Das zieht 50 Baumexperten aus Deutschland  in die "Stadt im Walde"

Fachleute in der Großen Allee: Über die Begutachtung von Bäumen in Verbindung mit digitalen Baumkastern berieten rund 50 Experten in Bad Arolsen. Links der Bad Arolser Baumpfleger Mihael Daruk. Foto: Armin Haß

 Bad Arolsen. Der Baumbestand in den Alleen und Parks in Bad Arolsen ist ein gutes Anschauungsobjekt für Experten aus der Bundesrepublik. 50 Fachleute trafen sich zu einem Gedankenaustausch und zu Exkursionen in der „Stadt im Walde“.

Zu einem wichtigen Instrument für die in den Städten und Gemeinden tätigen Baumpfleger ist das elektronische Baumkataster geworden, mit dessen Hilfe allein in Bad Arolsen 6396 Exemplare an den wichtigsten Standorten registriert worden sind.

Darum ist Kontrolle wichtig

Dabei geht es um die Dokumentation von regelmäßigen Kontrollen, Pflegemaßnahmen, Beschreibung des Zustands und Anweisungen für den künftigen Umgang.

„Das muss gerichtsfest sein“, sagt Moritz Wurm, Geschäftsführer des Kasseler Software-Unternehmens Inovagis. Die Firma entwickelt seit zwölf Jahren digitale Kataster (Arbokat), die von 300 Kommunen in Deutschland genutzt werden, darunter auch in Bad Arolsen.

Das bringt ein Baumkataster

Nach dem Sturm Friederike am 18. Januar 2018 ist trotz der regelmäßige Pflege und Kontrolle im Stadtgebiet ein gutes Dutzend Bäume umgestürzt oder - geknickt. Da war es wegen möglicher Schadenersatzforderungen wichtig, anhand des digitalen Registers die vorgeschriebenen Maßnahmen nachweisen zu können.

Ohne die elektronischen Kataster kommen Kommunen gar nicht mehr aus, sagt der städtische Baumpfleger Mihael Daruk. In Versicherungen von Kommunen werde dieses sogar gefordert. Allenfalls Gemeinden mit wenigen Bäumen kämen vielleicht noch mit Baumkatastern auf Papier klar, sagt Daruk. Der bei der Stadt Bad Arolsen für die Baumpflege zuständige Mitarbeiter hat in einem berufsbegleitenden Lehrgang an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Heidelberg zusätzlich den europaweit anerkannten Abschluss als „European Tree Technician“ erworben.

Das ist das Ziel

Thema der Tagung im Bürgerhaus war auch die Aktualisierung der digitalen Baumkataster, in denen neue rechtliche Bestimmungen, technische Hinweise und Regelwerke auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Register sind auch eine wichtige Grundlage für die Beantragung von Geldern für die Pflege und gegebenenfalls das Fällen von nicht mehr zu rettenden Bäumen. Ziel ist jedoch stets der Erhalt des oft unter Denkmal- oder Naturschutz stehenden Baumbestandes der Gemeinden, bekräftigen die Fachleute.

Die registrierten Bäume seien in einem guten Zustand, sagte der städtische Baumpfleger Mihael Daruk. Das sei vor allem seinem Vorgänger in der Stadtgärtnerei, Wilhelm Müller, zu verdanken. Zudem seien 2018 wegen des Sturms Friederike viele Pflegemaßnahmen erfolgt. Mehr Arbeiten seien für 2019 geplant.

 Diese Strafen drohen

Nicht immer müssten Bäume gefällt werden, und oft sehe der Laie nicht, dass an einem Baum Pflegearbeiten vorgenommen worden seien, sagte Daruk. Bevor so spektakuläre Fällungen wie vor einem Jahr in der Schlosskurve oder in diesem Sommer in der Bahnhofstraße erfolgen, müssen die Naturschutzbehörden gehört werden.. In der Fürstenallee etwa wurde eine Käferlarve gefunden, die von Experten bestimmt und deren Schutzwürdigkeit eingestuft werden musste.

 Wohnen in den Bäumen Fledermäuse oder nisten dort Eulen, greift der Artenschutz. Wer dagegen verstößt, muss mit einer hohen Geld- oder mit einer Freiheitsstrafe rechnen. 

Gefragte Stadt der Alleen

Die Stadt arbeitet bei der Pflege mit erfahrenen Firmen aus der Region zusammen und nicht zuletzt mit Fachleuten wie die in Wetterburg lebende Sachverständige für Baumstandorte, Dr. Katharina Weltecke. Überregional anerkannte Experten wie Peter Klug und Philipp Funk brachten auch Teilnehmer aus Osnabrück und Bremen zur Tagung nach Arolsen. Daruk berichtet stolz, dass eine Stadtplanerin aus Freiburg sich über die Baumpflege in Bad Arolsen mit seinen vielen Alleen informierte. 

Klimawandel und vermehrte Unwetter bringen die Fachleute auch dazu, die Pflege und künftige Bepflanzungen neu zu überdenken. So schaden lang anhaltende Trockenheit, der Befall mit Käfern und  Pilzen oder mit Misteln zunehmend auch alten Bäumen. Hinzu kommen Schäden durch früher übliche Kappungen von alten Bäumen, die Verdichtung des Bodens, der Eintrag von Streusalz oder Schäden durch Bauarbeiten. In Bad Arolsen gebe es aber dank der guten Pflege keinen Grund zur Panik, stellt Daruk fest. 

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